Gemeinsame Pressemitteilung von Universität Bielefeld, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, Evangelisches Klinikum Bethel, Klinikum Bielefeld sowie Klinikum Lippe

Rektor Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer hat heute für die Universität Bielefeld den Ko-operationsvertrag mit dem Evangelischen Klinikum Bethel, dem Klinikum Bielefeld und dem Klinikum Lippe zum Aufbau und Betrieb des Universitätsklinikums Ostwestfalen-Lippe (OWL) unterschrieben. In diesem Vertrag sind die Grundsätze der Zusammenarbeit im Be-reich der klinischen Forschung und Lehre geregelt. An der Unterzeichnung des Kooperati-onsvertrages nahmen für die Landesregierung Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kul-tur und Wissenschaft, und Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Sozia-les, teil. Nach der Unterzeichnung eröffneten beide gemeinsam mit Sabine Kubitza, Ge-schäftsführerin der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH (BGW), Kanzler Stephan Becker und Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen das Innovationszentrum Campus Bielefeld (ICB), in dem die Medizinische Fakultät ihren Betrieb startet.

Die Errichtung der Medizinischen Fakultät OWL an der Universität Bielefeld ist eine der zentralen Maßnahmen der Landesregierung, um den Hochschulmedizinstandort Nordrhein-Westfalen zu stärken und die Zahl der ausgebildeten Medizinerinnen und Mediziner zu erhöhen. Der Studienbetrieb soll im Wintersemester 2021/2022 aufgenommen werden. Im Endausbau (ab 2025) sollen dann bis zu 300 Studierende pro Jahr ihr Studium beginnen können. Ziel ist es dabei auch, dem Mangel an allgemeinmedizinischer Versorgung – insbesondere auf dem Land – zu begegnen.

Eine wichtige Säule des Medizinstudiums ist die klinische Ausbildung im Krankenhaus. Ein eigenes Universitätskrankenhaus wird die Universität Bielefeld nicht betreiben. Sie wird stattdessen mit verschiedenen Krankenhausträgern der Region kooperieren, die gemeinsam das „Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld“ bilden werden. Am 14. Juni 2018 startete das Verfahren zur Identifizierung von drei Kooperationspartnern, in dessen Rahmen die Universität Bielefeld auch die Gespräche über den nun unterzeichneten Kooperationsvertrag führte. Im Auswahlranking belegten das Evangelische Klinikum Bethel, das Klinikum Bielefeld und das Klinikum Lippe die Plätze 1 bis 3.

Der Vertrag legt u.a. Aufgaben, Rechte und Pflichten der Zusammenarbeit fest und regelt das Zusammenwirken bei Ausschreibung und Berufung der klinischen Professuren, die gleichzeitig Chefärztinnen und Chefärzte an den Krankenhäusern sein werden. Auch die Arbeit der Gremien und Fragen wie die Verwendung des Logos werden thematisiert.

Durch diesen Vertragsschluss wird noch keine Entscheidung getroffen, in welchem konkreten Umfang die ausgewählten Krankenhausträger mit Aufgaben der Forschung und Lehre befasst sein werden. Zum Beispiel die Frage, welche Fachkliniken/Fachabteilungen des jeweiligen Trägers im Rahmen des „Universitätsklinikums OWL der Universität Bielefeld“ klinisch ausbilden und forschen werden, wird erst nach Abschluss der bereits begonnenen Gespräche in Einzelverträgen zwischen der Universität und dem jeweiligen Krankenhausträger geregelt werden. Es sollen nach Vertragsabschluss weitere Kooperationspartner hinzukommen, für die der grundsätzliche Kooperationsvertrag dann auch Gültigkeit hat.

Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld startet im ersten Gebäude

Nach intensiver Planung und dreijähriger Bauzeit ist das Innovationszentrum Campus Bielefeld (ICB) der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH fertiggestellt. Die Universität Bielefeld hat das Gebäude zum überwiegenden Teil angemietet. Hier hat die in Gründung befindliche Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld ihre Arbeit aufgenommen. In einem kleineren Teil des Gebäudes sind Startups eingezogen. Das Gebäude bietet ideale Bedingungen für einen erfolgreichen Start der medizinischen Forschung und Lehre in Ostwestfalen-Lippe. Entscheidend: Es ist mit den notwendigen Laborflächen ausgerüstet. Das ICB ist der räumliche Ausgangspunkt für die bauliche Entwicklung der neuen Fakultät: Entlang der Straßen Morgenbreede und Konsequenz (westlich des Universitätshauptgebäudes) sollen – so die Planungen – mehrere Gebäude entstehen, die das schnelle Wachstum der Fakultät und den Studienstart im Wintersemester 2021/2022 ermöglichen werden. Grundlage für diese Planungen ist eine Machbarkeitsstudie. An der Morgenbreede/Konsequenz lassen sich die benötigten Flächen schaffen – verteilt auf mehrere Einzelgebäude mit unterschiedlichen Funktionen, bei gleichzeitiger räumlicher Nähe zueinander.

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: „Wir sehen heute ganz deutlich: Der Aufbau der Medizinischen Fakultät OWL geht sichtbar voran. Das ist gut. Erst im Oktober 2018 haben wir uns hier vor Ort gemeinsam über die geplanten Meilensteine informiert. Seitdem befindet sich die Fakultät offiziell „in Gründung“ und geht konsequent ihren Weg. Dafür möchte ich allen Beteiligten – gerade auch hier vor Ort – danken. Denn wir müssen die Zahl der Medizinstudierenden in unserem Land dringend erhöhen. Gerade in den ländlichen Regionen haben wir schon heute einen deutlichen Medizinermangel – insbesondere bei den Hausärzten. Hier ist viel zu lange nur geredet, aber nicht gehandelt worden. Es ist längst überfällig, dass wir die Medizinische Fakultät OWL bekommen. Experten sprechen vom sogenannten `Klebeeffekt‘: Dort, wo die Menschen studieren, lassen sie sich oftmals auch in der Umgebung nieder. Darum ist für mich klar: Die Fakultät muss und wird eine Fakultät für ganz OWL sein.“

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft: „Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags nimmt die Medizinische Fakultät Ostwestfalen-Lippe weiter Form an. Ich danke der Universität Bielefeld für die bisherige hervorragende Arbeit beim Aufbau der Fakultät. Nachdem bisher das – wie ich finde sehr gelungene – inhaltliche Konzept im Mittelpunkt stand, wird die neue Fakultät mit dem heutigen Tag erstmals baulich sichtbar. Das ICB-Gebäude bietet der Universitätsmedizin in Bielefeld in ihrer Aufbauphase eine hervorragende räumliche Umgebung. Durch die unmittelbare Nähe zum Hauptgebäude wird das ICB sowohl die Basis für die weiteren Gebäude der Fakultät bilden, als auch die Integration in die gesamte Universität erleichtern.“

Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld: „Wir haben heute ei-nen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Universitätsmedizin in Ostwestfalen-Lippe er-reicht: Der Vertrag bildet das Fundament der Zusammenarbeit. Ich danke allen Beteiligten – den Ministerien, den Kliniken und den Fakultätsbeschäftigten, dass sie das möglich gemacht haben.“

Professorin Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät: „Mit dem Koopera-tionsvertrag ist die Ausbildung nach ärztlicher Approbationsordnung in allen Studienphasen sichergestellt. Wir verfolgen weiter unser Ziel, eine Universitätsmedizin mit starker Forschungsleistung zu etablieren.“

Dr. Rainer Norden, Aufsichtsratsvorsitzender Ev. Klinikum Bethel: „In der Zusammenarbeit von drei Kooperationspartnern in der Medizinischen Fakultät wird die gesamte Expertise aller Partner in Lippe und Bielefeld eingebracht. Natürlich gibt es bereits jetzt schon kooperative Forschungsprojekte, doch mit dem Bindeglied und Motor der neuen Fakultät können weitere Potentiale erschlossen werden. So sind bereits im Vorfeld der Gründung neue Partnerschaften u.a. mit den naturwissenschaftlich orientierten Fakultäten der Universität entstanden und befinden sich weiter im Aufbau.“

Michael Ackermann, Geschäftsführer Klinikum Bielefeld: „Wir freuen uns, dass wir nun, be-ginnend mit diesen 3 großen Krankenhausträgern, das Medizinstudium in OWL in Kürze realisieren und anbieten können. Wir werden den Studierenden ein qualitativ hochwertiges, fundiertes Studium präsentieren mit sehr frühem Bezug zur praktischen Patientenversorgung in unseren Krankenhäusern.“

Dr. Johannes Hütte, Geschäftsführer Klinikum Lippe: „Für die ärztliche wie medizinische Versorgung der Region ist das mit Sicherheit herausragend und zukunftsweisend, erhoffen wir uns doch unter anderem auch einen Klebeeffekt hinsichtlich der Akquise junger Ärztinnen und Ärzte. Krankenversorgung muss das Kondensat und der Kristallisationspunkt auch von Forschung und Lehre sein.“

Wie geht es unter den Vertragsparteien weiter?

Der personelle Aufbau des UK OWL ist ein mehrjähriger Prozess, der jetzt seinen Anfang nimmt. Für den Aufbau der Fakultät werden kurzfristig erste klinische Professorinnen und Professoren benötigt. In den vergangenen Wochen wurden Personen identifiziert, die aufgrund ihrer Forschungsstärke ein universitätsübliches Berufungsverfahren (mit externen Gutachter*innen) erfolgreich durchlaufen können. Mit diesen Personen und den entsprechenden Kliniken laufen aktuell Gespräche. Die Professuren sollen zunächst befristet werden, da die zukünftigen universitären Fachkliniken voraussichtlich erst im Herbst 2020 verbindlich fixiert werden. Die Universität plant, die Professuren erst dann zu verdauern. Mit diesen Professuren wird auch nur ein kleiner Teil des Gesamtbedarfs abgedeckt. In einem im Herbst 2019 startenden umfassenden Gesprächsprozess werden weitere Fachkliniken bzw. Professuren der drei Träger identifiziert, die für die klinische Ausbildung benötigt werden.

Die 3 Kliniken in Kürze

Evangelisches Klinikum Bethel
Das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) ist ein Haus der Maximalversorgung und gehört zu den 10 größten Krankenhäusern in Nordrhein Westfalen. Gesellschafter des Klinikums sind die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die zu den großen diakonischen Einrichtungen Eu-ropas zählen. Das Krankenhaus Mara mit den Epilepsiekliniken und dem Zentrum für Behindertenmedizin ist eine Schwestergesellschaft des EvKB. Beide Häuser führen gemeinsam 1.755 Betten und beschäftigen über 4.600 Mitarbeitende in 27 chefarztgeführten Kliniken und Instituten, drei Belegabteilungen sowie zahlreichen ambulanten Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet Bielefelds.
Jährlich werden in beiden Häusern gemeinsam rund 170.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Besondere Schwerpunkte sind: Epileptologie, Neurochirurgie mit Epilepsie-Chirurgie, Neurologie, Psychiatrie, die fachübergreifende Unfallversorgung im überregionalen Traumazentrum, die Notfall- und Intensivmedizin, die Kinder- und Jugendmedizin mit dem Perinatalzentrum (Level I) sowie die interdisziplinäre Krebstherapie im Tumorzentrum.
Kontakt: Sandra Gruß, Leiterin Unternehmenskommunikation (sandra.gruss@evkb.de, Internet: https://evkb.de/)

Klinikum Bielefeld
Unter dem Leitspruch „Unsere Kompetenz für Ihre Gesundheit“ steht das Klinikum Bielefeld für patientenorientierte und moderne Hochleistungsmedizin. An den drei Standorten Klinikum Bielefeld Mitte, Klinikum Bielefeld Rosenhöhe und Klinikum Halle/ Westfalen sichern über 2.700 qualifizierte Mitarbeiter an 365 Tagen pro Jahr und 24 Stunden am Tag die Versorgung der Patienten. Das Klinikum besteht aus über 30 Fachkliniken (Regelversorgung und spezialisierte Fachkliniken) sowie diversen Abteilungen und interdisziplinären Einrichtungen. Das Spektrum der medizinischen Fachabteilungen wird unter anderem durch das Interdisziplinäre Brustzentrum, die Abteilung für Alterstraumatologie und das Ambulante Operationszentrum ergänzt. Pro Jahr werden in den Fachkliniken und Instituten des Klinikums mehr als 50.000 stationäre und über 90.000 ambulante Patienten behandelt. Insgesamt verfügt das Klinikum über mehr als 1.100 Betten.
Kontakt: Axel Dittmar, Leiter Unternehmenskommunikation (axel.dittmar@klinikumbielefeld.de, Internet: https://www.klinikumbielefeld.de/startseite.html)

Klinikum Lippe
Das Klinikum Lippe ist Träger der beiden Schwerpunktkrankenhäuser Detmold und Lemgo sowie einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und des Ambulanten Gesundheitszentrums am Standort Bad Salzuflen. Mit insgesamt 1.198 Betten in ca. 30 Kliniken und Kompetenzzentren arbeiten über 2.800 Mitarbeiter, die einen wichtigen Beitrag für die medizinische Versorgung in der Region leisten. Als eines der größten und vielseitigsten kommunalen Krankenhausunternehmen der Bundesrepublik behandeln wir jährlich rund 50.000 stationäre und ca. 100.000 ambulante Patienten. Tendenz weiter steigend. Alleiniger Gesellschafter der Klinikum Lippe GmbH ist der Kreis Lippe.
Als Haus der Maximalversorgung bietet das Klinikum Hochleistungsmedizin auf universitärem Niveau – mit qualifizierten Spezialisten und einer modernen medizinischen Ausstattung und deckt dabei nahezu alle medizinischen Fachdisziplinen ab. In den medizinischen Zentren bündeln sich medizinische und therapeutische Kompetenz über Fachgrenzen hinaus – und ermöglichen eine abgestimmte interdisziplinäre Zusammenarbeit für die optimale Behandlung der Patienten.
Kontakt: Christian Ritterbach, Leiter Unternehmenskommunikation (christian.ritterbach@klinikum-lippe.de, Internet: https://www.klinikum-lippe.de/)

Kontakt:
Sandra Sieraad, Universität Bielefeld
Stellv. Pressesprecherin
Telefon: 0521 106- 4170
E-Mail: sandra.sieraad@uni_bielefeld.de

Jochen Mohr, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW
Pressesprecher & Leiter des Referats
Telefon: 0211 896-4790
E-Mail: jochen.mohr@mkw.nrw.de

Axel Birkenkämper, Ministerium für Gesundheit und Soziales NRW
Pressesprecher
Telefon: 0211 / 855-3316
E-Mail: Axel.Birkenkaemper@mags.nrw.de

Bildunterzeile Vertragsunterzeichnung:
Vordere Reihe v. l.: Dr. Rainer Norden, Aufsichtsratsvorsitzender Ev. Klinikum Bethel; Michael Ackermann, Geschäftsführer Klinikum Bielefeld; Prof. Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld; Dr. Johannes Hütte, Geschäftsführer Klinikum Lippe
Hintere Reihe v. l.: Dr. Frank Lohkamp, Geschäftsführer Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld; Prof. Dr. Claudia Horn-berg, Gründungsdekanin Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld; Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen; Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nord-rhein-Westfalen; Dr. Stephan Becker, Kanzler der Universität Bielefeld
Foto: Universität Bielefeld / S. Sättele

idw 2019/07