Im Jahr 2018 haben Forscherinnen und Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) insgesamt 52.078 Tiere – vor allem Mäuse – in Versuchen verwendet. Das sind 2.882 Tiere mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen hat das MDC jetzt an die Genehmigungsbehörde, das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) übermittelt. Genetisch verändert wurden 37.678 Tiere, das sind rund 5.000 mehr als 2017.

Mäuse 49.196
Ratten 1.917
Zebrabärblinge 937
Andere Nagetiere 25
Kaninchen 1
Krallenfrösche 2
Gesamt 52.078

Deutschland hat eines der strengsten Tierschutzgesetze weltweit. Seit 2002 nimmt der Tierschutz Verfassungsrang ein. Der erwartete wissenschaftliche und medizinische Nutzen jedes Versuchs muss gegen die Belastung der Versuchstiere abgewogen werden. Um die Belastung zu bestimmen, gibt die Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments unterschiedliche Kategorien der Schweregrade vor. Sie reichen von „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“ bis hin zu „schwer“. Die Mehrzahl der Versuchstiere am MDC ist gering belastet (25.183). Bei 21.292 gibt es „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“. Schwer von den Versuchen belastet waren 2018 insgesamt 348 Tiere, also knapp 0,7 Prozent.

Unter schwerer Belastung versteht man Verfahren, die bei den Tieren starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste verursachen oder das Allgemeinbefinden schwer beeinträchtigen können. Auch wenn ein Verfahren nur mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste verursacht, diese dann aber lang anhalten, wird es als schwere Belastung eingestuft.

„Tierversuche ermöglichen uns allen ein längeres und gesünderes Leben“, sagt Martin Lohse, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir viele Fragen nur mit Hilfe von Tierversuchen beantworten. Es ist jedoch unsere Pflicht, die Versuche ständig zu verbessern, nach Möglichkeit minimalinvasive Methoden wie beispielsweise die Bildgebung zu nutzen, Alternativen zu prüfen und unsere Haltung immer wieder zu überdenken.“

Bereits heute arbeiten die MDC-Forscherinnen und Forscher meist an Zell- oder Gewebekulturen oder mit Computermodellen. Sie entwickeln neue Verfahren, um zum Beispiel mit Mini-Organen (Organoiden) und anderen Stammzelltechnologien medizinische Probleme zu analysieren.

Wenn ein Tierversuch unumgänglich ist, können die Teams dank moderner Omics-Technologien enorme Datenmengen aus wenigen Experimenten gewinnen. Methoden wie die Genomeditierung mit CRISPR/Cas9 schaffen außerdem die Grundlage für Tiermodelle, die menschliche Krankheiten genauer als bisher nachbilden können. Schonende bildgebende Verfahren sind ein weiterer Schwerpunkt, den das MDC ausbaut.

idw 2019/04