Ist Borreliose einfach zu heilen? – Eine Patientengeschichte

Ist Borreliose einfach zu heilen? – Eine Patientengeschichte

Borreliose: Ist bei dieser bakteriellen Infektion, die meistens durch Zeckenstiche verursacht wird, eine zwei- bis dreiwöchige antibiotische Therapie zur Heilung ausreichend?

 

Woran erkennt man eine Borreliose und wie schnell kann man sich infizieren?

Die eigentlich Lyme-Borreliose (benannt nach dem US-Städtchen Lyme) genannte bakterielle Infektion wird durch Zeckenstiche übertragen und von Spirochätenbakterien, Borrelia burgdorferi s.l. ausgelöst. Zecken sind in unserer Klimazone die gefährlichsten Tiere – ihnen gehört das Siegertreppchen als Kranheitsüberträger.

Wie verbreitet ist Borreliose und wo ist die Gefahr einer Infektion am größten?

Borreliose ist in ganz Deutschland verbreitet, ebenso in anderen europäischen Ländern wie Österreich, Schweiz, Tschechien, aber auch in Frankreich, England und Irland, um nur einige zu nennen. In den USA und Kanada ebenso wie in China oder Russland und vielen anderen Ländern.

Zecken warten unter nassem Laub, lauern auf Grashalmspitzen, in Wiesen, Büschen, auf Farn und im Unterholz. Vom Menschen häufig unbemerkt lassen sie sich binnen einer Zehntelsekunde abstreifen. Mit Zeckenstichen ist auch im Winter zu rechnen, denn Zecken richten sich nach der Temperatur, nicht nach der Jahreszeit. Zecken werden schon ab 7° C munter, egal, ob es dann November, Januar oder April ist.

Wie kann man sich gegen Borreliose schützen?

Es gibt bislang keine Impfung gegen Borreliose bei Menschen, nur eine gegen die viel seltenere FSME-Erkrankung. Ein Umstand, der vielen Menschen nicht bekannt ist. Sie sagen „Ich bin gegen Zecken geimpft“ und glauben, sie seien damit auch gegen die weitverbreitete Borreliose geschützt. Auch Anti-Zecken-Sprays und Lotions schützen nur sehr unzureichend. Das beste Mittel zur Prävention bleibt wohl das gewissenhafte gegenseitige Absuchen nach einem Aufenthalt in der Natur.

Was sind Co-Infektionen?

Zecken können mit einem einzigen Stich viele verschiedene Krankheitserreger übertragen. Das „Angebot“ des gemeinen Holzbocks reicht beispielsweise von Bakterien wie Borrelia burgdorferi (Lyme- Borreliose) und Ehrlichien über Einzeller wie Babesien bis zu Viren. Bis heute ist kaum erforscht, wie sich der individuelle “Cocktail” an übertragenen Krankheitserregern beim betroffenen Zeckenstichopfer auswirkt und die Krankheitsausprägung beeinflusst. Gemeinsam Zeichen setzen. Jetzt!

Woran erkennt man eine Borreliose und wie schnell kann man sich infizieren?

Krankheitserreger befinden sich bei Zecken bereits im Zeckenspeichel, wie beispielsweise die FSME-Viren und Rickettsien. Sobald die Zecke sticht – sie sticht übrigens mit einem hochentwickelten Stech- und Fräs-Apparat und beißt nicht – gelangt ihr infektiöser Speichel sofort in die Wunde. Auch etliche andere, durch Zecken übertragene Krankheitserreger können deutlich schneller als vielfach angenommen übertragen werden. Stichwort Wanderröte: Die angeblich typische Hautrötung nach einem Zeckenstichbildet sich im Schnitt nur bei etwa 50 Prozent der Infizierten. Sie kann auch an Hautstellen entstehen, die man nicht sieht (unter dem Kopfhaar) oder sehr atypisch aussehen. Ohne Wanderröte wird es schwierig die Borreliose-Infektion im Frühstadium zu erkennen. Menschen können an Borreliose leiden, auch wenn sie nie eine Wanderröte bemerkt haben. An einenZeckenstich oder an eine Zecke erinnern sich ebenfalls nur die Wenigsten. Das ist nicht weiter verwunderlich, da der Löwenanteil der Stiche durch Zeckennymphen verursacht wird. Nach der Larve ist die geschlechtslose Nymphe das nächste Entwicklungsstadium. Diese Teenies sind punktkleine, ein bis zwei Millimeter kleine Geschöpfe, die kaum jemand an sich bemerkt. Menschen können daher an Borreliose leiden, auch wenn sie sich weder an eine Wanderröte noch an eine Zecke oder einen Zeckenstich erinnern können. Das macht die rechtzeitige Borreliose-Diagnose sehr schwierig und ist ein Grund dafür, dass Borreliose häufig erst spät und leider nicht im gut behandelbaren Frühstadium erkannt wird.

Schwierige Diagnose

Ohne gut erkennbares äußerliches Zeichen (Wanderröte) ist es nicht leicht, eine Borreliose zu diagnostizieren, da erste Krankheitssymptome unspezifisch sind und auch bei anderen Krankheiten auftreten. Beispielsweise grippeartige Beschwerden, Abgeschlagenheit, Schweißausbrüche. Auch gibt es für Borreliose keine verbindliche Inkubationszeit. Bis zum Auftreten erster Symptome können Tage, Wochen, Monate – sogar Jahre vergehen. Die Bluttests auf Borreliose sind nicht standardisiert und häufig unzuverlässig. Mit den üblichen, auf Antikörper zielenden Blutuntersuchungen (ELISA, Westernblot) lässt sich eine Borreliose nicht zweifelsfrei ausschließen oder bestätigen. Die Tests können z. B. falsch-negativ ausfallen. Borreliose ist zu allererst eine klinische Diagnose, d. h. sie wird anhand des Beschwerdebilds diagnostiziert, mit dem der Arzt sich aber gut auskennen muss, was nicht immer sicher ist.

Unsichere Therapie

Die medizinische Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. (DBG) schreibt in ihren Leitlinien: „Die wissenschaftliche Basis für die antibiotische Behandlung der LB

[Lyme-Borreliose] ist mit Ausnahme des lokalisierten Frühstadiums (EM) immer noch unzureichend. Die erheblichen Defizite der wissenschaftlich-klinischen Analyse spiegeln sich in therapeutischen Leitlinien wider, deren Empfehlungsstärke und Evidenzbasis deutlich begrenzt sind […] und den Anforderungen unter medizinischen und gesundheitspolitischen Aspekten nicht genügen.[…] Im Frühstadium, d. h. in den ersten 4 Wochen nach Infektionsbeginn, ist bei der Antibiotika- Behandlung mit einer Versagerquote von 10% zu rechnen.[…] Bei den chronischen Verlaufsformen liegt sie mit bis zu 50% wesentlich höher. […] Bereits frühere Arbeiten hatten auf das Problemfeld der chronischen Lyme-Borreliose und deren begrenzter therapeutischer Beeinflussbarkeit hingewiesen. In all diesen Studien war die Behandlungsdauer i. d. R. auf höchstens vier Wochen begrenzt. Auch bei wiederholten Behandlungszyklen zeigten sich unter derartigen Bedingungen erhebliche therapeutische Versagerquoten. Die Behandlungsdauer ist für den Erfolg der antibiotischen Behandlung von entscheidender Bedeutung. Inzwischen liegen einige Studien vor, die den positiven Effekt und die Sicherheit einer antibiotischen Langzeittherapie belegen.“

Der Borreliose-Fachmann, Dr. med. Walter Berghoff, fasst in seiner Schrift „Klinische Grundlagen der antibiotischen Behandlung bei Borreliose“ über diese Infektion Folgendes zusammen:

  1. Häufige bakterielle Infektionskrankheit (wahrscheinlich zunehmende Häufigkeit)
  2. Häufig chronischer Verlauf
  3. begrenzte therapeutische Möglichkeiten
  4. begrenzte Beweiskraft der Labordiagnostik
  5. unzureichende wissenschaftliche Studien, insbesondere im Hinblick auf chronische Verlaufsformen und deren Behandlung
  6. kontroverse wissenschaftliche Meinungen hinsichtlich Diagnose und Therapie
  7. ungelöste Probleme in Politik und Rechtsprechung

weitere Informationen:

Aktionsbündnis gegen zeckenübertragene Infektionen Deutschland e. V.
Harda Wagner (Stellvertr. Vorstandsvorsitzende)
www.OnLyme-Aktion.org

 

 

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