Susanne Ackermann überzeugte die Jury mit ihrer Promotion „Die Rolle von Apolipoprotein E bei der humanen Immunreaktion“. Darin identifiziert sie das Apolipoprotein E – kurz ApoE – als Inhibitor des menschlichen Komplementsystems, der die Bildung von Ablagerungen in Blutgefäßen verhindern kann. Bei Erkrankungen wie Alzheimer und Atherosklerose verursachen diese Ablagerungen, Plaques genannt, eine Entzündungsreaktion des Immunsystems. Durch ApoE und die zusätzliche Gabe von Hemmstoffen des Komplementsystems ließen sich die Plaques reduzieren und somit auch die Entzündung abmildern. Daraus ergibt sich ein vielversprechender Ansatz für die Behandlung von Alzheimer und Atherosklerose. Die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlichte Susanne Ackermann gemeinsam mit Kollegen unter anderem in der Zeitschrift Nature Medicine.
Pierre Stallforth wechselte 2013 von der renommierten Harvard Medical School in Boston an das Leibniz-HKI, wo er eine eigene Nachwuchsgruppe leitet. Der Chemiker untersucht das komplexe Wechselspiel verschiedener Organismen für die Suche nach neuen Wirkstoffen für Medikamente. So entdeckte er mit seinem Team die Substanz Jessenipeptin. Das Molekül wird von Bakterien der Gattung Pseudomonas gebildet, wenn sie nahe ihres Fressfeindes, der Amöbe Dictyostelium discoideum, leben. Um sich vor der Amöbe zu schützen, geben die Bakterien unter anderem Jessenipeptin an die Umgebung ab. Stallforth konnte nachweisen, dass der Naturstoff in Kombination mit dem ebenfalls von Pseudomonas gebildeten Mupirocin gegen den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA wirksam ist. Mit der Erforschung solcher Wirkstoffkombinationen weicht Stallforth von der gängigen Praxis ab, in der meist Einzelsubstanzen untersucht werden. In einem Beitrag im Fachjournal PNAS zeigte er, dass Kombinationen aus mehreren Wirkstoffen kooperative und synergistische Effekte erzeugen können und damit möglicherweise die Behandlung resistenter Erreger erleichtern.
Wie der Direktor des Leibniz-HKI, Prof. Axel Brakhage in seiner Laudatio hervorhob, leistet Stallforth mit seinen Arbeiten einen wichtigen Beitrag zum neuen Exzellenzcluster Balance of the Microverse. Dieser erforscht die Dynamik und Regulation von Mikrobengemeinschaften und ihrer Anwendung zum Wohle des Menschen und der Umwelt.

idw 2019/05