Drei historische Stadtspaziergänge durch Witten für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und andere Interessierte stehen im Juli und September auf dem Programm. Am 28. Juli sowie am 8. und 22. September bietet die Historikerin Kirstin Schütz jeweils ab 15 Uhr kostenlose Rundgänge an. Die Tour dauert etwa anderthalb Stunden und ist komplett barrierefrei zugänglich. Treffpunkt ist der Rathausplatz, weitere Stationen sind unter anderem der Sacktägerbrunnen in der Heilenstraße und die Bahnhofstraße. Im Anschluss geht es für alle, die Lust haben, noch in ein Eiscafé.

Träger der Veranstaltung ist die Alzheimer Gesellschaft Witten – Wetter – Herdecke, deren 1. Vorsitzende Kirsten Schütz ist. Entstanden ist das Projekt im Multiprofessionellen Masterstudiengang „Versorgung von Menschen mit Demenz und chronischen Einschränkungen“ an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). „Im Rahmen des Studiengangs führen alle Studierenden ein Praxisprojekt durch, das sie selbst entwickeln, organisieren und später wissenschaftlich auswerten“, erzählt Schütz. „Als Historikerin, für die die Wittener Stadtgeschichte schon als Schülerin und während des Studiums eine echte Herzensangelegenheit war, fand ich es sehr spannend, diesen Bereich mit meinem Studium zu Demenz und chronischen Einschränkungen zu verbinden.“

Besonders wichtig ist ihr dabei, dass beide Seiten von dem Projekt profitieren. „Ziel ist es, durch die Spaziergänge die Lebensqualität der Betroffenen ein wenig zu steigern“, erläutert sie. Dabei gehe es nicht nur darum, sich an der frischen Luft zu bewegen und die Interaktion und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu intensivieren. „Wir möchten miteinander ins Gespräch über ‚alte Zeiten‘ kommen und schöne Erinnerungen an die Kindheit und Jugend in Witten austauschen. Ich glaube, dass es für die Betroffenen gut sein kann, auf Themen zu treffen, zu denen sie im Idealfall etwas beitragen können, zu denen sie etwas sagen, sich erinnern und Kompetenzen zeigen können. Oft haben Betroffene den Eindruck, dass sie nichts mehr leisten und man von ihnen auch nichts mehr wissen möchte. Das soll bei dem Spaziergang anders sein. Hier soll insbesondere das Langzeitgedächtnis angesprochen werden, das ja in der Regel noch länger funktioniert.“ In ihrer Beobachtungsstudie möchte sie dann unter anderem wissenschaftlich auswerten, inwiefern solche Spaziergänge das Erinnerungsvermögen wieder anregen können.

Bei ihren Praxisprojekten werden die Studierenden des berufsbegleitenden Studiengangs angehalten, die Perspektive ihres ersten Berufes einzubringen. „Ich möchte also herausfinden, was die Geschichtswissenschaft zur besseren Versorgung von Demenzerkrankten beitragen kann“, so Schütz. Dabei werden die Studierenden von den Dozentinnen und Dozenten der UW/H wissenschaftlich unterstützt. „Wir werden nicht alleine gelassen mit unserem Thema“, findet Schütz, „die Betreuung und Beratung ist wirklich gut. Zudem haben wir die Möglichkeit, in kleinen Gruppen mit unseren Kommilitoninnen und Kommilitonen über unsere Projekte zu sprechen und dabei Ratschläge oder konstruktive Kritik auszutauschen.“ Am Ende entstehen zu jedem Projekt drei Zwischenberichte und ein Abschlussbericht. Kirstin Schütz ist ihr Projekt mittlerweile sogar so ans Herz gewachsen, dass sie vorhat, auch ihre Masterarbeit über dieses Thema zu schreiben.

Eine Anmeldung ist für die Planung hilfreich, aber nicht dringend erforderlich.
Kontakt: Kirsten Schütz, 0176 / 20749251 oder kirstin.schuetz@googlemail.com

Weitere Informationen zum Studiengang: www.uni-wh.de/demenz

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.600 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

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Über die Alzheimer Gesellschaft Witten – Wetter – Herdecke:
Ziel der Gesellschaft ist es, die Demenz zu enttabuisieren und über die Alzheimer Erkrankung und andere Demenzformen aufzuklären, die an Demenz erkrankten Menschen zu begleiten und deren Angehörige zu entlasten, gemeinsam mit Erkrankten und deren Angehörigen Angebote zum Austausch zu entwickeln sowie eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Organisationen herbeizuführen, die Angebote für Menschen mit Demenz vorhalten.

idw 2019/07