Das BfR intensiviert den wissenschaftlichen Austausch mit verschiedenen Institutionen in Japan. Während eines mehrtägigen Aufenthalts in dem Land tauschte sich die Delegation um Vizepräsident Professor Dr. Reiner Wittkowski mit ihren japanischen Kolleginnen und Kollegen aus. Im Mittelpunkt standen die Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln sowie marinen Biotoxinen, also Algengifte in Muscheln und Fischen. „In Anbetracht der fortschreitenden Globalisierung des Lebensmittelhandels ist es umso wichtiger, dass die Institute der Länder zusammenarbeiten und ihre wissenschaftlichen Ressourcen bündeln“, sagte Wittkowski. So besitze Japan beispielsweise größere Erfahrungen im Bereich der Ciguatera-Fischvergiftungen. „Wir als Europäer können von diesem Wissen profitieren. Umgekehrt bringen wir langjährige Expertise zur wissenschaftlichen Bewertung von Pflanzenschutzmitteln mit, die dort derzeit um die Anwenderexposition erweitert wird.“

Die BfR-Delegation traf sich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Japan Food Research Laboratories (JFRL), die seit Jahren intensiv zu Ciguatera-Fischvergiftungen forschen. Dabei handelt es sich um eine weltweit häufige Vergiftung, verursacht durch Ciguatoxine, die in bestimmten Raubfischarten aus tropischen und subtropischen Fanggebieten vorkommen und durch Importe auch bereits in Deutschland zu Vergiftungsfällen geführt haben. Das BfR baut derzeit im Nationalen Referenzlabor für marine Biotoxine die Methodik zum Nachweis von Ciguatoxinen in Fischen weiter aus. Eine Kooperation mit dem JFRL wurde vereinbart.

Auf dem Programm stand ebenfalls ein Besuch beim japanischen Landwirtschaftsministerium (MAFF). Es hatte das BfR zu Vorträgen zum Thema Anwenderschutz bei Pflanzenschutzmitteln eingeladen, weil das Bundesinstitut federführend bei der Etablierung einer einheitlichen Bewertung der Anwendungssicherheit in Europa mitgewirkt hatte. Hintergrund ist eine neue Gesetzgebung in Japan, die um diese zusätzlichen Aspekte für die gesundheitliche Bewertung von Pflanzenschutzmitteln erweitert wurde. Der Vortrag und die anschließende Diskussion gaben wichtige Impulse für die Etablierung dieses für Japan neuen Bewertungsfeldes.

Auf Einladung der japanischen Kommission für Lebensmittelsicherheit (Food Safety Commission of Japan, FSCJ) stellte die BfR-Delegation Erfahrungen zur Bewertung der Mischungstoxizität vor. Im Mittelpunkt standen dabei die Ergebnisse des EuroMix-Forschungsprojektes, an dem das BfR beteiligt war. Ebenfalls erörtert wurden der von BfR und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erstellte Leitfaden zur Bewertung der Mischungstoxizität (MixTox-Guidance), die Implementierung einer Bewertungsstrategie in der WHO sowie die Vorschläge der OECD für international abgestimmte Bewertungsprinzipen. Die Teilnehmer aus beiden Ländern stimmten überein, dass die Bewertungen von chemischen Gemischen weltweit besser harmonisiert werden müssen. Einig war man sich auch, dass die Implementierung der oben genannten Maßnahmen zu einer verbesserten Risikobewertung chemischer Stoffe beitragen werde.

Von Seiten der FSCJ bestand auch großes Interesse an den Erfahrungen in der Ableitung einer akuten Referenzdosis für die Bewertung von Pestizidrückständen. Die unterschiedlichen Verfahrensweisen in Japan, Deutschland sowie bei der WHO/FAO und Maßnahmen zu weiterer Harmonisierung wurden diskutiert.

Deutsche und japanische Experten kooperieren auch auf dem Gebiet der Entwicklungstoxizität. Bei einem Arbeitstreffen mit Vertretern der japanischen teratologischen Gesellschaft (JTS) wurde erörtert, wie sich deren Erkenntnisse zur Verminderung von unklaren Diagnosen bei Tierversuchen und zur Kategorisierung von Entwicklungsstörungen in die europäische Bewertungspraxis integrieren lassen. Gemeinsame Lösungsansätze sollen zunächst zwischen deutschen und japanischen Expertinnen und Experten abgestimmt werden und auf der Jahrestagung der europäischen teratologischen Gesellschaft (ETS) zur Diskussion gestellt werden. Auf dem 10. Berliner DevTox-Workshop, den das BfR im Februar 2020 in Berlin organisiert, sollen die Erkenntnisse dann zu einer internationalen Terminologie für entwicklungstoxikologische Untersuchungen vereinheitlicht werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

idw 2019/07