Preise und Anerkennung für Greifswalder Sepsis-Netzwerk

Preise und Anerkennung für Greifswalder Sepsis-Netzwerk

Einer der drei Hauptpreise (Rang 3) ging an die Klinik für Anästhesiologie an der Universitätsmedizin Greifwald für den Sepsisdialog. Das ist ein Qualitätsmanagementansatz, mit dem durch schnelle Diagnostik, die Erfassung einfacher Qualitätsparameter und Schulung der Mitarbeiter die Behandlungsqualität bei Sepsis deutlich verbessert und zahlreiche Menschenleben gerettet worden sind. Zugleich konnten die Greifswalder auch den erstmals vergebenen Publikumspreis gewinnen. 4.813 User haben online für ihren Favoriten unter den zehn Finalisten abgestimmt, klarer Sieger war der Sepsisdialog. Sepsis (Blutvergiftung) ist eine der häufigsten, jedoch oft fehldiagnostizierten tödlichen Erkrankungen.

„Wir sind sehr stolz auf unser Sepsis-Team, das im Kampf gegen die Blutvergiftung schon international Maßstäbe gesetzt hat“, sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Professor Klaus Hahnenkamp. „Es ist erfreulich, dass dieses unermüdliche Engagement so viel Anerkennung und Aufmerksamkeit erfährt.“
Der MSD-Gesundheitspreis zeichnet Projekte aus, die vorbildhaft neue Wege in der Versorgung gehen und so als Modell für weitere Vorhaben dienen können. Erst vor einem Jahr haben die Greifswalder Initiatoren des Sepsisdialoges unter Leitung des Intensivmediziners PD Dr. Matthias Gründling für ihr herausragendes Wirken den Global Sepsis Award der Global Sepsis Alliance erhalten.

Blutvergiftung frühzeitig erkennen und Leben retten
Das Projekt Sepsisdialog will die Sterblichkeit bei einer Blutvergiftung reduzieren. Neben zahlreichen Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen zur Prävention, Diagnose und Therapie setzt das Netzwerk vor allem auf eine Optimierung der mikrobiologischen Diagnostik und des Sepsis-Notfallmanagements. Die Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin verfügt über eine patientennahe Schnelldiagnostik, die innerhalb von ein bis sechs Stunden Ergebnisse liefert, für die bisher 24 bis 48 Stunden notwendig waren. Ein wertvoller Zeitgewinn, weil jede Stunde bei einer Blutvergiftung zählt. Der lebensbedrohliche Notfall Sepsis kann so deutlich schneller und effektiver behandelt werden. Seit Beginn des Projekts vor elf Jahren konnte die Sterblichkeit bei Sepsis in Greifswald um etwa 20 Prozent reduziert werden. Im Sepsis-Netzwerk arbeiten Pflegekräfte, Ärzte, Hygieniker und Mikrobiologen eng zusammen.

#HINTERGRUND Sepsis
Eine Sepsis kann durch nahezu jede Infektionserkrankung ausgelöst werden, und entwickelt sich oftmals als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder Operation. Die Symptome werden oft fehlinterpretiert und die Sepsis deshalb zu spät erkannt. Die Sepsis ist die aggressivste Form einer Infektion, hervorgerufen durch Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte. Innerhalb weniger Stunden weisen alle lebenswichtigen Organe des Menschen durch außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktionen Störungen auf und drohen zu versagen. Der Tod kommt quasi im Zeitraffer. Frühe und oft im Krankenhausalltag verkannte Symptome einer Sepsis, gerade bei älteren Patienten, sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, schnellerer Herzschlag, niedriger Blutdruck und nachlassende Urinausscheidung sowie sehr häufig Verwirrtheit.
Jährlich melden die Krankenhäuser in Deutschland bis zu 300.000 Sepsis-Fälle. Rund 80.000 Patienten überleben die Erkrankung nicht. Weltweit gehen Experten von fünf Millionen Toten pro Jahr aus.

Foto: Sepsisdialog, UMG
Glücklich über die doppelte Anerkennung ihrer Arbeit – Projektleiter PD Dr. Matthias Gründling (v.li.), Sepsis-Schwester Manuela Geber, Dr. Christian Scheer und Dr. Christian Fuchs bei der MSD-Preisverleihung am 13. September in Haar (Bayern).

Weitere Informationen

Qualitätsmanagementprojekt Sepsisdialog
Projektleiter: PD Dr. med. Matthias Gründling
T +49 3834 86-58 62
M +49 173-20 35 446
E sepsis@uni-greifswald.de

Universitätsmedizin Greifswald
Klinik für Anästhesiologie
Anästhesie-, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin
Direktor: Prof. Dr. med. Klaus Hahnenkamp
Ferdinand-Sauerbruch-Straße,17475 Greifswald
T +49 3834 86-58 00
E anaesthesiologie@uni-greifswald.de

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idw 2018/09