Telemedizin verbessert Prävention und Therapie von Diabetes

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In der Prävention sowie Therapie von Diabetes ergeben sich neue Chancen durch den Ausbau der Digitalisierung und der Telemedizin. Auf der DiaTec 2019 zeigte sich, dass der Alltag für Behandler und Patienten bereits durch die bereits vorhandene digitale Infrastruktur erleichtert wird. Über die digitale Infrastruktur und die Verknüpfung zukünftiger Prozesse in der Praxis diskutierten Experten um Dr. Jörg Simon, Diabetologe aus Fulda, Dr. Matthias Kaltheuner, Diabetologe aus Leverkusen und Ulrike Thurm, Diabetesberaterin aus Berlin.

Telemedizin – Zukunftschance für Prävention und Therapie lautete das Thema des Symposiums von Roche Diabetes Care Deutschland, das im Rahmen der DiaTec 2019 in Berlin stattfand. Die Veranstaltung verdeutlichte die Vision des Unternehmens: Ein integriertes und personalisiertes Versorgungskonzept zu schaffen, in dem Patienten und Behandler optimal miteinander und mit weiteren beteiligten Akteuren vernetzt sind. Lars Kalfhaus, Geschäftsführer der Roche Diabetes Care Deutschland GmbH, unterstrich in seinem Vortrag , dass es allen beteiligten Akteuren möglich sein müsse, auch sektorenübergreifend möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten. „Auf diese Weise möchten wir es ermöglichen, den Patient und seine Bedürfnisse noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen. So können Therapieergebnisse verbessert und der Alltag von Menschen mit Diabetes und deren Behandlern erleichtert werden,“ so Kalfhaus.

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Digitale Tools in entsprechende Prozesse einbetten

Digitale Tools bilden die Infrastruktur, die ein solches Versorgungsnetzwerk benötigt. Sie müssten allerdings in dazu passende, strukturierte Prozesse eingebettet werden, um wirksam zu sein, erklärte Kalfhaus. Ein Beispiel hierfür ist das integrierte Personalisierte Diabetes Management (iPDM) – ein strukturierter, digital unterstützter Prozess, der es ermöglicht, effizientere Therapieentscheidungen zu treffen und dadurch individuelle Therapieziele besser zu erreichen.

Die Wirksamkeit des iPDM wurde im Rahmen des PDM-ProValue Studienprogramms belegt. Die Patienten der iPDM-Gruppe konnten ihren HbA1c-Wert innerhalb von zwölf Monaten um 0,5 Prozent senken (p < 0,0001) – ein signifikant höherer Wert als in der Kontrollgruppe (Differenz 0,2 %, p = 0,0324). Außerdem stellte sich zum Studienende bei Patienten und Ärzten eine höhere Zufriedenheit hinsichtlich der Diabetestherapie ein.

Entscheidend sei zudem, dass bei allen Chancen nicht die Tools im Vordergrund stehen, sondern das, was sie ermöglichten – die sprechende Medizin, betonte Kalfhaus. Denn schlussendlich sei es der Mensch, der die Lösungen verwenden und nach deren Ableitungen vor allem handeln müsse.

Chancen auch für Prävention nutzen

Dem stimmte auch Dr. Jörg Simon, Diabetologe aus Fulda, zu: „Digitalisierung und Telemedizin bieten viele Chancen auch für die Diabetes-Prävention, die es nun zu nutzen gilt. Dafür muss die nötige Infrastruktur geschaffen werden“, so Simon. „Aber auch wir Ärzte müssen uns vermehrt mit der Thematik beschäftigen, um die Möglichkeiten der telemedizinischen Intervention auszuschöpfen.“

Er verwies an dieser Stelle auf digitale bzw. telemedizinische Lösungen wie das Präventions- und Diabetes-Management Programm Accu-Chek View. Durch digitale Tools wie dieses können Ärzte mit ihren Patienten besser vernetzt sowie Patienten kontinuierlich auf dem Weg zu einem gesünderen Lebensstil motiviert werden. Das zeigen auch die Ergebnisse einer einjährigen Beobachtungsstudie an 166 Patienten mit Metabolischem Syndrom: Die Teilnehmer besaßen eine sechsfach größere Chance ihr Körpergewicht um mindestens fünf Prozent zu reduzieren als die Standard-Behandlungsgruppe ohne digitale Unterstützung (adjustiert nach Alter, Geschlecht und Anfangs-BMI).

Nun ist ein Pilotprojekt zum Einsatz des Programms bei der Behandlung von Frauen mit Gestationsdiabetes in Planung. „Bei Gestationsdiabetes ist eine engmaschige, intensive Betreuung der Patientinnen notwendig. Mit Accu-Chek View kann die Zahl der notwendigen Praxisbesuche reduziert, gleichzeitig aber dennoch ausführlich kommuniziert werden. Zudem kann das Tool auch als Informationsplattform dienen. Davon profitieren beide Seiten“, so Dr. Matthias Kaltheuner, Diabetologe aus Leverkusen.

Ulrike Thurm, Diabetesberaterin aus Berlin, betonte, dass Telemedizin und Digitalisierung neue Anforderungen an Diabetesteams stellen. „Die Digitalisierung verändert die Prozesse in der Kommunikation mit den Patienten, darauf muss entsprechend reagiert werden“, erläuterte Thurm. „Lassen sich aber beide Seiten darauf ein, ergeben sich ganz neue Chancen für die Beratung.“

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Quelle:
Symposium: Telemedizin – Zukunftschance für Prävention und Therapie, Veranstalter Roche Diabetes Care, 01/2019

Informationen / Quellen / Publikationen zum Nachlesen:

  • Kulzer B, Daenschel W, Daenschel I, Schramm W, Messinger D, Weissmann J, Vesper I, Parkin CG, Heinemann L: Integrated personalized diabetes management improves glycemic control in patients with insulin-treated type 2 diabetes: Results of the PDM-ProValue study program. Diabetes Res Clin Pract. 2018 Sep 8;144:200-212.
  • Arens JH et al., Novel App- and Web-Supported Diabetes Prevention Program to Promote Weight Reduction, Physical Activity, and a Healthier Lifestyle: Observation of the Clinical Application. J Diabetes Sci Technol. 2018 Jul;12(4):831-838.
MEDIZIN ASPEKTE / D.W.
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