Die DGPK zieht Bilanz über 50 Jahre Fortschritte in Diagnostik und Therapie angeborener Herzfehler

Die DGPK zieht Bilanz über 50 Jahre Fortschritte in Diagnostik und Therapie angeborener Herzfehler

Zeit, zurück zu blicken und Bilanz zu ziehen – so geschehen auf der 51. Jahrestagung der DGPK im Februar 2019 in Wiesbaden. Patienten und ihre behandelnden Ärzte berichteten als `Zeitzeugen der ersten Stunden´ in der Jubiläumssitzung über ihre persönlichen Erfahrungen bei der Therapie von angeborenen Herzfehlern (AHF).
Prof. Dr. Sven Dittrich, Präsident der DGPK, wies in diesem Zusammenhang auf Pionieraktivitäten in der Versorgung von Patienten mit AHF in Deutschland hin.
– Bereits 1938 operierte der Chirurg Emil K. Frey in Düsseldorf einen Patienten mit einem symptomatischen Ductus arteriosus, einer nach der Geburt überflüssigen Gefäßverbindung zwischen der Hauptschlagader und der Lungenschlagader. Im gleichen Jahr und ohne Kenntnis davon operierte der Bostoner Chirurg Robert E. Gross ebenfalls einen Ductus arteriosus. Diese beiden Operationen waren die ersten operativen Eingriffe bei angeborenen Herzfehlern weltweit.
– 1949 wurde die erste Herzkatheteruntersuchung bei einem Kind in Deutschland an der Universitäts-Kinderklinik Bonn von einer Kinderärztin durchgeführt.
– In den folgenden Jahren wurde die Herzkatheteraktivitäten technisch weiter entwickelt, und aus dem ursprünglich rein diagnostischen Verfahren entstand über die Jahrzehnte hinweg eine mehr und mehr therapeutische Maßnahme, bei der mit Ballons, Stents, Verschlusssystemen und Klappenimplantationen heute den kleinen Patienten eine Operation oft erspart werden kann.
– 1962 wurde die erste Abteilung für Pädiatrische Kardiologie in Göttingen mit Prof. Alois J. Beuren etabliert, der sich insbesondere der Herzkatheteruntersuchung widmete.
– 1985 erfolgte die erste Herztransplantation im Kindesalter bei einem 9jährigen Jungen in Hannover.
– Bei Patienten mit einem hypoplastischen Linksherzsyndrom wird seit den 80er Jahren in mehreren operativen Schritten das Herz so umgestaltet, dass ein Überleben bis weit in das Erwachsenenalter möglich ist. In einem weltweit erstmalig durchgeführten Verfahren wurde in Gießen ein gemeinsames Behandlungskonzept dieses komplizierten Herzfehlers durch Katheter-Interventionalisten und Herzchirurgen etabliert, eine Vorgehensweise, die weltweite Aufmerksamkeit erhalten hat.
Diese und andere Verfahren stellen die Basis für die erfolgreiche Versorgung der Kinder mit AHF dar. Die Ergebnisse können dies belegen: verstarben in der Mitte des letzten Jahrhunderts noch ca. 80% der Patienten mit AHF im Verlauf des Kindesalters, können heute über 90% von ihnen erwachsen werden.
Erforderlich für eine zukünftige optimale Behandlung sind wissenschaftliche Bemühungen, deren Schwerpunkte – so Dittrich – u.a. die Weiterentwicklung von biokompatiblen Implantaten sind, die im Verlauf der Kindheit „mitwachsen“ können. Ein Schwerpunkt liegt ferner in der interventionellen Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit elektrophysiologischen Maßnahmen. Seitens der Industrie ist auch die Bereitstellung von kindgerechten Materialien zur Implantation in Herz und Gefäße der oft sehr kleinen Patienten gefordert. Vor allem aber ist für eine geregelte ärztliche Versorgung dieser Patienten nach dem Übergang in das Erwachsenenalter seitens des Gesetzgebers zu sorgen.

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie ist eine gemeinnützige medizinische Fachgesellschaft mit dem Ziel der Förderung von Wissenschaft, Diagnostik und Therapie sowie der Prävention von angeborenen und erworbenen Herz- und Kreislauferkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Sie nimmt ferner Belange der Lehre (Ausbildung, Fort- und Weiterbildung) sowie die Erstellung von Leitlinien wahr. Der Fachgesellschaft gehören aktuell 810 Mitglieder an.

Weitere Informationen unter www.dgpk.de
sowie unter
Presse der DGPK: Prof. Dr.med. Angelika Lindinger, email: angelika.lindinger@uks.eu.

idw 2019/02