„Die Beteiligung von Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern an Forschung ist für alle Beteiligten eine Bereicherung“, sagt Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler. „Das umfangreiche Wissen, die Motivation und die Neugier der Teilnehmer ist faszinierend. Ich freue mich, dass wir nun mit einem neuen Förderinstrument den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stärken und das Innovationspotenzial, das Citizen Science verspricht, nutzen können. Die drei ausgewählten Projekte verfolgen auf ganz unterschiedlichen Gebieten einen interdisziplinären Ansatz und lassen Spannendes erwarten.“

Helmholtz ist seit vielen Jahren aktiv im Bereich Citizen Science, beispielsweise in der Initiative „BürGEr schaffen WISSen – Wissen schafft Bürger (GEWISS)“. GEWISS hat in den Jahren 2014 bis 2016 Forscher und Bürger vernetzt, den Austausch zwischen Projekten gefördert und neue Aktivitäten auf den Weg gebracht. „Mittlerweile gibt es zahlreiche Projekte in unseren Zentren“, sagt Wiestler. „Den jetzt ausgewählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gratuliere ich herzlich und wünsche Ihnen viel Erfolg bei ihrer anstehenden Arbeit.“ Ziel der Citizen Science-Projekte sei es unter anderem, das Wissen aus der Gesellschaft noch stärker in die Wissenschaft einfließen zu lassen und gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern neues Wissen zu produzieren.

Die drei in der Ausschreibung geförderten Pilotprojekte sind:

1. Auswirkungen technischer Systeme auf die eigene Lebensqualität von Typ-1-Diabetiker*innen (TeQfor1)
Typ-1-Diabetes ist ein chronischer Zustand, der für die Betroffenen einhergeht mit ständiger Selbstkontrolle und gesundheitlich riskanten Über- und Unterzuckerungen sowie drohenden Langzeitkomplikationen. Auch mithilfe moderner technologischer Systeme sind diese schwer in den Griff zu bekommen. Eine Gruppe aus Betroffenen und ihren Angehörigen hat sich daher zusammengefunden, um selbstentwickelte Technologien zur automatisierten Insulinabgabe frei zur Verfügung zu stellen. Diese so genannten künstlichen Bauchspeicheldrüsen-Systeme bzw. (Hybrid) Closed Loop-Systeme gehen in ihrer Effektivität weit über kommerzielle Technologien hinaus, sind jedoch nicht klinisch zugelassen. Im Projekt TeQfor1 haben Bürgerinnen und Bürger mit Typ-1-Diabetes die Möglichkeit, in einer systematischen Evaluation zu untersuchen, inwieweit diese Do-It-Yourself-Systeme ihre eigene Lebensqualität tatsächlich beeinflussen und ob bzw. wie sich ihre Blutglukosewerte verändern. Projektpartner sind das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt sowie das GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie der Hochschule Heilbronn.

Ansprechpartnerin:
Silvia Woll, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), silvia.woll@kit.edu

2. Sensoren zur Messung von Aerosolen und reaktiven Gasen und Analyse ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit (SMARAGD)
In vielen deutschen Städten ist die Konzentration von Luftschadstoffen zu hoch. Von Straße zu Straße kann sich die Belastung jedoch stark unterscheiden. Fehlende hochaufgelöste Daten erschweren die Interpretation epidemiologischer Studien zur Gesundheitswirkung von Schadstoffen. Ziel des Projekts SMARAGD ist die Verknüpfung von Daten zur individuellen Schadstoffbelastung mit Gesundheitsdaten. Dafür können interessierte Bürgerinnen und Bürger mit qualitätsgeprüften Sensoren die Luftqualität vor Ort messen. Mit Hilfe der mobilen Applikation PIA („prospektive Erfassung inzidenter Gesundheitsevents-App“) können sie in real-time von Atemwegsinfektionen berichten und sich bei Erkältungen Nasenabstriche entnehmen, die virologisch untersucht und deren Ergebnisse individuell zurückgemeldet werden. Diese Gesundheitsdaten werden im Projekt mit den Sensordaten zur individuellen Schadstoffbelastung verknüpft.

Ansprechpartner:
 Robert Wegener, Forschungszentrum Jülich, r.wegener@fz-juelich.de
 Stefanie Castell, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Stefanie.Castell@helmholtz-hzi.de
 Claudia Traidl-Hoffmann, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU), claudia.traidl-hoffmann@tum.de
 Erhard Zeiss, Presse Forschungszentrum Jülich, e.zeiss@fz-juelich.de

3. Nachtlicht-BüHNE – Bürger & Wissenschaftler erforschen nächtliche Lichtphänomene
Im Citizen-Science-Projekt Nachtlicht-BüHNE erforschen Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ nächtliche Lichtphänomene. Sie tragen damit zu zwei Pilotstudien bei, in deren Rahmen bürgerwissenschaftliche Projekte zu den Themen Lichtverschmutzung und Meteorforschung entstehen. Dabei werden verschiedene Techniken der Zusammenarbeit entwickelt, erprobt und evaluiert. Die Ergebnisse des Projekts werden auf einer Webplattform mit geeigneten Werkzeugen für die kollaborative Zusammenarbeit zur Verfügung gestellt. Das entstandene Webportal soll perspektivisch als Einstiegspunkt und Plattform für die Entwicklung künftiger, thematisch verwandter Bürgerprojekte innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft dienen. Ziel des dreijährigen Projektes Nachtlicht- BüHNE ist die Entwicklung eines Co-Design-Ansatzes für App-basierte Citizen-Science-Projekte.

Ansprechpartnerin:
Friederike Klan, Institut für Datenwissenschaften, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), friederike.klan@dlr.de

Helmholtz leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Helmholtz ist mit mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 19 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 4,7 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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idw 2019/08