Schmerzkongress. Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung einer internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, die von der DMKG aktiv mitgestaltet wurde. Erst mit dieser Systematik konnten Kopfschmerzdiagnosen besser abgesichert und Patientenkollektive für die klinische Forschung definiert werden. Heute ist es möglich, dass jeder Patient mit Kopfschmerzen eine individuelle Therapie erhalten kann – sofern sie leitliniengerecht diagnostiziert und behandelt werden. „Hier ist noch vieles zu verbessern, darum haben wir die bundesweite Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« ins Leben gerufen und starten gerade das erste deutsche Kopfschmerzregister“, so Förderreuther. Weitere Entwicklungen im Bereich der Bildgebung, in der medikamentösen Therapie und bei der Etablierung von spezialisierten Kopfschmerz-Einrichtungen stellen Experten auf der Pressekonferenz am 10. Oktober 2019 auf dem Deutschen Schmerzkongress (9. bis 12. Oktober) in Mannheim vor.

Vor 40 Jahren wurde die Deutsche Kopfschmerz- und Migränegesellschaft (DMKG) gegründet und hat seit dieser Zeit das Thema Kopfschmerzerkrankungen aus seinem Nischendasein befreit. Heutzutage werden Patienten mit Kopfschmerzen schneller diagnostiziert und therapiert als in der Vergangenheit. Durch Forschung am Tiermodell, die Möglichkeiten der funktionellen Bildgebung am Menschen, moderne Techniken zur Bestimmung von Botenstoffen und genetische Analysen wurden nach und nach viele Schritte in der Pathophysiologie von Migräne und Clusterkopfschmerz entschlüsselt und dadurch die Grundlage für die Entwicklung spezifischer Medikamente zur Akuttherapie und Prophylaxe geschaffen. Es sind spezielle Kopfschmerz-Schwerpunktpraxen, Spezialambulanzen und Kliniken entstanden, in denen Kopfschmerzerkrankungen heute gezielter und spezifischer behandelt werden als Jahrzehnte zuvor.

Die Optionen sind vorhanden – die Infrastruktur muss sich verbessern

„Trotz aller Fortschritte benötigen wir mehr Spezialisten. Man kann und muss noch vieles an der Versorgung von Kopfschmerzpatienten in Deutschland verbessern“, betont DMKG-Präsidentin Förderreuther, „Patienten erhalten typischerweise zu viel Diagnostik und zugleich zu wenig Beratung und Therapie.“ Vor wenigen Tagen hat eine Analyse von Patienten, die in einer Spezialambulanz behandelt wurden, erneut bestätigt, dass vorbeugende Maßnahmen viel zu selten eingesetzt werden und die Empfehlungen der Therapieleitlinien zu wenig befolgt werden.

Bundesweite Initiative für eine bessere Kopfschmerzversorgung

Um die Versorgung zu verbessern, hat die DMKG unter dem Motto »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« eine deutschlandweite Initiative gestartet, die das Bewusstsein für Kopfschmerzerkrankungen bei Ärzten und Patienten erhöhen soll. Denn die tatsächliche Beeinträchtigung durch die immer wiederkehrenden Attacken wird noch immer unterschätzt. Gemessen an der Häufigkeit und Belastung rangieren Kopfschmerzen weltweit auf Platz drei aller Erkrankungen, bei den unter 50-Jährigen sogar auf Platz eins. Bei circa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind Monat für Monat Kopfschmerztage häufiger als kopfschmerzfreie Tage.

Privatdozent Dr. med. Tim Jürgens, Vizepräsident der DMKG, erklärt: „Diese Patienten sind meist aufgrund fehlender oder unzureichender vorbeugender Maßnahmen ungewollt in einen Übergebrauch von Akutmedikamenten geschlittert. Sie verstärken dadurch ihre Erkrankung, denn sie entwickeln einen Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz.“

Die Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« bietet mit ihrem Onlineauftritt http://www.attacke-kopfschmerzen.de webbasiert Fortbildungsangebote für Ärzte sowie Weiterbildungsveranstaltungen und unterstützt den Aufbau von Kooperationen zwischen den Primärversorgern und Spezialisten. „Besonders wichtig sind uns die nicht medikamentösen und medikamentösen vorbeugenden Therapien, um die Entwicklung von Kopfschmerzen durch übermäßige Schmerzmitteleinnahme zu verhindern. Patienten, die zu viele Akutmedikamente einnehmen, fürchten meist um ihre Nieren oder die Leber. Was sie nicht ahnen, ist, dass sie viel häufiger durch die Medikamente ihren Kopfschmerz verstärken und chronifizieren“, so Förderreuther.

Erstes deutschlandweites Kopfschmerzregister

Bis zum Ende des Jahres wird die DMKG zusätzlich ihr deutschlandweites Kopfschmerzregister starten, das teilnehmende Ärzte und Patienten bei der Diagnostik, Therapieplanung und Therapiekontrolle unterstützen und einen wissenschaftlichen Beitrag zur Versorgungsforschung leisten wird. Privatdozentin Dr. med. Ruth Ruscheweyh, die den Aufbau des Registers betreut, erläutert: „Mit dem Register, das durch eine Kopfschmerz-App ergänzt wird, können Patienten schon vor dem Besuch beim Arzt für die Behandlung relevante Daten zur Verfügung stellen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die individuelle Beratung.“
Weitere Themen der Pressekonferenz am 10. Oktober 2019 werden die Bedeutung des Schmerzmanagements in der Pflege, Sport und Schmerzen, die neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Nervenschmerzen und Migräneprophylaxe sein.

Literatur:
Global, regional, and national burden of neurological disorders during 1990-2015: a ystematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. (2017). Lancet Neurol, 16(11), 877-97. doi:10.1016/s1474-4422(17)30299-5
Blumenfeld, AM, Bloudek, LM, Becker, W J, Buse, DC, Varon, SF, Maglinte, GA, Lipton, RB (2013). Patterns of use and reasons for discontinuation of prophylactic medications for episodic migraine and chronic migraine: results from the second international burden of migraine study (IBMS-II). Headache, 53(4), 644-655. doi:10.1111/head.12055
Katsarava, Z, Mania, M, Lampl, C, Herberhold, J, Steiner, TJ (2018). Poor medical care for people with migraine in Europe – evidence from the Eurolight study. J Headache Pain, 19(1), 10. doi:10.1186/s10194-018-0839-1
Ziegeler C, Brauns G, Jürge
ns TP, May A. Shortcomings and missed potentials in the management of migraine patients – experiences from a specialized tertiary care center. J Headache Pain. 2019 Aug 1;20(1):86. doi: 10.1186/s10194-019-1034-8.

Terminhinweise:
Pressekonferenz
im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses 2019 (9. bis 12. Oktober)
der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.
Termin: Donnerstag, 10. Oktober 2019, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum „Christian Cannabich“
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim
Programm der Pressekonferenz

SO01 40 Jahre DMKG: Meilensteine der Migräneforschung und Therapie – wo stehen wir jetzt?
Termin: Donnerstag, 10. Oktober 2019, 8.30 bis 10.00 Uhr
Vorsitz: S. Förderreuther (München)
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum „Musensaal“
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

SO12 Kopfschmerzegister (der DMKG)
Termin: Samstag, 12. Oktober 2019, 8.30 bis 10.00 Uhr
Vorsitz: Vorsitz: S. Förderreuther (München), R. Ruscheweyh (München)
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum „Ignaz Holzbauer 1“
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

Öffentlicher PATIENTENTAG 2019
Organisation: Ch. Maihöfner (Fürth) und T. Sprenger (Wiesbaden)
Termin: Samstag, 12. Oktober 2019, 11.00 bis 14.00 Uhr
Ort: Dorint Kongresshotel, Raum „Ludwig van Beethoven“
Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim
Kongressprogramm und Programm des Patiententages: https://schmerzkongress2019.de/programm/kongressprogramm/

Zum Deutschen Schmerzkongress:
Der jährlich stattfindende Deutsche Schmerzkongress reflektiert die enorme Bedeutung des Symptoms Schmerz in sämtlichen Bereichen der Medizin und das stetige Bemühen der Schmerzexperten, den Schmerz wirksam(er) zu bekämpfen. Unter dem Kongress-Motto „MitGefühl zum Schmerz“ werden aktuelle Themen der Medizin wie Telemedizin und E-Health sowie schmerzmedizinspezifische Fragestellungen wie Qualität der stationären Akutschmerztherapie, Schmerzregister, Migräneprophylaxe und neue Schmerzkonzepte behandelt.
Mit etwa 60 wissenschaftlichen Symposien und Dutzenden Workshops und Seminaren deckt der Schmerzkongress das gesamte Themenspektrum der Schmerzdiagnostik und -therapie ab. Rund 2000 Teilnehmer – Mediziner verschiedener Fachgebiete, Psychologen, Pflegende, Physiotherapeuten, Apotheker und andere – werden erwartet.

Ihr Kontakt für Rückfragen:
Kongress-Pressestelle
Deutscher Schmerzkongress 2019
Dagmar Arnold, Michaela Richter
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380, -516
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org; richter@medizinkommunikation.org

Pressestelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
und der Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen«
c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstr. 25, 80538 München, Tel.: 089 4614 86-22
E-Mail: presse@attacke-kopfschmerzen.de
Pressesprecher der DMKG: PD Dr. med. Charly Gaul
»Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen«

sowie

Thomas Isenberg
-Geschäftsführer-
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Mobil: 0171 7831155
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