Brustkrebs – 10 Goldene Regeln

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Brustkrebs – Die Diagnose Krebs wird jährlich bei ca. 436.000 Menschen in Deutschland gestellt. Davon erfahren Patientinnen in 55.000 Fällen: „Sie haben Brustkrebs.“ Mit der Diagnose fallen die Betroffenen in ein schwarzes Loch. Wobei der Sturz aus der Wirklichkeit umso tiefer ist, je gesünder sich die Patientinnen bis zur Mitteilung der Diagnose fühlten. Für 95% der Patientinnen ist Brustkrebs die erste wirklich ernsthafte Erkrankung. Nach Dr. Andrea Petermann-Meyer, Psychoonkologische Schwerpunktpraxis Aachen, ist es keineswegs banal zu wissen, dass diese Erkrankung für die Krebspatienten eine ganz neue und zugleich sehr einschneidende Erfahrung darstellt. Sie wirft frühzeitig tiefgreifende Fragen nach dem „Warum ich?“, „Wer bin ich eigentlich?“, „Was erwarte ich vom Leben?“ und „Wie geht es weiter?“ auf. Und mit den ersten Schritten der medizinischen Therapie folgen Prozesse der emotionalen Verarbeitung. Typisch hierfür sind Krisen, in denen Ausbrüche chaotischer Emotionen zu inneren und äußeren Konflikten führen. Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung bestimmen den Alltag.

Brustkrebs – Patientenservice „Goldene Regeln“ mit 10 Fragen und kurzen Antworten zum Thema Brustkrebs.

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  • Wie ist die weibliche Brust aufgebaut?
  • Was bedeutet eigentlich Brustkrebs?
  • Was sind Risikofaktoren?
  • Wie kann man Brustkrebs feststellen?
  • Wie wird Brustkrebs am häufigsten behandelt?
  • Was sind weitere Behandlungsstrategien?
  • Was sind Früherkennungsmaßnahmen?
  • Welche Vor- und Nachsorge können Frauen selbst betreiben?
  • Wie kann die Selbstuntersuchung durchgeführt werden?
  • Wo finden Betroffene Hilfe?

1. Wie ist die weibliche Brust aufgebaut?
Die weibliche Brust, lateinisch Mamma, besteht aus circa fünfzehn Einzeldrüsen, Bindegewebe, einem individuell unterschiedlichem Anteil an Fettgewebe, den versorgenden Nerven und Gefäßen, der Haut mit Warzenhof und Brustwarze, der unter der Brust befindlichen großen und kleinen Brustmuskulatur und den an jeder Brustwarze endenden fünfzehn Milchgängen. Um die Lage eines Krankheitsherdes an der Brust genauer zu bezeichnen, teilt man die Brust in vier Quadranten ein. Dabei denkt man sich ein Kreuz quer durch die Brustwarze und bezeichnet die Herde entsprechend ihrer Lage von oben nach unten und außen nach innen. Wenn man sich die Brust als Uhr vorstellt, auf die ein anderer schaut, sind die Bezeichnungen noch genauer. Dafür werden dann entsprechende Ziffern verwendet sowie der Abstand des Zeigers von der Brustwarze. Auf diese Weise kann die Lage von Tumoren und Zysten sehr genau angegeben werden. Für den Abtransport von Gewebewasser ist das Lymphsystem zuständig. Auch in der Brust finden wir zahlreiche Lymphgefäße, die meistens in Richtung Achselhöhle, aber auch zu Schlüsselbein und Brustbein hin verlaufen.Dazwischen geschaltete Lymphknoten wirken dabei als Filter. Im gesunden Zustand sind sie weich und kaum tastbar. Sind sie über einen längeren Zeitraum angeschwollen und tastbar, könnte eine ernsthafte Erkrankung vorliegen und ein Arzt sollte aufgesucht werden.

2. Was bedeutet eigentlich Brustkrebs?
Tumore können sowohl gutartig als auch bösartig sein, die übersetzt lediglich Geschwulst oder Schwellung bedeuten.Krebs hingegen ist immer eine bösartige Erkrankung, bei der sich gesunde Zellen verändert haben und sich unkontrolliert teilen.Zellen dieser Geschwülste können über Lymph- und Blutgefäße in andere Organe verschleppt werden, sich dort ansiedeln und weitere Tumore bilden. So entstehen die so genannten Metastasen (Tochtergeschwülste). Über dreiviertel an der Brust tastbare Veränderungen sind gutartig und können verschiedene Ursachen haben: Häufig handelt es sich um eine gutartige Vermehrung von Bindegewebe, der so genannten Mastopathie oder um mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräumen, den Zysten. Auch gutartige Neubildungen von Binde- und Drüsengewebe (Fibroadenome) oder von Fettgewebe (Lipome) sind möglich.Bösartige Tumore an der Brust (Mammakarzinome) entstehen meist in den Milchgängen des äußeren oberen Brustviertels, seltener in den Drüsenläppchen.Dementsprechend spricht man von Milchgangskarzinomen (duktale Karzinome) und Läppchenkarzinomen (lobuläre Karzinome).In Deutschland stellt Brustkrebs die häufigste Krebsform bei Frauen dar. Laut Statistik trifft die Diagnose jede zehnte Frau. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter an, dabei sind Frauen zwischen dem fünfundvierzigsten und fünfzigsten sowie zwischen dem sechzigsten und fünfundsechzigsten Lebensjahr am häufigsten betroffen. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, dies ist jedoch weitaus seltener der Fall.Der Brustkrebs wird nach dem so genannten TNM-Schema in verschiedene Stadien eingeteilt, dabei bedeutet T die Tumorgröße, N die Lymphknoten und M die Metastasen.

Es gilt:

  • T1: Tumor bis 2 cm
  • T2:Tumor bis 5 cm
  • T3:Tumor über 5 cm
  • T4:Tumor mit Hautbeteiligung
  • N0: keine Lymphknoten befallen
  • N1: Lymphknoten befallen
  • M0: keine Fernmetastasen nachweisbar
  • M1: Fernmetastasen nachweisbar

3. Was sind Risikofaktoren?
Die Ursache für eine Erkrankung an Brustkrebs ist in 90% unbekannt. Für eine Umwandlung von normalen in Krebszellen sind viele Faktoren verantwortlich. Eine eindeutige Krebsursache gibt es nach heutigen Erkenntnissen noch nicht.Einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs ist die familiäre Belastung, vor allem wenn Verwandte ersten Grades wie Schwester oder Mutter betroffen sind. Das Risiko selbst an Krebs zu erkranken ist für solche Menschen ungefähr auf das Doppelte erhöht. Auch das Alter an sich stellt ein Risikofaktor dar, da Fehler in der Zellteilung immer wahrscheinlicher werden.Außerdem stellen Übergewicht, eine fettreiche Ernährung, das frühe Auftreten der Regelblutung und der späte Eintritt der Wechseljahre, Auftreten von Brustkrebs an einer Brust, bestimmte Formen der Mastopathie, eine längere Einnahme von Hormonpräparaten zur Verhütung oder zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden sowie Strahlenbelastung und Tabak- und Alkoholkonsum weitere wichtige Risikofaktoren dar.

4. Wie kann man Brustkrebs feststellen?
Da Brustkrebs im Frühstadium im Allgemeinen ohne Schmerzen und Beschwerden verläuft, wird die Erkrankung bei 20% der Frauen, die neu entstehende Knoten nicht durch Abtasten der eigenen Brust bemerkt haben, meist erst in einem fortgeschrittenem Stadium entdeckt.Bei Verdacht auf eine Brustkrebserkrankung wird neben der Erhebung der Krankengeschichte und einer klinischen Untersuchung, die unter anderem das Abtasten beider Brüste und der Achselhöhlen betrifft, je nach Alter der Patientin eine Röntgenuntersuchung, die so genannte Mammographie oder eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Mit Hilfe der Mammographie lassen sich zum Beispiel Mikroverkalkungen, die Größe von Tumoren und eine Abgrenzung von gutartigen Veränderungen sicher feststellen. Die Problematik dieser Untersuchung besteht in der unterschiedlichen Qualität. Es sollte daher auf die Qualifizierung des Facharztes und die Modernität des Gerätes geachtet werden. Im Verdachtsfall kann eine Probe des verdächtigen Gewebes entnommen werden (Biopsie), die mikroskopische untersucht wird. Werden dabei Tumorzellen entdeckt, gilt die Diagnose Brustkrebs als gesichert und eine Therapie ist einzuleiten.

5. Wie wird Brustkrebs am häufigsten behandelt?
Die Therapie von Brustkrebs hängt von mehreren Faktoren wie zum Beispiel Tumorgröße, Metastasierung und Alter der Frau ab.Dabei stellt die Operation die Therapie der Wahl dar, eventuell mit vorangegangener Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors.Wenn möglich, versucht man die Brust der Patientin zu erhalten. Unabhängig von der Art der Brustoperation werden einige Lymphknoten der Achselhöhle ebenfalls entnommen, um eine mögliche Metastasierung in andere Organe festzustellen. Häufig betroffen sind Lunge, Leber, Knochen und Gehirn. Auf die früher grundsätzlich durchgeführte Ausräumung der Achselhöhle wird heute auf Grund der begleitenden Komplikationen wie Bewegungseinschränkungen und Gefühlsstörungen des Armes nach Möglichkeit verzichtet. Statt dessen werden nach der Sentinel-Technik nur die so genannten Wächterlymphknoten entfernt und untersucht. Können keine Metastasen nachgewiesen werden, bleibt es dabei. Nur im Fall einer Streuung von Krebszellen kommt es zur Ausräumung der Achselhöhle.  In Vorbereitung einer medikamentösen Therapie wird die Tumorprobe auf mögliche Rezeptoren (Bindungsstellen) für das weibliche Sexualhormon Östrogen untersucht, die in 60-80% festgestellt werden.Auch Rezeptoren für bestimmte Wachstumsfaktoren wie das HER2 (25-30%) werden untersucht, um eine Behandlung mit speziellen Antikörpern in Erwägung zu ziehen.

6. Was sind weitere Behandlungsstrategien?
Auf Grund des höheren Rückfallrisikos wird bei brusterhaltenden Operationen immer radioaktiv bestrahlt, bei Totaloperationen nur, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Bestrahlt wird in der Regel fünf Tage die Woche über einen Zeitraum von fünf bis sieben Wochen etwa zwei Minuten pro Tag. Nebenwirkungen sind Schlappheitsgefühl und Müdigkeit sowie Hautprobleme der bestrahlten Stellen. Ob zusätzlich zur Operation eine Hormon- oder Chemotherapie durchgeführt wird, hängt vom Risikoprofil der Patientinnen ab, das den Lymphknotenstatus, das Alter, Größe und Typ des Tumors umfasst. Chemotherapeutika zerstören die schnell teilenden Zellen, wie zum Beispiel Tumorzellen. Da aber auch gesunde Zellen, wie zum Beispiel Blutzellen, Haarwurzelzellen und Zellen des Magen-Darm-Traktes mitgetroffen werden, kommt es häufig zu Blutungen, Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen.Können in der Tumorprobe Angriffsstellen für das Hormon Östrogen nachgewiesen werden, kann durch die Reduktion von Östrogen im Körper das Risiko einer Wiederkehr der Tumorerkrankung verringert werden. Im Allgemeinen wird die Hormonbehandlung mit einem Antiöstrogen gut vertragen. Selten treten Beschwerden ähnlich denen in den Wechseljahren auf.

7. Was sind Früherkennungsmaßnahmen?
Der Früherkennung durch die Selbstuntersuchung der Frau kommt auf Grund der verbesserten Therapie- und Heilungschancen eine wichtige Bedeutung zu.Für das Abtasten sollte wegen dem geringsten Hormoneinfluss am günstigsten der Zeitpunkt nach der Regelblutung gewählt werden.Sollten Verhärtungen oder Knoten getastet werden, kleine Hautverletzungen nicht schnell genug abheilen, Einziehungen oder Veränderungen an der Haut oder der Brustwarze bemerkt werden, die Lymphknoten angeschwollen sein oder Absonderungen aus der Brustdrüse auftreten, sollte zum Ausschluss ernsthafter Ursachen schnellst möglich ein Arzt aufgesucht werden.Von den gesetzlichen Krankenkassen wird ab dem dreißigsten Lebensjahr eine Vorsorgeuntersuchung bezahlt, die das Abtasten der Brust und der Achselhöhlen durch den Gynäkologen umfasst.Ob für Frauen ab dem fünfzigsten Lebensjahr eine regelmäßige Mammographie sinnvoll ist, bleibt umstritten. Kommen in der Familie jedoch gehäuft Erkrankungen der Brust oder der Eierstöcke vor, wird sie empfohlen.

8. Welche Vor- und Nachsorge können Frauen selbst betreiben?
Neben der regelmäßigen gründlichen Selbstuntersuchung und der Nutzung der ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen ist es ratsam, sich beispielsweise bei Krankenkassen oder dem Krebsinformationsdienst umfassend über die individuellen Risiken zu informieren. Auch eine persönliche Beratung beim Arzt oder speziellen Zentren ist zu empfehlen, bei der alle offenen Fragen angesprochen werden sollten. Manchmal ist es hilfreich, sich eine Liste mit allen Fragen anzufertigen.Im Zweifelsfall sollte auch vor dem Einholen einer zweiten Meinung nicht zurückgeschreckt werden. Die Einnahme von Östrogenpräparaten zur Linderung von Wechselsjahrbeschwerden sollte nur nach ausführlicher Beratung durch den Arzt und sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Zur allgemeinen Vorsorge gehört die Gewichtsreduktion bei Übergewicht, eine abwechslungsreiche, ausgewogene und fettarme Ernährung sowie die Abstinenz von Tabak und Alkohol.

9. Wie kann die Selbstuntersuchung durchgeführt werden?

  1. Stellen Sie sich vor den Spiegel und betrachten Sie mit am Körper anliegenden Armen Ihre Brüste. Achten Sie besonders auf Veränderungen der Form, des Umfangs und des Aussehens der Haut oder der Brustwarzen, die Ihnen erstmalig auffallen.
  2. Als nächstes beachten Sie Form und Größe der Brüste (jede Brust von vorne und von der Seite) mit nach oben gehaltenen Armen. Besonders wichtig ist es, auf neu aufgetretene oder einseitige Falten, Verwölbungen, Hauteinziehungen, Hautveränderungen der Brüste oder Brustwarzen zu achten.
  3. Anschließend tasten Sie im Stehen mit allen Fingern der flachliegenden Hand Ihre Brüste ab. Die rechte Brust mit der linken Hand und die linke Brust mit der rechten Hand. Tasten Sie jeweils abwechselnd ein Viertel der Brust ab. Die Brustdrüse ist im oberen äußeren Viertel bei den meisten Frauen dichter.
  4. Drücken Sie jetzt jede Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger. Sollte Flüssigkeit austreten, achten Sie auf die Farbe.
  5. ann wiederholen Sie das kreisförmige Abtasten der Brüste im Liegen. Tasten Sie jeweils ein Viertel der Brust mit den Fingern ab. So kann man den unteren Bereich der Brüste besser untersuchen.
  6. Immer noch im Liegen untersuchen Sie mit den Fingern, ob in den Achselhöhlen Lymphknoten tastbar sind. Dies ist nicht außergewöhnlich. Aber wichtig dabei ist zu erkennen, ob sie Veränderungen tasten.

10.  Wo finden Betroffene Hilfe?
Der Spezialist für alle Fragen ist ein Gynäkologe. Sie sollte sich daher injedem Fall mit Ihren Fragen vertrauensvoll zunächst auch an ihn wenden.

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Krebsinformationsdienst im Deutschen Krebsforschungszentrum
Deutsche Krebshilfe e.V.
Brustkrebsinfo
Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Informationsbroschüre zu Brustimplantaten
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

N.K.K.
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