Mit Hochdruck auf Herz und Niere – wie viele Organschädigungen Bluthochdruck wirklich macht

Mit Hochdruck auf Herz und Niere – wie viele Organschädigungen Bluthochdruck wirklich macht

Bluthochdruck ist doch nicht so schlimm? Von wegen: Hochdruck gilt als Risikofaktor Nummer 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wiederum für die meisten Todesfälle verantwortlich sind. Eine langjährige Hypertonie kann zudem andere wichtige Organe wie die Nieren schädigen. Die fatale Folge: lebensbedrohliche Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen. Davor warnt die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® │ Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention anlässlich ihres 42. Wissenschaftlichen Kongresses „Hypertonie 2018“, der vom 22. bis zum 24. November 2018 in Berlin unter dem Titel „Hypertonie – auf Herz und Nieren geprüft“ stattfindet.

Etwa 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland haben Bluthochdruck [1]. Die Dunkelziffer ist hoch, denn viele Patienten merken nicht, dass sie einen dauerhaft erhöhten Blutdruck haben: Jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung, weil sie auch lange Zeit keine Beschwerden macht. Nicht umsonst gilt sie als „stiller Killer“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erhöhten Blutdruck inzwischen als größte globale Gesundheitsgefahr eingestuft [2]. Forscher gehen davon aus, dass die Volkskrankheit „Bluthochdruck“ aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft noch weiter zunimmt [3].

Ein erhöhter Blutdruck ist häufig Ursache für eine chronische Herzerkrankung. Die anhaltende Hypertonie führt zur Verkalkung und Verengung der Blutgefäße (Arteriosklerose), auch der Herzkranzgefäße. Es drohen Gefäßverschlüsse – die Ursache für Herzinfarkt und Schlaganfall. Durch die Arteriosklerose verengen sich auch zunehmend die Arterien und das Herz wird unter eine hohe Druckbelastung gesetzt. Die Folge: Das Organ muss übermäßig stark pumpen, um das Blut weiterhin abtransportieren zu können. Diese starke Belastung kann das Herz meist noch für eine Weile ausgleichen. Der Herzmuskel verdickt und vergrößert sich und ist somit in seiner Funktion eingeschränkt. Auf Dauer wird das lebensgefährlich: Etwa 80 Prozent der Patienten mit Hochdruck erleiden einen Herzinfarkt [4] und rund 50 Prozent der Schlaganfälle gehen auf das Konto der Hypertonie [5]. Die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle ließen sich jedoch vermeiden, wenn man den Blutdruck rechtzeitig gut einstellen würde [6].

Bluthochdruck zieht auch in vielen Fällen eine Nierenschädigung nach sich. Hier setzt sich ein Teufelskreis in Gang, da eine Nierenerkrankung sowohl Ursache als auch Folge eines Hochdrucks sein kann. Das heißt: Auch geschädigte Nieren lassen den Blutdruck steigen. Bei einer terminalen Niereninsuffizienz muss der Hochdruckpatient schließlich an die Dialyse.

Laut Analyse des „US Renal Data System” aus dem Jahr 2013 [7] war Bluthochdruck der zweithäufigste Grund, warum US-Patienten an die Dialyse mussten. Fast 30% der Dialysepatienten waren laut dieser Auswertung wegen Bluthochdruck-bedingten Schädigungen der Nieren an die Dialyse gekommen. In Europa liegt dieser Anteil etwas niedriger – wahrscheinlich, weil der Anteil fettleibiger Menschen (noch) geringer ist: Im Durchschnitt ist Bluthochdruck die Ursache für die terminale, dialysepflichtige Nierenschädigung bei 15% aller Patienten in Europa, bei den älteren Patienten über 65 Jahre liegt dieser Anteil sogar bei 19%, wie die aktuelle Auswertung des ERA-EDTA Registers [8] zeigte. „Deutsche Zahlen sind allerdings nicht mit in die europäische Erhebung eingegangen, weil Deutschland als eines der wenigen europäischen Länder nicht über ein Dialyseregister verfügt. Dennoch können wir diese Zahlen guten Gewissens auch auf Deutschland übertragen, da auch das alte, seit über 10 Jahren eingestellte Dialyseregister „Quasi-Niere“ bereits ähnliche ergeben hatte. In Deutschland wird die Zahl der Dialysepatienten auf 80.000 geschätzt. Überträgt man die Daten, hätten allein 12.000- 15.000 dieser Dialysefälle verhindert werden können, wenn bei diesen Patienten der Bluthochdruck früh erkannt und behandelt worden wäre“, erklärte Prof. Dr. med. Helmut Geiger, Frankfurt, Präsident des 42. Wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga, heute in Berlin.

Bluthochdruck ließe sich durchaus vermeiden, denn Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress und erhöhter Alkoholkonsum gelten als Hauptrisikofaktoren für Hypertonie. Eine Veränderung des Lebensstils hin zu einer gesünderen Lebensweise kann den Hochdruck verringern und somit den gefürchteten Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschädigungen vorbeugen. Funktioniert das nicht, müssen zusätzlich Blutdrucksenker eingenommen werden. Derzeit ist rund die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck in Deutschland unwissend, nicht behandelt bzw. nicht ausreichend behandelt [1].
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HINTERGRUNDINFORMATION

Ab wann müssen hohe Blutdruckwerte medikamentös behandelt werden?

Nach der neuen Blutdruck-Leitlinie der europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie (ESH/ESC) markiert die „Rote Linie“ für Bluthochdruck in Deutschland weiterhin ein Wert von 140/90 mm Hg. Erst ab diesem Grenzwert müssen blutdrucksenkende Medikamente verschrieben werden, Lebensstilmaßnahmen zur Blutdrucksenkung (Abnehmen, ausreichend Bewegung, gesunde Kost) sind bereits früher indiziert. Erfolgt eine medikamentöse Senkung, wird ein Zielbereich von unter 130/80 mm Hg angestrebt.

Kontakt/Pressestelle
Dr. Bettina Albers
albers@albersconcept.de
Telefon: 03643/ 776423
Mobil: 0174/ 2165629

Quellen:
[1] Epidemiologisches Bulletin 5/2015, Robert-Koch-Institut, Berlin
[2] Robert Koch-Institut, www.rki.de, Zahlen und Trends aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2015
[3] Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), 2017, www.dzhk.de
[4] https://www.helmholtz-muenchen.de/herzschlag-info/risikofaktoren/bluthochdruck/index.html
[5] https://www.world-heart-federation.org/resources/stroke-and-hypertension/
[6] https://www.hochdruckliga.de/bluthochdruck.html
[7] Saran, R., Li, Y., Robinson, B. et al. US Renal Data System 2014 Annual Data Report: epidemiology of kidney disease in the United States. Am J Kidney Dis. 2015; 66: Svii (S1-S305)
[8] ERA-EDTA Registry: ERA-EDTA Registry Annual Report 2016; abrufbar unter: https://www.era-edta-reg.org/files/annualreports/pdf/AnnRep2016.pdf

idw 2018/11