Bisher werden Daten, die im Falle eines Unfalls lebensrettend sein könnten, an den verschiedensten Stellen unabhängig voneinander gespeichert. Ein zunächst auf drei Jahre angelegtes und vom Niedersächsischen Forschungsministerium sowie der VolkswagenStiftung mit 1,2 Millionen Euro gefördertes Projekt soll das ändern. Im Rahmen dieses Projektes schließen sich Technische Universität (TU) Braunschweig, Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zu einem Zentrum für Unfall- und Notfallinformatik zusammen.

Es kann Leben retten, wenn die Smart Watch erkennt, ob ihr Träger schwer gestürzt ist, und eigenständig den Rettungsdienst ruft. Oder wenn das Smart Home einen Sturz ausmacht, dem Rettungseinst einen Lageplan des Hauses schickt und den Sanitätern die Haustür öffnet. Solch smarte Technik gibt es teilweise schon, teilweise ist sie noch Vision. Begleitet wird sie von der Frage, ob sich die so smart erhobenen Daten auch an anderen Stellen sinnvoll nutzen lassen: etwa im Krankenhaus, in das der Verletzte schließlich eingeliefert wird. Oder indem ein Retter, der zu einem Autounfall kommt, schnell darüber informiert wird, dass der Verletzte Herzprobleme hatte.

Um solche medizinisch relevanten Daten zusammenzuführen, fördert das „Niedersächsische Vorab“-Programm ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Braunschweig im Bereich der Unfall- und Notfallinformatik. Die PTB ist mit ihrem Know-how rund um die vertrauenswürdige Kommunikation von Messdaten dabei. Partner des neuen Zentrums für Unfall- und Notfallinformatik sind das Peter L. Reichertz-Institut für Medizinische Informatik (PLRI), eine gemeinsame Einrichtung der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und die PTB. Leiter des Projektes ist Prof. Dr. Thomas Deserno vom PLRI Braunschweig, der PTB-Anteil wird geleitet von Dr. Siegfried Hackel.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines „digitalen Schlüssels“, der genau dann erzeugt wird, wenn ein Unfall passiert. Dieser Schlüssel, die International Standard Accident Number (ISAN), ermöglicht den Rettern den Zugang zum virtuellen Notfallregister. Dort sind schon vorher alle notfallrelevanten Daten über diesen Patienten zusammengetragen worden. Der Part der PTB ist es, dafür zu sorgen, dass der neue Schlüssel sicher und datenschutzrechtlich unbedenklich sein wird. Dazu bringt sie ihre Erfahrung im Bereich kryptographischer Verfahren ein, die bereits Eingang in die sichere Übertragung von Kalibrier- und anderen Messdaten gefunden hat.

Das Projekt gehört zum Gesamtprogramm „Big Data in den Lebenswissenschaften der Zukunft“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung, das mit insgesamt 18 Millionen Euro 16 Projekte im Bereich Digitalisierung der Lebenswissenschaften fördert.
es/ptb

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas M. Deserno, Technische Universität Braunschweig, Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik (PLRI), Telefon: (0531) 391-2130, Deserno.Thomas@mh-hannover.de

Dr. Siegfried Hackel, Fachgebiet 1.01 Digitalisierung in der Abteilung 1,
Telefon: (0531) 592 1017, siegfried.hackel@ptb.de

idw 2019/06