GeMuKi zielt darauf ab, eine fachübergreifende präventive Beratung für Schwangere und junge Eltern anzubieten, die an die Schwangerschafts- und Kindervorsorgeuntersuchungen gekoppelt ist. Der Schwerpunkt der Beratung liegt dabei auf der Förderung einer gesunden Ernährung sowie ausreichender körperlicher Aktivität und Reduktion des Genussmittelkonsums. Gleichzeitig ist eine App mit präventionsrelevanten Informationen und lokalen Angeboten entwickelt worden. Die individuelle Beratung soll die Gesundheitskompetenz der Schwangeren fördern und lebensstilbedingte Risiken zur Entwicklung von Übergewicht und Adipositas verringern. Für die Teilnahme und Durchführung der Beratung erhalten Frauenärzte, Hebammen, Kinder- und Jugendärzte aus insgesamt acht Regionen Baden-Württembergs eine vorherige Schulung. Insgesamt sollen 2.550 Frauen an dem Projekt teilnehmen.

„GeMuKi ist ein wegweisendes Projekt in der Präventionsmedizin. Hier beginnt der Beratungsansatz schon bei der Prägung des Stoffwechsels des ungeborenen Kindes innerhalb des Mutterleibs. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung schauen wir daher nicht nur, ob die Beratung funktioniert, sondern auch wie das Beratungskonzept für Ärzte, Hebammen und Schwangere möglichst ansprechend und effektiv gestalten werden kann“, sagt Univ.-Prof. Dr. Stephanie Stock, Leiterin des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Uniklinik Köln.

Hintergrund des Projekts ist der entscheidende Einfluss der perinatalen Programmierung auf die lebenslange Gesundheit und Gewichtsentwicklung des Kindes, denn ab der Befruchtung wird der Stoffwechsel des Kindes maßgeblich geprägt. Übergewicht und Adipositas während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen signifikant. Darüber hinaus steigt durch eine exzessive Gewichtszunahme während der Schwangerschaft das Risiko für späteres Übergewicht des Kindes. Aktuell nehmen in Deutschland 27 Prozent der Schwangeren übermäßig an Gewicht zu und circa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig.

Im Erfolgsfall könnten die präventiven Beratungen als neue Versorgungsform deutschlandweit im Rahmen von Selektivverträgen ausgerollt werden. Die GeMuKi-Assist-Datenplattform, über welche die beratenden Leistungserbringer die Daten aus Mutterpass und U-Heft in digitaler Form eintragen und einsehen können, sowie die Fortbildungen für Frauenärzte, Hebammen und Kinderärzte könnten in andere Bundesländer übertragen und für die Nutzung angepasst werden. Die Projektleitung übernimmt die Plattform Ernährung und Bewegung e.V.. Weitere Partner sind das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS, die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg und die BARMER.

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Redakteurin / Pressereferentin
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idw 2019/04