Bundesgesundheitsminister: Hospiz- und Palliativgesetz als Rahmen für letzte Lebens-phase

Anlässlich des Festaktes zu 25 Jahren Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) in Berlin betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seinem Video-Grußwort: „Wenn ein geliebter Mensch schwer krank wird und sterben muss, ist das für niemanden leicht – nicht für den Erkrankten und auch nicht für die Angehörigen. Darum ist es ungeheuer wichtig, dass wir die Menschen in einer solch schwierigen Zeit unterstützen, ihnen so gut es geht helfen und für sie da sind. Es geht auch darum, die Betroffenen bestmöglich medizinisch zu versorgen, Schmerzen zu lindern und bis zuletzt für ein selbstbestimmtes Leben zu sorgen. Hierfür leistet die Palliativmedizin einen unschätzbar wichtigen Beitrag. Das 25-jährige Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ist darum ein guter Anlass, um „Danke“ zu sagen. Danke, dass Sie für die Menschen da sind, wenn sie Sie am dringendsten brauchen.“

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Prof. Dr. Lukas Radbruch, bedankte sich für die kontinuierliche und starke Unterstützung der Politik auf dem Weg zu einer qualitativ hochwertigen Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland: „Das Hospiz- und Palliativgesetz 2015 ist ein Meilenstein, welcher das Recht auf eine angemessene Versorgung am Ende des Lebens festschreibt.“

Bundesfamilienministerium gratuliert mit Förderzusage

Ebenso habe das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit der Unterstützung des Prozesses zur Umsetzung der „Charta zur Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ erheblich dazu beigetragen, dass die Themen Sterben, Tod und Trauer in der Gesellschaft selbstverständlicher und offener miteinander besprochen werden.

Ein besonderes Präsent zum Jubiläum hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium Stefan Zierke, MdB, dabei: „Mit herzlichen Glückwünschen auch von der Bundesfamilienministerin darf ich Ihnen übermitteln, dass unser Ministerium die Koordinierungs- und Vernetzungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung für weitere drei Jahre fördert.“ Dies mit dem Ziel, die zentralen Anliegen der Charta und ihre Leitsätze zu verbreiten und die Umsetzung der Handlungsempfehlungen zu befördern.

Deutsche Krebshilfe: Gründung der DGP im Jahr 1994 war bedeutender Meilenstein

Wesentlich auf dem Weg der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin war von Anbeginn an die äußerst großzügige und fortdauernde Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe. Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe, hob in seinem Videoglückwunsch hervor: “Die Gründung Ihrer Fachgesellschaft war zweifellos ein bedeutender Meilenstein für die Versorgung schwerstkranker Menschen hierzulande. Seitdem hat sich viel getan, heute ist die Palliativmedizin ein unverzichtbarer Teil unseres Versorgungssystems, wenngleich nach wie vor noch Verbesserungsbedarf besteht. (…) Sie können sicher sein, dass die Deutsche Krebshilfe auch in Zukunft die Arbeit Ihrer Fach-gesellschaft begleiten und die Palliativmedizin sowie Hospizarbeit nach Kräften unterstützen wird. Sie alle haben in den vergangenen 25 Jahren wertvolle Arbeit geleistet und viel für eine angemessene und würdevolle Betreuung schwerstkranker Menschen getan.“

Erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin rechtzeitig zum Jubiläum erschienen

Einen weiteren immensen Fortschritt auf dem Weg zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen konnte die DGP rechtzeitig zum Jubiläum verzeichnen: Unter ihrer Federführung wurde kürzlich im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie die erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patient*innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung veröffentlicht: In 15 Kapiteln zu Themen wie Atemnot, Übelkeit und Erbrechen, Fatigue, maligne Wunden, Obstipati-on, aber auch Depression, Angst, Schlafstörungen/nächtliche Unruhe, Todeswünsche, Kommunikaton, Sterbephase und Versorgungsstrukturen werden 442 Empfehlungen für die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung geboten. Diese sind nahezu vollständig auch auf andere chronische Erkrankungen übertragbar.

„25 Jahre und kein bisschen leise“ – unter diesem Motto feierten rund 200 Gäste im Berliner Museum für Kommunikation die dynamische Entwicklung der wissenschaftlichen Fachgesellschaft: Am 2. Juli 1994 von 14 Personen in Köln gegründet, zählt die DGP heute über 6.000 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren an der Palliativversorgung beteiligten Berufsgruppen und setzt sich an diversen Schnittstellen dafür ein, schwerkranken und sterbenden Menschen unabhängig von ihrer Grunderkrankung, ihrem Alter und ihren Lebensumständen den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Palliativ- und Hospizversorgung zu öffnen.

DGP-Präsident Lukas Radbruch: Zugang zur Palliativversorgung muss allen offenstehen

Trotz Feierlaune unterstrich DGP-Präsident Prof. Dr. Lukas Radbruch: “Wenn auch vieles erreicht ist, so bleibt doch keine Zeit zum Ausruhen!“ Noch immer gäbe es weiße Flecken auf der Landkarte der Palliativversorgung, in ländlichen Gebieten sei der Weg zum nächsten SAPV-Team oder zu einer entsprechend qualifizierten Einrichtung oft viel zu weit. Nach wie vor seien vor allem Patient*innen mit weit fortgeschrittener Krebserkrankung im Fokus der Palliativversorgung, Patienten mit chronischen Herz-, Lungen-, Nieren- oder neurologischen Erkrankungen bedürfen ihrer aber genauso. In Pflegeeinrichtungen finden die Bewohner häufig noch keinen Zugang zu einer angemessenen Hospiz- und Palliativversorgung.

Der Staffelstab der Fachgesellschaft wurde seit 1994 vom Gründungspräsidenten Prof. Dr. Dr. Heinz Pichlmaier an insgesamt vier weitere Präsidenten weitergegeben, gemeinsam gedachten diese in Berlin mit Dankbarkeit des im Frühjahr 2019 verstorbenen Pioniers der Palliativmedizin. Die Fachgesellschaft freute sich außerdem über zahlreiche Ehrengäste sowie über eine Reihe von Gründungs-, Vorstands- und Ehrenmitgliedern, die zusammen mit aktuell Aktiven einen beschwingten und anregenden Abend in Berlin feierten. Dafür sorgte auch der Festvortrag der Philosophin Dr. Celina von Bezold zum Thema „Aushalten – Festhalten – Haltung zeigen? Philosophische Ideen zum Umgang mit Leid und Leben“ im Zusammenspiel mit Musik und jiddischen Liedern der Klezmerschicksen, all dies launig moderiert von Prof. Dr. Dr. Berend Feddersen und Dr. Henrikje Stanze.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) steht seit ihrer Gründung am 2. Juli 1994 als wissenschaftliche Fachgesellschaft für die interdisziplinäre und multiprofessionelle Vernetzung. Ihre 6.000 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen engagieren sich für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Die Palliativmedizin konzentriert sich auf die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Be-handlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen. http://www.palliativmedizin.de

idw 2019/09