Gemeinsam mit dem PFH-Sportpsychologen Prof. Dr. Michael Gutmann stellten sich Busemann, Olympiazweiter im Zehnkampf von 1996, und der beidseitig unterschenkelamputierte Floors, Paralympics-Sieger in der 4×100-Meter-Staffel von 2016, den Fragen des Publikums. Beide berichteten sehr persönlich vom Auf und Ab in ihren Karrieren. Der Leistungsdruck ist beziehungsweise war für beide hoch: Mehr als 30 Trainingsstunden pro Woche absolviert Floors neben einem Studium, Busemann gönnte sich in seiner aktiven Zeit keinen einzigen Urlaub. Nachhaltige Motivation kann da nur von innen kommen – aus der Freude an dem was man tut und nicht von Geld oder Medaillen. Diese Botschaft blieb hängen, weil die beiden Sportler sie eindrucksvoll mit Erlebtem untermauerten. Mit Gutmann, der auch leitender Psychologe des deutschen Leichtathletik-Verbandes ist, sprachen sie zudem über Doping im Leistungssport, die gesellschaftliche Bedeutung des Sports und das Leben nach der Athletenkarriere.

Selbsterfahrung auf Prothesenfüßen und im virtuellen Flugzeug
Wie sich ein Leben auf Prothesen, wie Floors es führt, anfühlen mag, konnten die Besucher im Nebenraum ein Stück weit selbst nachvollziehen. Studierende, Professoren und Mitarbeiter des Studienbereiches Orthobionik ließen sie dort in so genannte „Walker“ steigen, die das Gehen auf Prothesenfüßen simulieren. Für eine Selbsterfahrung anderer Art sorgten Mitarbeiter der Psychologie. Virtual-Reality-Brillen entführten Freiwillige an klassische Angst-Orte, zum Beispiel in Flugzeuge, auf Hochhausdächer und in Räume voller Spinnen. Ganz nach Wunsch und Mut ließen sich die Angstsituationen dabei verschärfen oder mildern. Tatsächlich kann virtuelle Realität in der Psychotherapie ein effektives Mittel gegen Ängste sein, wie Prof. Dr. Youssef Shiban in seiner Schnuppervorlesung über dieses PFH-Forschungsfeld erläuterte.

„Die PFH hat beim Tag der offenen Tür ihre ganze Vielfalt aus drei Departments, 27 Studiengängen und zahlreichen anwendungsorientierten Forschungsprojekten gezeigt. Bei uns findet Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm, sondern immer nah an der Praxis statt. Deshalb war es uns wichtig, dass jede Besucherin und jeder Besucher Forschung in die Hand nehmen, Alltagsbezüge verstehen und neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen kann“, sagte Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke, geschäftsführender Gesellschafter der PFH-Trägergesellschaft.

Spenden für eine ShelterBox
Spendengelder für eine Überlebenskiste im Wert von 750 Euro übergab Sierke im Nachgang an die Katastrophenhilfe-Organisation ShelterBox. Beim Tag der offenen Tür waren Botschafter des Projekts selbst mit einer solchen Kiste, genannt ShelterBox, inklusive Familienzelt, Ofen und Werkzeugen vor Ort. Die Veranstaltungsbesucher konnten an den Essens- und Getränkeständen für die Initiative der Rotarier spenden, die Hochschule stockte die Summe auf.

Weitere Informationen zu Forschungsprojekten und Studienangebot der PFH sind online unter www.pfh.de zu finden.

idw 2019/06