Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München haben einen Impfstoff gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) entwickelt. Wenn die klinische Prüfung gelingt, könnten davon in erster Linie immunsupprimierte Patienten mit einem erhöhten Risiko von EBV-ausgelösten Lymphomen profitieren (Ruiss et al., J Virol 2011).

Einem Team von Wissenschaftlern um Prof. Wolfgang Hammerschmidt, Leiter der Abteilung Genvektoren am Helmholtz Zentrum München, und Prof. Reinhard Zeidler, vom Helmholtz Zentrum München und der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München ist es gelungen, erstmals einen Impfstoff gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) zu entwickeln. Dieser beruht auf Virus-ähnlichen Partikeln, die zwar die Struktur des EBV besitzen, nicht aber die Erbsubstanz und deswegen nicht infektiös sind. 

„Mit den Virus-ähnlichen Partikeln können wir eine starke Immunreaktion hervorrufen, die gegen die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus schützt“, sagt Zeidler. „Vor allem Patienten, deren Immunsystem nicht die volle Leistungsfähigkeit besitzt, könnten davon profitieren, denn sie haben ein hohes Risiko, durch EBV ausgelöste Lymphome zu entwickeln.“ Die Wissenschaftler werden nun den Impfstoff präklinisch testen, um das Wirkprinzip zu beweisen und gleichzeitig die Herstellung zu optimieren. 

Ein sehr großer Teil der Bevölkerung ist latent, d. h. symptomfrei, mit EBV infiziert. Die akute EBV-Infektion löst das sog. Pfeiffersche Drüsenfieber aus. Sie ist im meistens Kindesalter harmlos, aber bei Jugendlichen und Erwachsenen eine schwere Erkrankung und erhöht das Risiko für bestimmte Lymphome. Zudem ist EBV an der Entstehung verschiedener Krebsformen beteiligt. Ein besonders hohes Risiko stellt die EBV-Erstinfektion für immunsupprimierte Patienten wie Transplantatempfänger dar. Aufgrund des nicht intakten Immunsystems können sich durch EBV verursachte post-transplant lymphoproliferative disorders (PTLD) entwickeln, die häufig zum Tode führen. Eine Impfung vor Transplantation könnte das Risiko für PTLD deutlich senken. Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von menschlichen Erkrankungen und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention sind Ziele des Helmholtz Zentrums München.

idw 2011/11