Ausgezeichnet wurden für ihre herausragenden Forschungsarbeiten Professor Klaus Hauer aus Heidelberg, Dr. Albert Lukas aus Bonn, Professorin M. Cristina Polidori und Anna Maria Meyer aus Köln sowie Privatdozent Dr. Cornelius J. Werner aus Aachen.

Den mit 5.000 Euro dotierten Ehrenpreis der Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung erhielt Professor Klaus Hauer aus Heidelberg. Der Biologe und promovierte Bewegungswissenschaftler wird für seine hervorragende und vielfältige Forschungsarbeit ausgezeichnet. Hauer ist in der Medizin habilitiert und seit 2011 Leiter der Forschungsabteilung am Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg, dem Geriatrischen Zentrum an der Universität Heidelberg. Die Arbeit von Klaus Hauer umfasst neben dem Schwerpunkt des körperlichen und kognitiven Trainings bei Hochbetagten und Menschen mit Demenz auch Projekte zu Ambient Assisted Living, Methodenforschung, epidemiologischer und Versorgungsforschung. Seine Ergebnisse sind in aktuell 189 Publikationen belegt. Einen wichtigen Schwerpunkt der Forschungsarbeit von Klaus Hauer stellt die Trainierbarkeit von hochbetagten Menschen mit und ohne kognitiver Schädigung dar.

Schiffbauer-Förderpreis zeichnet Studie zu Schmerzdiagnostik und -behandlung hochaltriger dementer Patienten aus

Ausgezeichnet wurde auch Privatdozent Dr. Albert Lukas, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin am Malteserkrankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg. Er erhält für seine Arbeit zum Verständnis der Schmerzdiagnostik und -behandlung hochaltriger dementer Patienten den mit 2.500 Euro dotierten Förderpreis der Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung. Mit seiner Studie warf Lukas die Frage auf, ob Schmerzerfassungsinstrumente Schmerz tatsächlich – wie bisher angenommen – auch bei einer schweren Demenz erkennen und ob Analgetika bei Demenzkranken überhaupt genauso effektiv sind wie bei anderen Patienten.

„Die bisherige Annahme über die Bedeutung der Schmerzerkennungsinstrumente bei Demenz muss angesichts der hier gewonnen Studienergebnisse neu bewertet werden“, so Lukas. „Insbesondere beim Vorliegen einer schweren Demenz.“ Gerade demente Patienten leiden oftmals unter unerkannten und unterbehandelten Schmerzen, die bislang mithilfe von Skalen zumindest annähernd quali- und quantifiziert wurden. Albert Lukas kam in einer randomisierten, doppeltverblindeten und Placebo-kontrollierten Studie zur Evaluierung der Genauigkeit von Schmerzmessverfahren jedoch zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied in der Schmerzreduktion zwischen Opioid und Placebo gibt. „Die bisherige Annahme über die Bedeutung der Schmerzerkennungsinstrumente bei Demenz muss angesichts der hier gewonnen Studienergebnisse neu bewertet werden“, so Lukas.

Wilhelm-Woort-Förderpreis für Optimierung des Entlassmanagements multimorbider Patienten

Der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis der Wilhelm-Woort-Stiftung für Alternsforschung geht in diesem Jahr an Anna Maria Meyer und Professorin M. Cristina Polidori, Leiterin des Schwerpunkts Klinische Altersforschung, Klinik II für Innere Medizin und Zentrum für Molekulare Medizin an der Uniklinik Köln. Sie werden für ihren Studienplan mit dem Titel „Vun nix kütt nix“ ausgezeichnet. Diese Studie befasst sich damit, den Krankenhausaufenthalt und das Entlassmanagement älterer multimorbider Patienten durch ein multiprofessionelles Team aus Patienten, Geriatern und Hausärzten zu optimieren. „Was nützt eine stationäre, patientenzentrierte Versorgung, wenn sie an der Krankenhaustür endet?“, so die Alternsforscherin Polidori. „Eine erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Behandlung von Patienten setzt voraus, dass wichtige Informationen von der Klinik strukturiert an den Hausarzt weitergegeben werden, damit sie für die Nachsorge nutzbar sind.“ Der Patient stehe bei dieser neuen Form des Entlassmanagements mit im Fokus.

Förderpreis der interdisziplinären Altersforschung für Studie zum geriatrischen Patientenanteil

Der mit 2.000 Euro dotierte DGG-Preis zur Förderung der interdisziplinären Altersforschung geht in diesem Jahr an Privatdozent Dr. Cornelius J. Werner, Leiter der Sektion Interdisziplinäre Geriatrie in der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Aachen. Er wird für seinen wissenschaftlichen Beitrag „Anstieg des geriatrischen Patientenanteils zwischen 2008-2018 in konservativen und operativen Fächern der stationären Universitätsmedizin – Implikationen für Kosten- und Versorgungsstrukturen“ ausgezeichnet. In seinem Projekt befasste sich Cornelius Werner mit der Fragestellung, wie der demografische Wandel die Patientenstruktur aller medizinischen Fachbereiche verändert. Konkret ergab seine Auswertung, dass der Anteil geriatrischer Patienten von 11,7 Prozent im Jahr 2008 auf 19,2 Prozent im Jahr 2018 anstieg. „Wir beobachteten zudem einen teils überproportionalen Anstieg an assoziierten Komplikationen und Kosten“, so Werner. „Dieser Mehraufwand – finanziell und personell – ist in unserem Versorgungssystem bisher keinesfalls abgebildet.“ Die Studie zeige deutlich, dass auch nicht-geriatrische Kliniken zukünftig Antworten für eine adäquate Versorgung geriatrischer Patienten finden müssten.

Pressekontakt der DGG

Torben Brinkema
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Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Ärzte, die sich auf die Medizin der späten Lebensphase spezialisiert haben. Wichtige Schwerpunkte ihrer Arbeit sind unter anderem Bewegungseinschränkungen und Stürze, Demenz, Inkontinenz, Depressionen und Ernährungsfragen im Alter. Häufig befassen Geriater sich auch mit Fragen der Arzneimitteltherapie von alten Menschen und den Wechselwirkungen, die verschiedene Medikamente haben. Bei der Versorgung geht es darum, den alten Menschen ganzheitlich zu betreuen und ihm dabei zu helfen, so lange wie möglich selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Die DGG wurde 1985 gegründet und hat heute rund 1.700 Mitglieder.

idw 2019/09