Masseur, Krankengymnast und Physiotherapeut – Wo liegen die Unterschiede?

Masseur, Krankengymnast und Physiotherapeut – Wo liegen die Unterschiede?

Die meisten Menschen verstehen unter der Krankengymnastik dasselbe, wie unter der Physiotherapie. Das liegt insbesondere im Ursprung des Berufs. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet ist die Krankengymnastik jedoch schon lange nicht mehr das Gleiche wie die Physiotherapie. In der Geschichte – besonders nach den beiden Weltkriegen – handelte es sich bei Krankengymnasten meist um Gymnastiklehrer, Heilgymnasten und teilweise auch um Masseure. Eine klare Regelung konnte daher erst im Jahr 1959 getroffen werden. Hier erfolgte eine Gesetzesänderung, die den Beruf des Krankengymnasten als festen Beruf definierte und ihn somit klar schützte. In den darauffolgenden drei Jahrzehnten wurde in der Krankengymnastik die Physiotherapie immer bekannter, sodass auch hier die Anforderungen immer weiter vom herkömmlichen Berufsbild des Krankengymnasten abwichen. Die Unterschiede zwischen dem Krankengymnasten, dem Masseur und dem Physiotherapeuten lassen sich daher in der heutigen Zeit klar zuordnen.

Der Physiotherapeut: langfristig und nachhaltig

Ein Physiotherapeut verfolgt in der Regel das Ziel, den Bewegungsapparat seines Patienten zu verbessern, zu erhalten und in einigen Fällen auch wiederherzustellen. Dafür werden gemeinsam mit dem Patienten kurzfristige und langfristige Ziele festgelegt. Sie hängen von verschiedenen Faktoren ab, so etwa vom Alter des Patienten und der gegebenenfalls vorliegenden Erkrankung. Bei den kurzfristigen Zielen stehen meist die Linderung von Schmerzen und die Stärkung bestimmter Muskelgruppen im Fokus. Langfristig ist es dem Physiotherapeuten allerdings in der Regel ein Anliegen, insbesondere die Wirbelsäule zu stabilisieren.

So soll der Patient vor möglichen Rückfällen bewahrt werden und dabei unterstützt werden, seinem gewohnten Beruf, seinen Hobbys und regelmäßigem Sport weiterhin nachgehen zu können. Damit ist auch die Wiedererlangung der Selbstständigkeit sowie die Verminderung der Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu werden ein wichtiger Gesichtspunkt in der Physiotherapie. Oft ist die physiotherapeutische Behandlung keine kurzfristige Behandlung, sondern erfolgt über einen längeren Zeitraum mithilfe der Ausstattung einer Physiotherapiepraxis. Nur so kann der Patient lernen, Übungen selbstständig durchzuführen und seine Koordination, seine Beweglichkeit und seine Muskulatur langfristig stärken und verbessern. Auch als präventive Maßnahme ist die Physiotherapie geeignet. Junge Menschen etwa können durch die physiotherapeutische Anwendung ernsthafte Haltungsschäden vermeiden. Auch Risikopatienten für Muskeldysbalance, also jene Personen, die häufig und viel sitzen, können von einer präventiven Behandlung durchaus profitieren.

Der Krankengymnast: kurzfristig aufgrund medizinischer Notwendigkeit

Anders als in der Physiotherapie, sind die Ziele bei der Krankengymnastik meist kurzfristig gesteckt. Die Behandlung, die der Krankengymnast durchführt, orientiert sich in der Regel an einem medizinischen Befund und eben an den Beschwerden des Patienten. So befasst sich der Krankengymnast insbesondere mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen, die er zu beheben versucht. Dafür nutzt er insbesondere seine manuellen Fähigkeiten und physikalische Reize wie Strahlung, Kälte, Wärme oder Druck. Das Ziel ist es, die Eigenaktivität des Betroffenen wiederherstellen zu können.

Ähnlich wie in der Physiotherapie stellen auch hier Krankengymnast und Patient die individuelle Behandlung zusammen. Das Ziel ist allerdings die Wiederherstellung der physiologischen Reaktionen, also die Anregung des Stoffwechsels, die Kräftigung der Muskulatur oder die Verbesserung der Selbstwahrnehmung. So ist der Patient nach Beendigung der Behandlung beim Krankengymnast im besten Fall in der Lage, eigenverantwortlich mit seinen Einschränkungen und Beschwerden umzugehen und diese in einem gewissen Maße auch selbstständig lindern zu können. Die Behandlungstechniken beim Krankengymnast sind sehr unterschiedlich und orientieren sich vor allem an den klar gesteckten Zielen und am medizinischen Befund des Patienten.

Der Masseur: ganzheitlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden

Bei dem Masseur muss grundsätzlich zwischen der geschützten Berufsbezeichnung „Masseur und medizinischer Bademeister“ und der ungeschützten Bezeichnung „Masseur“ unterschieden werden. Zum Masseur kann jede x-beliebige Person werden, während für die Ausübung des Berufs „Masseur und medizinischer Bademeister“ eine Ausbildung erforderlich ist. Im Folgenden wird es daher um den Masseur und medizinischen Bademeister gehen.

Auch in der Physiotherapie und in der Krankengymnastik werden gelegentlich Massagen eingesetzt. Ebenfalls kann die Behandlung beim Masseur teilweise von der Krankenkasse übernommen werden – das ist allerdings nur selten und in geringem Umfang der Fall. So nimmt der Masseur in der Regel am freien Wettbewerb teil und arbeitet daher effizienter – kann die Therapiedauer aber auch flexibel Planen und muss sich nicht an von der Krankenkasse vorgegebene Zeiten halten.

Er sieht in der Regel nicht nur die gesundheitlichen Beschwerden seines Patienten, sondern den Körper im Ganzen. Der Fokus liegt hier nicht nur auf einer schmerzhaften Stelle, sondern es werden alle vorhandenen Strukturen behandelt und aktiviert. Darüber hinaus arbeiten die meisten Masseure dauerhaft mit ihren Händen am Körper des Patienten. So gestaltet sich der Behandlungsablauf deutlich anders als in der Physiotherapie oder der Krankengymnastik. Anders als bei den physiotherapeutischen Übungen, muss der Patient nicht selbstständig mitarbeiten, sondern kann die Massage durchaus auch als eine Art der Entspannung wahrnehmen.

K.D.