Von Boston nach Datteln – gemeinsam für schmerzkranke Kinder

Dem Schmerz etwas entgegensetzen: Das wollen Kinderärzte, Psychologen, Pflegende und Physiotherapeuten, die am 13. Juni 2019 aus zehn Ländern der ganzen Welt nach Datteln reisten, um an einem Expertenworkshop zum Thema Kinderschmerztherapie teilzunehmen. Ausgerichtet wurde dieser von Experten der Harvard Medical School, Boston, und des Deutschen Kinderschmerzzentrums an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik – Universität Witten/Herdecke in Datteln.

„Chronische Schmerzen beeinflussen die gesamte Familie. Sie führen zu Sorgen, Frustration, Wut, Angst und Depression, wenn keine Heilung in Sicht ist“, erklärt Prof. Navil F. Sethna von der Harvard Medical School in Boston die Relevanz des Themas. Umso wichtiger sei es, dass in allen Ländern Angebote für Kinder und Jugendliche mit Schmerzen auf- und ausgebaut würden, bestätigt Prof. Boris Zernikow, Chefarzt des Deutschen Kinderschmerzzentrums an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln. Gemeinsam haben Sethna und Zernikow den Workshop konzipiert, um rund vierzig Kollegen aus Dänemark, Schweden, Litauen, Kanada, Italien, Spanien, Portugal, Neuseeland, Israel, Belgien, Großbritannien und Deutschland nicht nur die Grundlagen der Therapie von chronischen Schmerzen näher zu bringen, sondern ihnen auch Rüstzeug an die Hand zu geben, wie sie in ihren Heimatländern tragfähige Strukturen zur Schmerztherapie von Kindern und Jugendlichen aufbauen und diese wissenschaftlich überprüfen können.

Sowohl in Boston als auch in Datteln wird die Therapie chronisch schmerzkranker Kinder und Jugendlicher seit Jahren erforscht und in Behandlungskonzepten umgesetzt. „Weltweit sollte die Therapie von Patienten diesen Konzepten folgen, denn sie sind bewährt und wirksam“, wünscht sich Zernikow. Dazu sei der Austausch enorm wichtig: „Wir freuen uns, zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus Boston gerade in dieser politisch konfliktträchtigen Zeit gemeinsam in Deutschland einen Workshop für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt anbieten zu können!“

Chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen sind eine stille Epidemie. Immer mehr Schüler leiden unter Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen, ohne dass eine behandelbare Krankheit gefunden werden kann. In einer aktuellen von der Bundesregierung geförderten Studie an Schulen in Datteln, Oer-Erkenschwick und Waltrop klagen etwa 40 Prozent der Schüler über wiederkehrende Schmerzen, viele von ihnen nehmen regelmäßig Schmerzmittel ein. „Schmerzen, die im Kindesalter nicht richtig behandelt werden, führen zu lebenslangen Beschwerden bis ins Erwachsenenalter“, unterstreicht Sethna. Umso wichtiger sei es, das Thema auch international voranzutreiben und für bessere Versorgungsstrukturen zu sorgen. Durch den fachlichen Austausch beim internationalen Workshop soll ein Netzwerk entstehen, von dem vor allem auch die Länder profitieren, in denen sich die pädiatrische Schmerztherapie noch im Aufbau befindet.

Seit 2002 werden in Datteln an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik durch das Deutsche Kinderschmerzzentrum Kinder und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen von einem multiprofessionellen Team unter Leitung von Chefarzt Prof. Boris Zernikow behandelt. Im Jahr 2008 wurde Zernikow von der Universität Witten/Herdecke auf den europaweit ersten Lehrstuhl für Kinderschmerztherapie und pädiatrische Palliativversorgung berufen. Das Deutsche Kinderschmerzzentrum gehört zusammen mit der Harvard Medical School weltweit zu den größten Einrichtungen zur Behandlung chronischer Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Der Co-Chair des Workshops, Prof. Dr. Navil Sethna, ist Direktor des Kinderschmerz-Rehabilitationszentrums, Children`s Hospital, Harvard Medical School, Boston, USA.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. med. Boris Zernikow, 02363 / 975-187, b.zernikow@kinderklinik-datteln.de

https://www.uni-wh.de/gesundheit/department-fuer-humanmedizin/lehrstuehle-institute-und-zentren/lehrstuhl-fuer-kinderschmerztherapie-und-paediatrische-palliativmedizin/

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.600 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

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idw 2019/06

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