Sieben Monate, sechs Veranstaltungen und alle drehten sich um die Perspektiven, Möglichkeiten und die Zukunft der Medizin – mit einer großen Abschlussveranstaltung in der Wittener WERK°STADT ist am vergangenen Montag (17. Juni) die Ringvorlesung „Heilen heute, Heilen morgen – Zeit für Veränderung“ der Universität Witten/Herdecke (UW/H) zu Ende gegangen.

Die Moderatoren und Initiatoren der Vorlesungsreihe, Prof. Dr. Tobias Esch, Leiter des Instituts für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung an der UW/H, und Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN, nutzten den Abend, um auf die vorherigen Veranstaltungen zurückzublicken. Namhafte Experten aus dem Gesundheitssektor widmeten sich darin Grundsatzfragen der Heilberufe und des Gesundheitssystems und beleuchteten aus verschiedenen Perspektiven, vor welchen Herausforderungen die Medizin in den kommenden Jahren stehen wird. Gestartet mit der Auftaktveranstaltung im Dezember, reichten die Themen der Ringvorlesung von Selbstheilung und Placebo-Effekt über Wunsch und Wirklichkeit von (Medizin-)Studium und Klinikbetrieb bis hin zu Klimakrise und Gesundheit.

„Im Rückblick ist es fantastisch, wie viele spannende Themen wir zur Zukunft der Medizin in der Ringvorlesung thematisieren konnten mit Top-Referenten aus der ganzen Republik“, resümierte Eckart von Hirschhausen. „Ein Thema, was dieses Jahr erst so richtig virulent wurde, haben wir mit eingebaut: Klimakrise und Gesundheit. Dieses Thema, für das sich viele internationale Organisationen wie der Lancet, der Weltärztebund oder die Akademie der Wissenschaften schon lange stark machen, kommt jetzt auch in Deutschland an und der nächste Ärztetag beschäftigt sich auch damit. Das ist die größte Herausforderung der Medizin im 21. Jahrhundert und wir brauchen jetzt auch mehr politisch denkende und engagierte Ärztinnen und Ärzte, um diese Herausforderungen für die Menschheit zu gewinnen.“

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die befreundeten Mediziner ihre Gedanken über das Älterwerden. Dabei stellten sie auch Kernaspekte aus ihrem gemeinsamen Buch „Die bessere Hälfte – worauf wir uns mitten im Leben freuen können“ vor.

Tobias Esch: „Insbesondere im Angesicht des Älterwerdens und bei chronischen Erkrankungen, die die meisten von uns irgendwann betreffen werden, müssen wir wegkommen von der Idee, dass die Medizin immer kurativ tätig ist und heilt. Die alltägliche Realität der Medizin ist, dass sie lindert, Lebensbegleiter ist und palliativ unterstützt. Unsere Forschungsdaten zeigen uns, dass die Menschen dies auch spüren und genau wissen, dass sie nicht mehr völlig gesundwerden können. Gleichzeitig haben wir herausgefunden, dass wir als Menschen über eine unglaubliche Kompetenz und riesiges Potenzial verfügen, genau damit trotzdem glücklich zu werden. Dies nennen wir die Emanzipation der Zufriedenheit von der Idee körperlichen Unversehrtheit. In der Medizin der Zukunft sollte entsprechend gehandelt werden: Es darf nicht darum gehen, die Menschen bei dem vergeblichen Versuch der absoluten Heilung lediglich mit Ersatzteilen zu versorgen, sondern sie zu begleiten und Raum zu lassen für die natürliche Entwicklung von Zufriedenheit, Weisheit und Verbundenheit.“

Weitere Informationen: Prof. Dr. Tobias Esch, tobias.esch@uni-wh.de oder 02302 / 926-838

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.600 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

www.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH

idw 2019/06