Leibniz-Chair für italienischen Alternsforscher Prof. Alessandro Cellerino

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Jena/Pisa. Bereits seit mehreren Jahren arbeitet das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena sehr eng und erfolgreich mit dem Alternsforscher Prof. Dr. Alessandro Cellerino von der Scuola Normale Superiore in Pisa, Italien, zusammen. Prof. Cellerino hatte 2003 als Erster die Idee, den mit einer Lebenserwartung von nur 4-12 Monaten sehr kurzlebigen Fisch, Türkiser Prachtgrundkärpfling (Nothobranchius furzeri), auch Killifisch genannt, als neues Tiermodell in der Alternsforschung zu etablieren. Dieser kleine Fisch aus Südostafrika altert ähnlich wie der Mensch, nur deutlich schneller.

Seit den grundlegenden Arbeiten von Cellerino gilt N. furzeri als das Wirbeltier mit der kürzesten Lebensspanne, das unter Laborbedingungen gehalten werden kann und eignet sich somit als Tiermodell für die Analyse von Alternsvorgängen an Vertebraten, einschließlich dem Menschen.

Zusammen mit Dr. Cellerino, der Juniorgruppenleiter am FLI war, begann 2005 ein Forscherteam des FLI den Fisch in die Labore nach Jena zu holen. Gemeinsam gelang ihnen die wissenschaftliche Einführung und Nutzung des kurzlebigen Fisches als zukunftsträchtiges, innovatives Tiermodell zur Erforschung des Alterns. Die drei Forschungsgruppenleiter Dr. Alessandro Cellerino, Prof. Dr. Christoph Englert und PD Dr. Matthias Platzer wurden dafür 2010 mit dem Max-Bürger-Preis von der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) ausgezeichnet.

Ende 2015 gelang dem Team ein weiterer wissenschaftlicher Durchbruch: Sie sequenzierten das Genom des Fisches und identifizierten Gene mit Relevanz für den schnellen Alternsprozess. Forscher weltweit können auf Grundlage des als Datensatz frei verfügbaren Genoms nun z.B. Gene gezielt an- und ausschalten und so den Einfluss einzelner Gene auf das Altern oder alternsbedingte Krankheiten untersuchen. Damit wurde die Basis für zukünftige genetische Untersuchungen des Alternsprozesses von Vertebraten gelegt.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der steigenden Lebenserwartung und einer immer länger werdenden Krankheitsphase im Alter ist die Etablierung des Killifisch’ als neues Alternsmodell eine im internationalen Vergleich herausragende Pionierleistung. Der entscheidende Beitrag von Cellerino, der mittlerweile Professor an der Scuola Normale Superiore in Pisa, Italien, ist, wird durch die stetig wachsende internationale Gemeinde an Killifisch-Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen anerkannt. Ein Indiz dafür sind die zahl-reichen Publikationen in renommierten Fachzeitschriften. Das gesamte FLI-Forscherteam um Prof. Cellerino, Prof. Englert und PD Dr. Platzer wurde 2018 für diese Spitzenleistung mit dem „Thüringer Forschungspreis“ in der Kategorie Grundlagenforschung ausgezeichnet.

„Wir sind froh, mit dem Instrument des Leibniz-Chairs der Leibniz-Gemeinschaft eine Möglichkeit gefunden zu haben, Prof. Cellerino für die nächsten Jahre weiter an unser Institut zu binden und freuen uns auf neue Forschungsideen“, unterstreicht Prof. Alfred Nordheim, Wissenschaftlicher Direktor des FLI. Der Titel „Leibniz-Chair“ wird von der Leibniz-Gemeinschaft an herausragende Forscher verliehen und honoriert die bereits erfolgreiche, langjährige Zusammenarbeit des FLI mit der Scuola Normale Superiore in Pisa, Italien. Die Ernennung erfolgt für fünf Jahre.

Zur Person

Alessandro Cellerino studierte Biologie an der University of Pisa und promovierte 1995 in Neurobiologie an der Scuola Normale Superiore in Pisa, Italien. Seit 2006 war Cellerino Gastwissenschaftler und von 2007 bis 2009 Juniorgruppenleiter am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena. Seit 2010 ist er Assistant Professor for Physiology an der Scuola Normale Superiore, Pisa, Italien (National Habilitation for Full Professor in Physiology 2014) und Leiter der Kooperationsgruppe „Biologie des Alterns“ am FLI.

Nähere Informationen zum „Leibniz-Chair“:

Kontakt
Dr. Kerstin Wagner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 03641-656378, E-Mail: presse@leibniz-fli.de

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Kerstin Wagner

idw 2019/07
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