Besseres und gesünderes Leben durch Bakterien

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(Braunschweig – 18. November 2019) Im Rahmen des Jubiläumsmonats zum 50jährigen Bestehen des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH erläuterte der Wissenschaftliche Direktor Prof. Dr. Jörg Overmann am Samstag, den 16. November, vor rund 100 Zuhörern im Roten Saal des Braunschweiger Residenzschlosses, warum Bakterien für die Menschheit überlebenswichtig sind. Im Bewusstsein der Bevölkerung sind Mikroorganismen und vor allem Bakterien meist als schädlich angesehen – sie verursachen verschiedenste, zum Teil schwerwiegende oder sogar tödliche Krankheiten. Mit diesem Vorurteil räumt der renommierte Mikrobiologe Overmann auf: „Nur ein verschwindend geringer Anteil von weniger als 0,1 Prozent der bisher bekannten Bakterien machen krank.“ Dabei legen die krankheitserregenden Bakterien es eigentlich nicht darauf an, ihren Wirt zu töten. Denn stirbt der Wirt, geht auch das Bakterium zugrunde. Die Stadt Braunschweig, vertreten durch die Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Dr. Anja Hesse, hatte den Roten Saal im Braunschweiger Residenzschloss für den öffentlichen Vortrag im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten des Leibniz-Instituts DSMZ kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Im Menschen überwiegen die bakteriellen Zellen
Der Mensch hat drei- bis zehnmal mehr Bakterienzellen als Körperzellen, allein 400 verschiedene Arten befinden sich im Dickdarm und sorgen für das Gleichgewicht der Darmflora. Wie wichtig diese ist, hebt Jörg Overmann anhand eines Beispiels hervor: Eine durch die Einnahme von Antibiotikum gestörte Darmflora kann auch Auswirkungen auf die Psyche haben und zum Beispiel Depressionen begünstigen. Der zum Teil unnötige Einsatz von Antibiotika begünstigt außerdem die Entwicklung von Resistenzen. „Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass aktuell nur ein neues Antibiotikum pro Jahr auf den Markt kommt, während sich zahlreiche Resistenzen gegen die bereits genutzten Antibiotika pro Jahr ausbilden“, warnt Professor Overmann.

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Die Erde ist ein Planet der Mikroorganismen
Während der Homo sapiens erst seit ungefähr 250.000 bis 300.000 Jahren die Erde bevölkert, besiedeln die Mikroorganismen unseren Planeten schon seit rund vier Milliarden Jahren. „Die Bakterien hatten viel Zeit, sich zu entwickeln und haben gelernt, sich äußerst schnell an Veränderungen anzupassen,“ stellt Mikrobiologe Overmann klar. Ein gutes Beispiel dafür seien die besonders effektiven Mechanismen, die Bakterien zur Weitergabe von genetischen Informationen entwickelt haben. Diese begünstigen unter anderem die schnelle Entwicklung von Resistenzen.

Bakterien – Sauerstofflieferanten der Erde
Die globale Bedeutung von Bakterien macht Professor Overmann unter anderem an der Produktion von Sauerstoff deutlich. „50 Prozent des Sauerstoffs auf der Erde werden von Bakterien (Cyanobakterien) im Meer produziert“, stellt er klar. Die globale Erwärmung trifft die Kleinstlebewesen im Meer besonders stark – sie sterben bei Temperaturanstieg schneller ab als die „grünen Lungen“, die Bäume auf den Kontinenten. Neben der Sauerstoffproduktion sind Mikroorganismen auch in anderen Umweltbelangen von größter Bedeutung. Bakterien sind beispielsweise in der Lage, Plastik oder Chemikalienrückstände aus der Industrie abzubauen. Erfolge wie in Kanada, wo sich im Grundwasser befindliche, eigentlich nicht abbaubare Chemikalien, erfolgreich von Bakterien zersetzt wurden, zeigt das große Potential der Mikroorganismen. Bisher sind nur rund 16.000 Bakterienarten bekannt, das ist nur ein Bruchteil der geschätzten 2,2 Milliarden Bakterienarten insgesamt. „Es gibt also noch großen Forschungsbedarf – und das Potential, Bakterien sinnvoll einzusetzen, ist enorm“, resümiert Overmann am Ende seines Vortrages.
Das Leibniz-Institut DSMZ ist gemeinnützig und wird von Bund und Bundesländern finanziell unterstützt. Gesellschafter der weltweit vielfältigsten Bioressourcen-Sammlung ist das Land Niedersachsen. Seit fast zehn Jahren ist Prof. Dr. Jörg Overmann Wissenschaftlicher Direktor des Instituts. 200 Beschäftigte sind bei der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen beschäftigt. Kongenial ergänzen sich bei der DSMZ Sammlungstätigkeit und Forschung. Jährlich verlassen die Sammlung auf dem Science Campus Braunschweig-Süd mindestens 43.000 Bioressourcen, die von Wissenschaftlern aus 82 Ländern bestellt wurden. Am 20. November 2019 findet die zentrale Feier zum 50-jährigen Jubiläum der DSMZ im niedersächsischen Braunschweig statt. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek nimmt an einer Podiumsdiskussion zum Thema Bioressourcen teil. Journalisten sind zur Pressekonferenz am 20. November (11.00 bis 12.00 Uhr) eingeladen.

DSMZ-Pressekontakt:
Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Tel.: 0531/2616-300
sven.david.mueller@dsmz.de

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr. 511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 72.500 Kulturen sowie Biomaterialien und hat 198 Mitarbeiter. http://www.dsmz.de

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Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 95 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro. http://www.leibniz-gemeinschaft.de

idw 2019/11
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