Preisverleihungen auf der ANIM 2019 in Berlin – Interviews mit den Preisträgern

Preisverleihungen auf der ANIM 2019 in Berlin – Interviews mit den Preisträgern

Außerdem vergab die DGNI drei Posterpreise für aktuelle Forschungsarbeiten und würdigte mit dem DGNI Pflegepreis Pflegekräfte, die in einer Projektarbeit professionelles Wissen und Handeln zeigen, das zur Verbesserung der intensivmedizinischen Patientenversorgung in der Neurologie und Neurochirurgie beiträgt. Den Pflegepreis bekam Markus Prinz, Stationsleitung Neurointensivstation Universitätsklinikum Erlangen, für seine Arbeit „Einführung eines ganzheitlichen Delirkonzeptes auf einer Neurointensivstation – vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung“. Anne Mrochen, Universitätsklinikum Erlangen, wurde mit dem mit 800 Euro dotierten 1. Posterpreis für die Untersuchung „Dienstzeiten bei der Krankenhausaufnahme – Auswirkungen auf Behandlung und Prognose bei der intrazerebralen Blutung“ ausgezeichnet.

Erfahren Sie mehr zu den ausgezeichneten Projekten in den folgenden Kurz-Interviews:

1. Dr. med. Katja Wartenberg, Preisträgerin des DGNI-Forschungsförderungspreises 2019

Was bedeutet es für Sie, dass Ihr wissenschaftliches Projekt „Prognostische Indikatoren bei Subarachnoidal- und intrazerebralen Blutungen: Vergleich von Prognosescores und der Einschätzung des behandelnden Teams“ eine Forschungsförderung der DGNI bekommen hat?
Dr. med. Katja Wartenberg: Die Idee für die Untersuchung der Bestimmung der Langzeitprognose bei Hirnblutungen mittels Prognoseskalen und durch die Einschätzung der behandelnden Ärzte und Pflegekräfte entstand aus der Sitzung über „Prognostication in Neurocritical Care“ auf dem zweiten Joint Meeting der DGNI mit der Neurocritical Care Society in Würzburg 2018. In dieser interdisziplinären deutsch-amerikanischen Sitzung wurden strukturiert Prognosecores and prognostische Modelle für acht NeuroIntensivmedizinische Krankheitsbilder präsentiert und Lücken bei der Prognosebestimmung identifiziert. In einer 2016 veröffentlichten Studie über Prognosefindung nach einer Gehirnblutung wurde gezeigt, dass das Team, welches den Patienten stationär behandelte, viel besser in der Einschätzung der Langzeitprognose war als die angewandten Scores. Sind die Scores in der Prognoseabschätzung nicht genau genug oder nicht anwendbar oder ist das behandelnde Team bei der Prognoseeinschätzung gleichzeitig die treibende Kraft und Motivation für den Patienten und dessen Familie? Dieser Frage wollten Dr. Katja Wartenberg und Prof. Jürgen Meixensberger weiter nachgehen. „Wir freuen uns sehr, dass die DGNI das Projekt und damit auch die klinische Forschung in der NeuroIntensivmedizin bei einer praxis- und alltagsrelevanten Fragestellung, die vor allem auch für unsere Patienten und deren Angehörigen wichtig ist, mit einer Forschungsförderung über 5 Jahre unterstützt. Dies ermöglicht uns die Durchführung einer Deutschland- und Österreich-weiten multizentrischen Studie.”

Wie soll die Forschungsförderung eingesetzt werden? Welche weiteren Forschungen soll es geben?
Dr. med. Katja Wartenberg: Die finanzielle Unterstützung dient vor allem der Erstellung einer elektronischen, internet-basierten Datenbank, mit der von allen Zentren die demographischen, klinischen und prognostischen Daten der Patienten dokumentiert werden sollen, und deren statistischer Auswertung. Außerdem wird sie die zentrale Nachbefragung zur Erfassung des tatsächlichen Zustands des Patienten im Intervall teilfinanzieren. Zunächst wird diese Studie durchgeführt und ausgewertet, daraus werden sich sicher weitere Fragestellungen ergeben.

Wie ist die weitere Planung – wann geht’s los?
Dr. med. Katja Wartenberg: Die Arbeiten für die Vorbereitung der Studie laufen schon seit dem letzten Jahr, zum Beispiel die Beantragung des Ethikvotums, die Rekrutierung der Zentren, die Erstellung der Datenbank und von Datenerfassungsblättern, wobei zum Teil noch Nutzungsrechte für Scores beantragt werden müssen. Der Einschluss der ersten Patienten ist für April/Mai 2019 geplant.

2. Dr. med. Harald Krenzlin, Preisträger des DGNI Nachwuchsförderpreis 2019

Was bedeutet es für Sie, dass Ihre wissenschaftliche Arbeit „Das zerebrale Thrombin-System als Modulator des sekundären Hirnschadens und möglicher Angriffspunkt in der Therapie intrazerebraler Blutungen im Mausmodell“ mit dem DGNI Nachwuchsförderpreis 2019 ausgezeichnet wurde?
Dr. med. Harald Krenzlin: Die Auszeichnung mit dem DGNI Nachwuchsförderpreis 2019 ist für mich eine große Ehre und besondere Motivation. Er bedeutet gleichzeitig Anerkennung der bereits geleisteten Arbeit und Ergebnisse, als auch Verpflichtung zur stetigen Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten und klinischen Versorgung von Patienten mit intrazerebralen Blutung (ICB).

Wie soll der Preis eingesetzt werden? Welche weiteren Forschungen soll es
geben?
Dr. med. Harald Krenzlin: Der Preis dient in erster Linie der Finanzierung der auf unseren Vorergebnissen aufbauenden Therapiestudie mit dem Ziel der Identifikation pharmakologischer und operativer Mechanismen zur Beeinflussung des zerebralen Thrombinsytems nach ICB. Von dem gewonnenen Preisgeld sollen in erster Linie benötigte Materialien angeschafft und laufende Kosten der anstehenden Experimente gedeckt werden.

Wie ist die weitere Planung?
Dr. med. Harald Krenzlin: Der Übergang von den bereits durchgeführten Vorexperimenten zu den anstehenden Therapieversuchen ist nahtlos und hat bereits begonnen.

3. Markus Prinz, Preisträger des DGNI-Pflegepreises 2019

Was bedeutet es für Sie, dass Sie für Ihre Projektarbeit „Einführung eines ganzheitlichen Delirkonzeptes auf einer Neurointensivstation – vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung“ mit dem Pflegepreis 2019 der DGNI ausgezeichnet wurden?
Markus Prinz: Ich habe mich sehr gefreut, dass das Thema Delir immer noch mehr als aktuell ist und unsere Bemühungen in der Pflege, Delir zu vermeiden, mit diesem Preis wertgeschätzt wird.

Wie soll der Preis eingesetzt werden?
Markus Prinz: Das ist noch nicht entschieden, es kommt auf jedem Fall dem engeren Delirteam zu Gute.

Wie ist Ihre weitere Planung?
Markus Prinz: Wir werden unsere Ziele zur Vermeidung von Delir umsetzten und vor allem auch überprüfen. Geplant sind das Überprüfen aller Maßnahmen und das Messen von Delir bei neurologischen Intensivpatienten in Kooperation mit unseren Stationsärzten.
Unser Ziel ist es, dran zu bleiben und sich stetig zu verbessern zum Wohle unserer Patienten.

4. Anne Mrochen, Preisträgerin des 1. Posterpreises bei der ANIM 2019

Was bedeutet es für Sie, dass Sie für Ihre wissenschaftliche Arbeit Ihres Teams „Dienstzeiten bei der Krankenhausaufnahme – Auswirkungen auf Behandlung und Prognose bei der intrazerebralen Blutung“ mit dem 1.Posterpreis bei der ANIM 2019 ausgezeichnet wurden?
Anne Mrochen: Für mich stellt die Auszeichnung 1.Posterpreis bei der ANIM 2019 natürlich eine sehr große Ehre dar! Ich freue mich sehr, dass unser Beitrag bei der großen Anzahl an weiteren exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten prämiert wurde.

Wie soll der Preis eingesetzt werden?
Anne Mrochen: Das Preisgeld wird u.a. als finanzielle Unterstützung bei kommenden Kongressteilnahmen verwendet werden; und natürlich auch, um mit den Coautoren auf den Erfolg anzustoßen.

Wie ist Ihre weitere Planung?
Anne Mrochen: Neben der klinischen Arbeit auf Intensivstation plane ich, weiterhin auch klinisch-wissenschaftlich zu forschen mit dem Ziel einer Habilitation. Für diese Forschungsprojekte sollen entsprechende Drittmittel akquiriert werden und die Ergebnisse bei den weiteren ANIM und DGN Jahrestagungen zur Präsentation eingereicht werden.

idw 2019/03