Oldenburg, 12.07.2019. „Besseres Hören für Jedermann“ – mit dieser Idee überzeugte Dr. Jan Rennies-Hochmuth die Kommission des Klaus Tschira (KT) Boost Funds. Neben elf weiteren Nachwuchswissenschaftlern wird Rennies-Hochmuth nun für zwei Jahre vom KT Boost Fund finanziell und durch den Austausch innerhalb eines weitreichenden Experten-Netzwerks auch fachlich unterstützt. Der Oldenburger Hörforscher und Gruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT setzt da an, wo die menschliche Sprachkommunikation durch Lärm, Nachhall und Hörverlust beeinträchtigt wird.

Besser hören, für jeden, überall

Trotz langjähriger Forschung im Bereich der Sprachverständlichkeit gibt es noch immer Wissenslücken darüber, wie das menschliche Gehör in komplexen Hörsituationen wirkt und wie störende Faktoren die Kommunikation einschränken. Auch die dazugehörige Entwicklung von Modellen zur Vorhersage der menschlichen Sprachverständlichkeit ist noch nicht vollständig untersucht. Mit Unterstützung des „Klaus Tschira Boost Fund“ wird sich Dr. Jan Rennies-Hochmuth nun intensiv diesen Themen widmen um sie weiter zu erforschen.

„Der KT Boost Fund schafft, sowohl finanziell als auch zeitlich, die notwendigen Freiheiten, um weiterhin an Grundlagenforschungsprojekten mit hohem Publikationspotenzial zu arbeiten und gleichzeitig die Entwicklung meiner Gruppe am Fraunhofer IDMT voranzubringen. Insbesondere werde ich in der Lage sein, internationale Forschungskooperationen zu fördern – worauf ich mich sehr freue“, so Dr. Jan Rennies-Hochmuth.

Besseres Verständnis für binaurales Hören

Die Forschung von Rennies-Hochmuth zielt darauf ab, ein besseres Verständnis davon zu bekommen, wie Sprache unter komplexen Hörbedingungen wahrgenommen wird und vor allem, wie Informationen über beide Ohren hinweg verbunden werden. Um das Wissen über die maßgeblichen Faktoren für das individuelle Sprachverstehen und die empfundene Höranstrengung zu erweitern, werden mehrere Versuche mit Probanden mit und ohne Hörverlust durchgeführt. „Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen die Grundlage für verbesserte Vorhersagemodelle und Anwendungen bilden – zum Beispiel in Hörgeräten und Kommunikationssystemen“, erklärt der Fraunhofer-Wissenschaftler.

Zur Person

Jan Rennies-Hochmuth studierte Engineering Physics an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und an Dänemarks Technischer Universität in Lyngby. 2007 erhielt Rennies-Hochmuth bereits den Niedersächsischen Wissenschaftspreis für seine Bachelor-Arbeit zur Maskierung von Tönen durch unterschiedliche Rauschsignale. 2008 startete er zunächst als Doktorand am Oldenburger Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT und forscht seitdem auf dem Gebiet der menschlichen Sprachwahrnehmung. Seit 2012 Gruppenleiter der Gruppe Persönliche Hörsysteme und seit 2017 stellvertretender Abteilungsleiter. Im Zuge seiner Arbeiten über computerbasierte Modelle zur Vorhersage der Lautheitswahrnehmung und der Sprachverständlichkeit erhielt Dr. Jan Rennies-Hochmuth 2016 einen der renommiertesten Preise, die in Deutschland jährlich im Bereich der technischen Akustik vergeben werden – den Lothar-Cremer-Preis.

Der Klaus Tschira Boost Fund

Mit dem Klaus Tschira Boost Fund sollen exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik gefördert und unterstützt werden. Es werden flexible Fördergelder in einem Zeitraum von zwei Jahren in Höhe von bis zu 80.000 Euro vergeben um für eigene, riskantere sowie interdisziplinäre Projekte Freiräume zu schaffen. Dabei stehen den Forschern kompetente Fachkräfte begleitend und beratend zur Seite für die bestmögliche professionelle und persönliche Weiterentwicklung. Außerdem unterstützt der KT Boost Fund die Nachwuchswissenschaftler beim Aufbau von internationalen Kooperationen und Netzwerken.

Hör-, Sprach- und Audiotechnologie am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg

Ziel des Institutsteils Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA des Fraunhofer IDMT ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Hörwahrnehmung in technologischen Anwendungen umzusetzen. Schwerpunkte der angewandten Forschung sind die Verbesserung von Klang und Sprachverständlichkeit, die personalisierte Audiowiedergabe und die akustische Sprach- und Ereigniserkennung. Zu den Anwendungsfeldern gehören Consumer Electronics, Verkehr, Automotive, Produktion, Sicherheit, Telekommunikation und Gesundheit. Über wissenschaftliche Kooperationen ist das Fraunhofer IDMT-HSA eng mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule und anderen Einrichtungen der Oldenburger Hörforschung verbunden. Das Fraunhofer IDMT-HSA ist Partner im Exzellenzcluster »Hearing4all«.

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idw 2019/07