Leben mit Alzheimer – die Hintergründe

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Leben mit Alzheimer. Meistens beginnt es schleichend: bei vielen von Alzheimer Betroffenen ändert sich das Verhalten. Wer bisher friedfertig durchs Leben ging, wird auf einmal aggressiv. Außerdem werden Dinge verlegt oder vergessen. Man kann sich auf einmal nicht mehr an Dinge erinnern, die vor kurzem passiert sind. Oft kommt es darüber hinaus zu depressiven Verstimmungen, wenn man merkt, dass das Erinnerungsvermögen nachlässt. Nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Angehörigen stehen vor einer großen Herausforderung. Immerhin schreitet die Erkrankung laufend voran und die Symptome vermehren sich.

Zahlen und Daten zu Alzheimer

Zum ersten Mal wurden die Symptome der fortschreitenden Vergesslichkeit vom deutschen Psychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer, auf den auch der Name der Erkrankung zurückgeht. Er untersuchte die Gehirne seiner Patienten und entdeckte darin mikroskopisch kleine Veränderungen. Hier einige weitere Fakten:

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  • Morbus Alzheimer, wie die Erkrankung mit vollem Namen heißt, ist für 60 bis 80 Prozent aller Demenzen verantwortlich
  • Betroffen sind rund 5 Prozent der über 65-jährigen
  • Äußerst selten tritt Morbus Alzheimer vor dem 65. Lebensjahr auf: dieser Typ wird als präsenile Demenz bezeichnet
  • Rund ein Fünftel aller 80-jährigen leidet an Alzheimer
  • Bei ungefähr 30 Prozent der Betroffenen ist eine erbliche Vorbelastung gegeben

Warum es überhaupt zu Morbus Alzheimer kommt, ist bisher noch nicht restlos geklärt. Fakt ist allerdings, dass Nervenzellen im Gehirn verlorengehen und die Gehirnmasse schrumpft. Im Zuge dieser Vorgänge kommt es zu Störungen in der Übertragung zwischen den Nervenzellen. Das wiederum führt dazu, dass die Information nicht mehr richtig weitergeleitet und verarbeitet werden kann. Noch dazu ist die Konzentration essenzieller Botenstoffe bei fortschreitendem Krankheitsverlauf verringert. Dadurch kommt es zu den für die Erkrankung charakteristischen Gedächtnisproblemen. Die Nervenzellen, die durch Morbus Alzheimer beschädigt werden, können vom Organismus nicht vollständig abgebaut werden. Sie lagern sich mit anderen Proteinen im Gehirn ab und bilden Ablagerungen, die man im Zuge von Diagnoseverfahren nachweisen kann.

Diagnose und Verlauf von Alzheimer

Besonders wichtig ist, dass Alzheimer früh erkannt wird. Dann kann nämlich mit Gegenmaßnahmen gestartet werden, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Viele Betroffene geben allerdings zu spät zu, dass bei ihnen etwas nicht in Ordnung ist. Anfangs werden vergessene Termine oder verlorene Schlüssel meist auf zu viel Stress oder auf andere Faktoren geschoben. Kommt es jedoch über einen längeren Zeitraum zu Orientierungsschwäche oder tut man sich schwer, die richtigen Worte zu finden, um Gegenstände oder Situationen zu beschreiben, sollte der Arzt des Vertrauens zu Rate gezogen werden.

Bei einem Arztbesuch erfolgt im ersten Schritt eine ausführliche Anamnese. Dabei wird geklärt, welche Vorerkrankungen des Patienten bekannt sind und ob es in der Familie bereits Fälle von Demenz gab. Wichtig dabei ist, nichts zu beschönigen und die vorliegenden Symptome genau zu beschreiben. Im nächsten Schritt erfolgen in der Regel psychologische Tests. Der bekannteste davon ist der Mini-Mental-Status-Test, der als MMST abgekürzt wird. Er dauert nur rund 10 Minuten, gilt jedoch als aussagekräftig. Dabei muss der Betreffende ganz einfache Fragen zur Uhrzeit und zum Raum, in dem er sich gerade befindet, beantworten. Außerdem sind Wörter nachzusprechen und nach Ablauf einer Zeitspanne zu wiederholen. Gesunde Menschen absolvieren diese Aufgaben spielend, doch mit beginnender Demenz werden sie zur Herausforderung. Doch auch körperliche Untersuchungen stehen an, um andere Gründe für den Gedächtnisverlust ausschließen zu können.

Wie bei Alzheimer geholfen werden kann

Wie man im Alzheimer Leitfaden nachlesen kann, können Betroffene aktiv dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. In den letzten Jahrzehnten hat sich in puncto Leben mit Alzheimer gerade im Bereich von Selbsthilfe viel getan. Zwar kann man bereits zerstörte Nervenzellen nicht mehr reparieren, allerdings ist es möglich mit verschiedenen Übungen die noch erhaltenen Fähigkeiten zu trainieren. Dazu zählen einfache Wahrnehmungsübungen, die dazu führen die Aufmerksamkeit zu schulen. In den speziell auf Alzheimerpatienten ausgerichteten Trainings geht es darum, möglichst viele Sinne anzusprechen. Wichtig dabei ist jedoch, täglich zu üben und sich mit der Sprache, dem Rechnen und logischen Denken zu beschäftigen. Es hat sich auch herausgestellt, dass für Alzheimer Patienten Bewegung ein wichtiges Thema ist. Spaziergänge an der frischen Luft – am besten in Begleitung und mit anregenden Gesprächen – bewirken viel.

Bewegung an der frischen Luft hilft jedoch auch dabei, Schlafstörungen entgegenzuwirken. Sie sind für viele Patienten ein großes Problem. Untersuchungen haben ergeben, dass permanenter Schlafmangel das Risiko an Demenz zu erkranken erhöht. Schlafentzug wirkt sich nämlich auf die Nervenzellen aus. Außerdem werden während der Nachtruhe schädigende Stoffwechselprodukte abtransportiert. Bei Alzheimer Patienten ist zu beobachten, dass 80 Prozent an Schlaflosigkeit leiden. Auch ein gestörter Schlaf- Nachtrhythmus macht nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch den Angehörigen zu schaffen. Mit pflanzlichen Präparaten, die Hopfen, Baldrian und Lavendel enthalten, kann in diesem Punkt geholfen werden.

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Aktuell werden in der medikamentösen Therapie von Morbus Alzheimer Cholinesterase -Hemmer eingesetzt. Sie verhindern den vermehrten Abbau von Acetylcholin, einem wichtigen Botenstoff. Bei einigen Betroffenen verbessern diese Medikamente die Hirnleistung. In fortschreitendem Stadium kommt außerdem Memantin zum Einsatz: es hemmt die übermäßige Freisetzung von Glutamat, das die Kommunikationsfähigkeiten zwischen Nervenzellen stört. Als Alternative bietet sich auch Ginkgo Biloba in höherer Konzentration an.

C.
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