Tipps für Allergiker

Tipps für Allergiker

Aktiv gegen Baum- und Gräserpollen. Das Frühjahr entwickelt sich für viele Menschen zur Qual. Allergien reizen Nasen-, Mund- und Rachenschleimhäute, führen zu Asthma, Husten und Entzündungen der Augen. Neben Sensibilisierung, Meersalzsprays und Nasenduschen hilft in besonders schweren Fällen eine rhinochirurgische Behandlung. Dr. Wolfgang Hornberger, Belegarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkunde am Knappschaftskrankenhaus Sulzbach, erklärt ihre Funktionsweise und die Vorteile der Therapie für den Patienten.

Der allergische Schnupfen (allergische Rhinitis) ist eine der häufigsten Atemwegserkrankungen in Deutschland mit zunehmender Tendenz. Etwa 25-30 % der Erwachsenen und 13-15% der Kinder leiden heute schon an einer Pollenallergie (Heuschnupfen). Prinzipiell wird unterschieden zwischen einer ganzjährigen (perinealen) und einer intermittierenden, saisonal gehäuften Form zur Pollenflugzeit. In der durchgehenden, ganzjährigen Form wird der allergische Schnupfen meist durch Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilzsporen ausgelöst.

Ursachen für Allergien

Unser Immunsystem kann normaler Weise zwischen körpereigenen und körperfremden Stoffen unterscheiden. Bei Allergikern reagiert das Immunsystem auf harmlose Stoffe in unserer Umwelt als wären es Krankheitserreger (Allergene). Es kann nicht mehr zwischen schädlichen und unschädlichen Substanzen unterscheiden und gerät sogar außer Kontrolle. Das Immunsystem reagiert überaktiv, es kommt zu einer übermäßigen Ausschüttung von Botenstoffen, speziell Histaminen. Inzwischen ist eine Reihe von Faktoren bekannt, die das Risiko einer allergischen Erkrankung erhöhen. Hierzu gehören neben einer genetischen Vorbelastung (Atopie), übertriebene Hygienemaßnahmen mit Unterforderung des Immunsystems, Luftverschmutzung, Rauchen, Ernährung mit Konservierungsstoffen oder psychischer Stress.

Die häufigsten Symptome bei Allergien

Typischerweise beginnt der Heuschnupfen mit Juckreiz in der Nase, Rötung und Fremdkörpergefühl an den Bindehäuten der Augen, gelegentlichem Brennen und Juckreiz der Mundschleimhaut und des Rachens. Je nach Intensität des Pollenflugs beginnt dann schlagartig das Vollbild der Erkrankung mit wässrigem Nasenausfluss, massivem Juckreiz, anfallsartigen Niesattacken, Nasenatmungsbehinderung und Tränenfluss. Schließlich folgt etwas später noch die Beeinträchtigung des Riechvermögens. Bei schwerwiegenden Formen entwickelt sich ein Asthma mit Engegefühl und Luftnot.

Hilfe für Allergiker

Die Therapie besteht in dem Vermeiden von allergischen Substanzen und der antisymptomatischen Therapie mit antiallergischen Nasensprays und Augentropfen. Ergänzend gehören auch die Einnahme von freiverkäuflichen antiallergischen Tabletten (H1-Antihistaminika), sowie eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zur Therapie.  Gelegentlich sind auch rhinochirurgische Maßnahmen erforderlich, wenn sich chronisch-hyperplastische Reaktionen der Nasenschleimhaut besonders im Bereich der Nasenmuscheln und der Nasennebenhöhlen manifestiert haben. Dabei ist es erforderlich, die riesig angeschwollenen Nasenmuscheln zu verkleinern, oder die Belüftungswege der Nasennebenhöhlen freizulegen.

Patienten mit bekannter Pollenallergie sollten nicht nur Wiesen und Felder meiden, sondern sich über die aktuelle Pollenflugvorhersage informieren. Ebenso hilft es, bei der Urlaubsplanung pollenarme Gebiete am Meer oder in den Hochgebirgen ins Auge zu fassen. Darüber hinaus bietet die gute Befeuchtung der Nase mit Meersalzsprays und Nasenduschen einen gewissen Schutz, wodurch Pflanzenpollen oder Schmutzpartikel aus der Nase entfernt werden. Bei schwerwiegenden Fällen, insbesondere wenn die Bronchien allergisch reagieren (allergisches Asthma bronchiale) ist der Gang zum Hals-Nasen-Ohrenarzt und zum pulmologisch tätigen Internisten unumgänglich.

In der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkunde im Knappschaftskrankenhaus Sulzbach werden insbesondere die schweren Verlaufsformen operativ rhinochirurgisch, sprich durch einen operativen Eingriff an der Nase, behandelt. Die Chirurgie der behinderten Nasenatmung und vor allen Dingen der dauerhaft chronisch veränderten Schleimhäute der Nasennebenhöhlen mit Belüftungs- und Abflussbehinderung des Nasensekretes stellen einen operativen Schwerpunkt dar. Durch das endoskopisch-mikroskopische, minimal invasive Vorgehen und durch die Anwendung des Shaver-Systems (nur pathologisch veränderte Schleimhaut wird entfernt), wird sehr rasch Beschwerdefreiheit erreicht und die Lebensqualität verbessert. Da auf herkömmliche, unangenehme Nasentamponaden verzichtet werden kann, entschließen sich zunehmend Patienten zu der sehr schnell lindernden Methode zugunsten einer freien Nasenatmung.

idw 2012/03