Nierenversagen

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Nierenversagen – Patienteninformation zum Thema Bluthochdruck als wichtigste Ursache von Nierenversagen und Dialyse. Etwa 50.000 Menschen in Deutschland verdanken ihr Leben im Augenblick einem Verfahren, welches erst seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts verfügbar ist: der Dialyse. Wenn die Niere versagt, droht die Anreicherung schädlicher Substanzen im Blut. Mittels der Blutwäsche können diese wieder entfernt werden. Arbeiten die Nieren nicht mehr so wie sie sollen, so kann dies mehrere Ursachen haben. Darüber hinaus kann dieser Vorgang, wie bei anderen Erkrankungen auch, eher schnell oder eher langsam vonstatten gehen. Der Mediziner bezeichnet diese zwei Arten der Krankheitsfortschreitung als akut und chronisch. Geht es schnell, so ist oft der Blutdruck daran schuld. In diesem Fall ist er ausnahmsweise einmal nicht zu hoch, sondern zu niedrig: die Nieren werden nicht mehr richtig durchblutet und stellen ihre Funktion (vorübergehend) ein. Auch manche Medikamente können ein solch akutes Nierenversagen auslösen, Beispiele sind etwa viele Antibiotika oder Mittel gegen verschiedenste Krebserkrankungen. Auch können die Nieren durch eine akute Entzündung geschädigt sein. Manchmal findet sich die Ursache auch im Bereich der ableitenden Harnwege. Sitzt dort etwa ein Stein, so kann der Urin nicht ablaufen und staut sich bis in die Niere zurück. Die zwei grossen Ursachen für einen schleichenden und auch oft unbemerkten Funktionsverlust der Nieren sind der Bluthochdruck und die Zuckerkrankheit. Insbesondere wenn nicht auf eine gute Kontrolle des Zuckerspiegels im Blut geachtet wird oder der Blutdruck doch noch zu oft die zufriedenstellenden Werte übersteigt, haben die für unser Ausscheidung verantwortlichen Organe darunter zu leiden. Über viele Monate und Jahre ertragen sie es schweigend, bis sie langsam ihre Funtkionsfähigkeit einbüßen.

Nierenversagen – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Kreatinin und Harnstoff: Hilfreiche Signalgeber
Ist ein Verlust der Funktion der Nieren schleichend, so merken die betroffenen Menschen davon oft nichts. Bis dann meist eines Tages bei einer Routine-Blutkontrolle auffällt: „Die Niere arbeitet nicht mehr gut“. Wie kann dies festgestellt werden? Es gibt hierfür zwei einfache Labortests, die sehr gut eine Beurteilung der Nierenfunktion ermöglichen: Kreatinin und Harnstoff. Beide Stoffe werden von normal funktionierenden Nieren gut ausgeschieden, aber nicht von geschädigten: sie steigen im Blut an. Allerdings passiert dies erst, wenn die Nieren nur noch zu 40% funktionieren.
Dies bedeutet, dass eine grosse Anzahl der schlecht funktionierenden Nieren erst zu einem recht späten Zeitpunkt erkannt werden. Spezialisierte Tests können bereits noch etwas früher nachweisen, wie gut die Nieren wirklich ihre Aufgabe erfüllen. Diese sind allerdings nicht Bestandteil der normalen Blutuntersuchungen.

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2. Kreatinin-Clearance: wenn man’s genau wissen will
Einer dieser besonderen Tests ist die Kreatinin-Clearance. Kreatinin entsteht im Körper als Endprodukt des Muskelstoffwechsels. Setzt man die Menge an Kreatinin im Blut nun in Beziehung zur Menge an ausgeschiedenem Kreatinin im Urin, so kann man eine bessere Aussage über die Funktion unserer Ausscheidungsorgane treffen, als wenn man nur den Blutwert allein betrachtet. Praktisch lässt man hierzu den Patienten über die Dauer von 24h seinen gesamten ausgeschiedenen Urin sammeln. Im Labor werden dann entsprechende Berechnungen angestellt. Am Ende dieser steht ein Wert, der aussagt, wieviel Mililiter Blut die Nieren pro Minute von einer bestimmten Substanz reinigen können. Denn das ist ja schliesslich ihre Aufgabe.

3. Hämodialyse: Die künstliche Niere
Vor einigen Jahrzehnten konnte man für Menschen, deren Nieren nicht mehr so funktionierten, wie sie sollten, nicht besonders viel tun. Sie alle starben letztendlich an einer Vergiftung des Blutes. Heute hat man glücklicherweise ein sehr wirkungsvolles Verfahren zur Hand, das ein Überleben – im Extremfall völlig ohne Nieren – ermöglicht: die Blutwäsche. Auch als künstliche Niere bezeichnet wird hierbei an einem Punkt des Körpers Blut entnommen, und dieses dann in der Dialysemaschine an feinsten Membranen vorbei geführt, die in einer wässrigen Lösung „schwimmen“ und feine Poren haben. Weil gelöste Teilchen (also auch die Giftstoffe im Blut) immer danach streben, in die wässerige Lösung überzutreten, bis auf beiden Seiten dieselbe Menge an Teilchen ist, kann das Blut auf diese Art gereinigt werden. Das „saubere“ Blut wird dann wieder dem Körper zugeführt.

4. Shunts oder der kleine „Piks“ für Dialysepatienten
Wie aber kommt das Blut aus dem Körper in die Maschine? Wenn man sich vorstellt, dass Patienten mit stark geschädigter Funktion der Nieren etwa 3 mal pro Woche die Prozedur der Blutwäsche über sich ergehen lassen müssen, so wird schnell klar, dass man hier nicht wie bei der Blutabnahme vorgehen kann, die fast alle Patienten vom Besuch bei ihrem Hausarzt kennen. Die Gefässe würden irgendwann stark vernarben und bei Betroffenen mit „schlechten Venen“ würde vermutlich Arzt und Patient irgendwann verzweifeln. Deshalb bekommen Dialysepatienten ein spezielles, nur für die Dialyse vorgesehenes Gefäss angelegt. Eine Schlagader wird mit einer Vene verbunden. Letztere sind die Gefässe, die ihr sauerstoffreiches Blut bereits abgegeben haben und einen niedrigen Druck aufweisen. Aus der Schlagader strömt nun Blut unter Umgehung des Gefässbettes durch die Vene, die sich an die Belastung anpasst und widerstandsfähig wird. Diese bezeichnet man als Shunt. Sie kann problemlos mehrere Male pro Woche mit einer Nadel angestochen werden. Für eine kurzzeitige Dialyse werden meist sogenannte Katheter im Halsbereich gelegt, über die ein Zugang zum Gefäßsystem besteht.

5. Peritonealdialyse: „Feuchter“ Bauch
Braucht man immer eine Maschine, um das Blut zu waschen? Nein, in einigen Fällen kann man sich auch „Bordmitteln“ bedienen. Unser Körper verfügt über Strukturen, die den leistungsfähigen Membranen der Dialysemaschinen ähneln, beispielsweise das Bauchfell, das den gesamten Bauchraum auskleidet. Führt man nun von außen Flüssigkeit in den Bauchraum ein, so können über das Bauchfell die Stoffe, die auch an der Dialysemaschine aus dem Blut gefiltert werden, in diese Flüssigkeit übertreten und dann aus dem Bauchraum abgelassen werden. Nach einer Schulung können dies Betroffene selbst zu Hause durchführen. Dies erfordert allerdings ein starkes Auseinandersetzen mit der Erkrankung, muss es doch mehrmals täglich durchgeführt werden. Manche Betroffene ziehen es deshalb vor, die Blutwäsche an den 3 Dialysetagen der Woche durchzuführen und sonst „ganz normal“ zu leben. Alternativ kann die Bauchfelldialyse auch nachts während des Schlafes mittels einer Maschine betrieben werden, die automatisch Wasser in den Bauchraum einpumpt und absaugt.

6. Kann dem Nierenversagen vorgebeugt werden?
Viele Ursachen für ein Versagen der Nieren lassen sich leider nicht vorhersagen und somit auch nur schwer verhindern. Die zwei grossen
Volkskrankheiten Zuckerkrankheit und Bluthochdruck stehen aber zahlenmässig ganz an der Spitze derjenigen Ursachen, die beeinflusst werden können. Wirklich erfolgreich können diese Erkrankungen nur dann behandelt werden (und somit auch Spätschäden vorgebeugt werden), wenn der Betroffene sich selbst überwacht und dies nicht nur dem Arzt überlässt. Die meisten Menschen können lernen, sich selbst den Blutdruck oder den Blutzucker zu messen um zu wissen, wann sie den Arzt aufsuchen sollten. Kontrolliert man nicht selber, so fällt ein eventuelles Problem unter Umständen erst nach längerer Zeit auf. Dies kann Gift für den ganzen Körper, aber speziell auch für die Nieren sein.

7. Nierenversagen und Reisen – kein Widerspruch
Nicht nur ist es heute möglich, ohne funktionierende Nieren zuüberleben, nein, man kann sogar in den Urlaub fahren! Die Unabhängigsten sind natürlich diejenigen, die Peritonealdialyse betreiben. Die Firmen, die die nötigen Spüllösungen herstellen, bieten ihren Kunden praktisch alle den Service, diese auch bis in die entlegendsten Ecken der Welt zu versenden. Dies ist auch nötig, müsste man für einen Urlaub von 10 Tagen doch etwa 120 l an Spüllösung mit sich führen. Auch gibt es spezielle Reisebüros, die sich auf die Vermittlung von Reisen mit Möglichkeit der konventionellen Dialyse spezialisiert haben. Allerdings sollte man sich vor Antritt einer Reise der Einhaltung internationaler Qualitätsstandards der Dialyseeinrichtung vor Ort informiert haben.

8. Niere und Ernährung: auch Wasser kann Gift sein
Menschen, deren Leben im wahrsten Sinne des Wortes von der Dialyse abhängt, müssen besonders auf ihre Ernährung achten. Im gesunden Zustand werden die Abbauprodukte, die bei der Verarbeitung der mit der Nahrung aufgenommenen Lebensmittel anfallen, über die Nieren und den Darm ausgeschieden. Eine dieser beiden Schienen ist nun funktionsuntüchtig. Dies führt dazu, dass sich bestimmte Stoffe anreichern können, die in zu hoher Konzentration für den Körper schädlich sein können. Dazu zählen Kalium, Natrium, Phosphat und – Wasser. Dialysepatienten sollten deshalb beispielsweise kaliumreiche Ernährung meiden (Beispiele für besonders kaliumreiche Lebensmittel: Bananen, Kartoffeln, Milch, Erdnüsse, Spinat …). Milch, Käse und Bohnen enthalten beispielsweise viel Phosphat. Natrium findet sich beispielsweise in unserem Kochsalz wieder. Als Faustregel für die Wasserzufuhr kann gelten, dass die Menge getrunken werden darf, die man ausscheidet plus die Menge, die dem Körper auf anderen Wegen verloren geht (Schweiss, oder über den Darm, ca. 500 ml). Zur guten Ernährung eines Dialysepatienten gehört beispielsweise auch ein höherer Proteinanteil als normalerweise empfohlen. Sollten Sie gezwungen sein, Dialyse zu betreiben, so empfiehlt es sich, eine Diätberatung zu besuchen. So können Sie Ihrem Körper auch selbst etwas Gutes tun und sich angepasst ernähren!

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9. Hilfe zur Selbsthilfe – Sie sind nicht allein
Ist man „an der Hämodialyse“, so gehört man zu einer privilegierten Gruppe: kein anderer Mensch geht etwa drei Mal die Woche zum Arzt. Somit ist die medizinische Betreuung sichergestellt. Was aber, wenn man sich einmal zwanglos mit anderen Betroffenen über seine Erkrankung austauschen möchte? Auch für niereninsuffiziente Menschen bzw. dialysepflichtige Patienten gibt es in Deutschland eine Selbsthilfeorganisation: der Dialysepatienten Deutschlands e.V. Hier erhalten Sie Hilfe und Informationen zu all den Themen, die Sie als Patient betreffen. Auch Unterstützung bei der Reiseplanung wird geboten.

idw 2001/02
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