Immer mehr Menschen arbeiten im Schicht- und Nachtdienst. Die gesundheitlichen Belastungen der Schichtarbeit sind in vielen arbeitsmedizinischen Studien beschrieben worden. Darüber hinaus wird der Alltag der Beschäftigten durch den Schichtplan strukturiert, mit Folgen für das soziale und familiäre Leben. Unternehmen wiederum stehen vor der Frage, wie sie die Arbeitsfähigkeit ihrer Schichtarbeitenden langfristig erhalten und auch mit älter werdenden Belegschaften einen leistungsfähigen Schichtbetrieb organisieren können. Der Praxis der Schichtarbeit in verschiedenen Branchen und den damit verbundenen Herausforderungen geht eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) in Saarbrücken nach, die im Rahmen der bundesweiten Initiative Neue Qualität der Arbeit gefördert wurde.
Fallstudien aus der Stahlerzeugung und der verarbeitenden Industrie, aus dem Gesundheitswesen und der Energieerzeugung verdeutlichen, dass Schichtarbeit nicht gleich Schichtarbeit ist und dass sich die Arbeitsbiografien von Schichtbeschäftigten unterschiedlich entwickeln. Manche können gesund und zufrieden bis zum Renteneintritt im Schichtbetrieb verbleiben, andere leiden unter Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität. Eine Typologie von Schichtarbeitsbiografien zeigt die Faktoren, die zu einem gelingenden Verbleib oder zu einem Ausstieg aus der Schichtarbeit führen. Da die betrieblichen Optionen für gesundheitsbedingte Schichtbefreiungen an Grenzen stoßen, suchen die Unternehmen nach innovativen Konzepten, wie sie die Arbeitsfähigkeit und Motivation ihrer Beschäftigten im Schichtbetrieb langfristig erhalten können.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Volker Hielscher
Dr. Elena Kreutzer
Dr. Ingrid Matthäi

Originalpublikation:
Volker Hielscher, Elena Kreutzer, Ingrid Matthäi (2019): Schichtarbeit unter Veränderungsdruck. Praxiserfahrungen – Herausforderungen – Zielkonflikte. Edition sigma in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden Baden. ISBN 978-3-8487-5913-2

idw 2019/06