Die Nuklearmedizin nutzt radioaktiv markierte Substanzen – sogenannte Radiopharmaka – um im menschlichen Körper die Funktion von Zellen und Organen zu untersuchen sowie dort entsprechende krankhafte Zustände aufzudecken. Dies ist möglich, da diese Radiopharmaka sich beispielsweise an Tumorzellen binden können. Durch spezielle Kamerasysteme (SPECT/PET) werden so selbst kleinste Metastasen von außen sichtbar gemacht, die sonst einer Untersuchung mit anderen bildgebenden Verfahren entgehen könnten. Diese Informationen sind nicht nur für die Erkennung von Erkrankungen sondern auch für die Planung von Therapien und die Dokumentation eines Behandlungserfolges wichtig. Bei der nuklearmedizinischen Therapie werden diese Radiopharmaka anstelle von diagnostischen Strahlern mit Therapiestrahlern markiert. Dadurch erfolgt eine interne Strahlentherapie, die ohne relevante Nebenwirkungen für den Patienten sehr zielgerichtet alle Tumorzellen im Körper angreifen kann.

Diese Möglichkeit der Kombination einer zielgerichteten Diagnostik mit der entsprechenden Therapie – die sogenannte Theranostik – ist ein Alleinstellungsmerkmal der Nuklearmedizin. Sie bietet ein großes Potential, da Tumore und deren Metastasen nicht nur zunächst präzise lokalisiert sondern dann in einem nächsten Schritt auch über den gleichen Mechanismus therapiert werden können. Aus diesem Grund ist das außerordentlich dynamische Feld der nuklearmedizinischen Theranostik ein Schwerpunkt der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin in Bremen.

Bereits im Rahmen des Vorkongress-Symposiums, das der Tagung am 3. April 2019 vorangeht, werden diese theranostischen Möglichkeiten konkret am Einsatz von radioaktivem Jod (Radiojod) bei Diagnostik und Therapie des Schilddrüsenkarzinoms präsentiert und mit Experten diskutiert.

Einen weiteren Schwerpunkt der NuklearMedizin 2019 stellt die Behandlung von Patienten mit neuartigen theranostischen Verfahren dar. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs besteht die Möglichkeit der Therapie durch das PSMA-Verfahren: Es kann Symptome der Erkrankung lindern, den Tumor zurückdrängen und damit die Lebensqualität dieser schwer kranken Patienten verbessern. Weitere neuartige Möglichkeiten der Behandlung sind das DOTATATE-Verfahren bei neuroendokrinen Tumoren – also bei Tumoren, die sich im Darm, in der Bauchspeicheldrüse und auch der Lunge bilden können – sowie das SIRT-Verfahren zur Therapie von Lebertumoren mittels radioaktiv markierter Nanopartikeln.
Zu all diesen theranostischen Verfahren werden im Rahmen der Jahrestagung Präsentations- und Diskussionsformate mit Beiträgen von etablierten Wissenschaftlern aber auch von Nachwuchswissenschaftlern stattfinden, die den Stand der Entwicklungen und die Perspektiven der Theranostik darstellen und diskutieren.

Auch ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz, einem für die Digitalisierung auch in der Medizin wichtigen Teilaspekt der Informatik, in der Nuklearmedizin aktuell ein stark beforschtes und diskutiertes Thema. Die Erwartung an neue Ansätze zur künstlichen Intelligenz reichen hierbei von computergestützten Befundungssysteme bis hin zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen durch die Analyse von komplexen Daten, die sich einer Auswertung durch reine Betrachtung entziehen. Da alle nuklearmedizinischen Bilddaten bereits in digitaler Form vorliegen und die Befundung in großen Teilen einer „Mustererkennung“ durch den Arzt entspricht, sind die Erwartungen in Bezug auf das im Falle der Bildgebung „Radiomics“ genannte Feld der künstlichen Intelligenz groß. Entsprechende Ansätze werden als Schwerpunktthema im Programm der Tagung ebenfalls prominent abgebildet.

Die Jahrestagung NuklearMedizin 2019 ist ein einzigartiges Forum für die Präsentation des aktuellen Standes der Wissenschaft sowie des Fortschritts moderner medizinischer Diagnostik- und Therapieverfahren. Die Tagung steht somit an der Schnittstelle zwischen akademischer Forschung, moderner Patientenversorgung, Präzisionsmedizin der Zukunft und der technologischen Weiterentwicklung. Das vielseitige, interdisziplinäre Umfeld wird die rasante Entwicklung des Fachgebietes weiter vorantreiben. Eine Industrieausstellung, auf der nationale und internationale Hersteller den aktuellen Stand ihrer Entwicklungen präsentieren, ist dabei ein zentraler Bestandteil der Tagung.

Sämtliche Informationen zur NuklearMedizin 2019 stehen auf der Kongresshomepage zur Verfügung. Dort ist auch die Presseakkreditierung zur Tagung möglich.

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Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Stefanie Neu
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idw 2019/03