Im Mittelpunkt der „Woche der Wiederbelebung“ stehen Informationen zur Herzdruckmassage sowie anschließend Kurztrainings mit Simulationspuppen. Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf der Reanimation von Kindern. Erwachsene können in Kurzseminaren lernen, wie sie auch in diesen Fällen beherzt agieren, ohne das kollabierte Kind weiter zu gefährden. Um mehr Aufmerksamkeit für das Anliegen zu gewinnen, haben die Dresdner Initiatoren ein Video vor dem Militärhistorischen Museum gedreht, das auf der Website der „Initiative Dresden rettet Leben“ (www.idrl.de) abrufbar ist. An dem Video haben zahlreiche Einsatzkräfte – von der Polizei bis zu den Rettungsdiensten ebenso teilgenommen wie Bundeswehrsoldaten, Studierende, Mitarbeiter des Uniklinikums Cheerleader der Dresden Monarchs, Spieler der Dresden Titans samt Maskottchen sowie Bürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann, Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen.

Ein Baby das nicht mehr atmet, ist der Albtraum aller Eltern. Doch wer geschockt und verunsichert darauf wartet, dass professionelle Retter das Kind reanimieren, verliert wertvolle Zeit. – Es geht um das Überleben oder das Vermeiden gravierender Folgen, denn aufgrund des Atemstillstandes treten bereits nach wenigen Minuten unumkehrbare Schäden ein. Das muss nicht sein: Bei einem Baby reicht der gezielte Druck auf das Brustbein aus – bei älteren Kindern dagegen sind es wie beim Erwachsenen die beiden übereinander gelegten Handballen, mit denen auf den Brustkorb gedrückt wird. Vor der Herzdruckmassage muss aber nicht nur kontrolliert werden, ob Herz und Atmung tatsächlich ausgesetzt haben, sondern auch, ob die Atemwege frei sind.

Bei der Herzdruckmassage ist Tempo gefragt: 120 Mal in der Minute soll bei Babys und 100 Mal bei Erwachsenen gedrückt werden. Bei Letzteren ist das für die Ersthelfer körperlich anstrengend. Um dafür ein Gefühl zu bekommen, werden bei den Reanimationsschulungen sogenannte Simulatoren eingesetzt, an denen Interessierte spüren, wie viel Widerstand ein Brustkorb beim Drücken bietet. Um hier einmal zu messen, ob angehende Ersthelfer den erforderlichen Takt von 100 Beats per Minute erreichen, gibt es beim Aktionstag in der Centrum Galerie am Sonnabend, dem 21. September, ab 10 Uhr, erstmals ein „Reanimationsrace“: Hier treten sechs Schulungsteilnehmer bei der Herzdruckmassage gegeneinander an: Dazu sind die entsprechenden Simulatoren mit Sensoren ausgestattet, die die von einem Auswertungssystem registrierten Stöße aufzeichnen und auf einem Bildschirm anzeigen. Nicht jeder schafft es auf Anhieb, wie gefordert 1,6 Mal pro Sekunde auf den Brustkorb zu drücken. Weitere Angebote des Aktionstags sind das vor allem bei Kindergartenkindern beliebte Teddykrankenhaus, das Wunden schminken, die Notfallschulung für Kinder, sowie Erwachsenen-Kurzseminare zum Thema Kindernotfall und zusätzlich Wiederbelebungsschulungen. Zu Beginn der diesjährigen „Woche der Wiederbelebung“ finden jeweils von 12 bis 18 Uhr öffentliche Schulungen für Mitarbeiter und Gäste statt. Am Montag (16. September) ist das Residenzschloss Gastgeber; am Dienstag (17. September) das Deutsche Hygienemuseum Dresden.

„Prüfen. Rufen. Drücken!“ – Mit drei simplen Regeln Lebensretter sein
Im Ernstfall beherzt zu handeln, tut in Deutschland Not: Während in nordeuropäischen Ländern etwa 70 Prozent aller Erwachsenen bei Herzstillstand zu Lebensrettern werden, sind es hierzulande nur etwa 42 Prozent. Damit liegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich nach wie vor im unteren Drittel. – Der Handlungsbedarf ist groß, denn es kann jeden treffen – als Helfer oder Betroffenen: Plötzlich bricht ein Mensch zusammen – Passanten bleiben erschrocken stehen. Einige von Ihnen wissen zwar noch ungefähr was zu tun ist. Aber die Angst, etwas falsch zu machen und auch der Ekel vor einer möglichen Mund-zu-Mund-Beatmung lässt sie zaudern. Wertvolle Minuten vergehen. Selbst die kurze Zeit, die professionelle Ersthelfer brauchen, um an den Ort des Geschehens zu kommen, ist zu lang: Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand treten aufgrund des Sauerstoffmangels unwiderrufliche Schäden im Gehirn auf.

„Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff aus der Lunge im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen“, erklärt Prof. Thea Koch, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Dresdner Uniklinikums. Dazu müssen lediglich drei simple Regeln beherzigt werden: „Prüfen. Rufen. Drücken!“: Prüfen, ob die bewusstlose Person noch atmet. Dann unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen. Und schließlich fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft. „Mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich rund 10.000 Menschenleben gerettet werden“, berichtet Prof. Koch.

Auf den Weg gebracht wurden die zahlreichen Veranstaltungen der „Woche der Wiederbelebung“ durch den persönlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Dresdner Uniklinikums sowie deren Partnern, welche rund 25 Instruktorinnen und Instruktoren bereitstellen, die Interessierten im Residenzschloss, dem Deutschen Hygienemuseum Dresden und der Centrum Galerie das Wissen um das schnelle und richtige Erkennen eines Herzstillstands sowie den darauffolgenden Maßnahmen nahebringen. Ohne sie würde die Aktionswoche wirkungslos bleiben.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Direktorin: Prof. Dr. med. Thea Koch
Tel. 0351/ 4 58 4110
E-Mail: Thea.Koch@uniklinikum-dresden.de
http://www.uniklinikum-dresden.de/anae

idw 2019/09