Diabetes ist eine langfristige Erkrankung, die entweder dadurch entsteht, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin – das Hormon, das die Blutzucker-Konzentration reguliert – produziert, dass der Körper das produzierte Insulin nicht effektiv nutzen kann, oder durch beides. Dies kann zu erhöhten Blutzucker-Konzentrationen (Hyperglykämie) oder auch zu erniedrigten (Hypoglykämie) Werten führen.

Eine nicht behandelte Hyper- oder Hypoglykämie kann zu ernsten klinischen Symptomen führen, z.B. zu makro- oder mikrovaskulären sowie zentralnervösen Folgeerkrankungen. Makrovaskuläre Folgeerkrankungen, welche die großen Blutgefäße betreffen, sind zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall und die periphere Gefäßerkrankung. Mikrovaskuläre Folgeerkrankungen betreffen beispielsweise die kleineren Blutgefäße der Augen (Retinopathie), Nieren (Nephropathie) und der Nerven (Neuropathie).

Diabetes wird unterteilt in:

  • Typ-1-Diabetes (früher auch als insulinabhängiger oder juveniler Diabetes bezeichnet) ist charakterisiert durch eine unzureichende Insulinproduktion und erfordert die tägliche Verabreichung von Insulin. DerTyp-1-Diabetes macht etwa 5 – 10 % aller Diabetes-Fälle weltweit aus.1

    Zu den Symptomen gehören u. a. häufiges Wasserlassen (Polyurie), Durst (Polydipsie), konstantes Hungergefühl, Gewichtsverlust, ständig wechselnder Visus (Sehveränderungen) und Müdigkeit. Diese Symptome können plötzlich auftreten.

  • Typ-2-Diabetes (früher auch als nicht-insulinabhängiger oder Erwachsenendiabetes bezeichnet) ist eine Folge der ineffektiven Insulin-Verwertung des Körpers; 90 % der Diabetiker haben einen Typ-2-Diabetes.2
    Die Symptome können denen des Typ-1-Diabetes ähnlich sein, sie sind aber häufig weniger stark ausgeprägt. Als Folge davon wird die Erkrankung möglicherweise erst sehr spät – nachdem sich bereits Folgeerkrankungen entwickelt haben – diagnostiziert.

Bis vor Kurzem wurde dieser Typ des Diabetes nur bei Erwachsenen beobachtet, aber er wird nun auch zu einem zunehmenden Problem bei jungen Menschen.3 Die Inzidenz (Häufigkeit) der Neuerkrankungen bei Menschen unter 20 Jahren in den Jahren 2002 – 2003 betrug 5,3 pro 100.000.4

Diabetes – Erkrankung mit großen Herausforderungen 

Prävalenz3
Schätzungen zufolge sind 2010 weltweit 285 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt – für das Jahr 2030 rechnet man mit 438 Millionen Diabetikern.

In Europa geht man für das Jahr 2010 von 55,2 Millionen Erwachsenen mit Diabetes aus, entsprechend 8,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung; allerdings variieren die nationalen Prävalenzraten beträchtlich, von 2,1 Prozent in Island bis 12,0 Prozent in Deutschland.

Ökonomische Auswirkungen3
Die hohe Prävalenz des Diabetes in der erwachsenen Bevölkerung Europas resultiert zum großen Teil aus der demografischen Entwicklung: 2010 ist ein Drittel der Menschen über 50 Jahre alt; dieser Anteil wird schätzungsweise bis 2030 auf über 40 Prozent ansteigen, wodurch es zu einer zunehmenden finanziellen Belastung der arbeitenden Bevölkerung kommt, deren Anteil wiederum stetig sinkt.

Regionale Schätzungen für Diabetes (20-79 Jahre), 2010 und 2030, IDF11

 

2010

2030

2010/ 2030

 

Bevöl-
kerung

(20-79 J.)

Anzahl Menschen
mit Diabetes

Verbrei-
tung Diabetes
(im Vgl.)

Bevöl-
kerung

(20-79 J.)

Anzahl Menschen mit Diabetes

Verbrei-
tung Diabetes
(im Vgl.)

Anstieg Diabetes-
Fälle
(im Vgl.)

Region

Mio 

Mio 

%

Mio

Mio

%

%

NAC

320

37,4

10,2

390

53,2

12,1

42,4

MENA

344

26,6

9,3

533

51,7

10,8

93,9

SEA

838

58,7

7,6

1.200

101,0

9,1

72,1

EUR

646

55,2

6,9

659

66,2

8,1

20

SACA

287

18,0

6,6

382

29,6

7,8

65,1

WP

1.531

76,7

4,7

1.722

112,8

5,7

47

AFR

379

12,1

3,8

653

23,9

4,7

98,1

Gesamt

4.345

284,6

6,4

5.589

438,4

7,7

54

 

AFR- Afrika, EUR – Europa, MENA – Mittlerer Osten und Nordafrika,
NAC – Nordamerika und Karibik, SACA – Süd- und Zentralamerika, SEA – Süd-Ost-Asien, WP – West-Pazifik

*Die vergleichenden Häufigkeitsangaben wurden gemäß der Annahme errechnet, dass die Bevölkerung in jedem Land und jeder Region den gleichen Altersdurchschnitt aufweist (Altersprofil der Weltbevölkerung). Dies Vergleichbarkeit der Daten wird durch die Aufhebung regionaler und landesspezifischer Altersunterschiede möglich. Die Daten sollten nicht für eine Berechnung der Gesamtzahl der Menschen mit Diabetes innerhalb eines Landes herangezogen werden.

 
Management des Typ-1-Diabetes 
Typ-1-Diabetiker müssen täglich Insulin spritzen, in der Regel als Basal-Bolus-Therapieschema. Ein solches Schema besteht aus Mahlzeiten-Dosen (Bolus) eines schnellwirksamen Insulins, um die natürliche Schwankung der Insulinkonzentration nach dem Essen zu kompensieren, und eines langwirksamen Basalinsulins, das die natürlich auftretenden Insulinschwankungen kompensiert. Die Basal-Bolus-Therapie ahmt die physiologische Insulinsekretion nach, wie sie bei Menschen ohne Diabetes vorhanden ist.

Management des Typ-2-Diabetes  
Nach den jüngsten Empfehlungen der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD)5 sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes zunächst ihre Lebensgewohnheiten anpassen (gesunde Ernährung sowie Sport und Bewegung) und mit der Einnahme oraler Antidiabetika (Tabletten) beginnen, bevor sie bei sich verschlechternder Blutzuckereinstellung auf weitere orale Antidiabetika und eine Insulintherapie umgestellt werden.

Ziele bei der Blutzuckereinstellung
Ziel des Diabetes-Managements ist es, die Glukosekonzentration im Blut zu senken, um die Entwicklung mikro- und makrovaskulären Folgeerkrankungen des Diabetes aufzuhalten. Der Langzeitblutzuckerwert wird durch Messung des glykosylierten Hämoglobins (HbA1c) ermittelt. Dieser Wert sollte alle drei Monate bestimmt werden.6 Er spiegelt den durchschnittlichen Blutzuckerwert der letzten acht bis zwölf Wochen wider und ist eine wichtige Kenngröße dafür, wie gut ein Diabetiker seinen
Stoffwechsel im Griff hat. Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollte der HbA1c – Wert immer unter sieben Prozent liegen. Die Ergebnisse einer der größten Untersuchungen (UKPDS) 7 zur Therapie des Typ-2-Diabetes zeigen, dass jede Senkung des
HbA1c-Wertes das Risiko für Spätfolgen deutlich verringert.

Literatur/Quellenangaben 

  1. International Diabetes Federation 2003 Diabetes and Kidney Disease: Time to Act. Your Guide to Diabetes and Kidney Disease. Verfügbar unter:
    http://www.idf.org/webdata/docs/Guide_Diabetes_Kidney.pdf Datum des Abrufs: August 2010
  2.  World Health Organization, Fact sheet No 312, November 2009.
  3. International Diabetes Federation, IDF atlas. Verfügbar unter: http://www.diabetesatlas.org/. Datum des Abrufs: 08.05.2010
  4. National Diabetes Statistics 2007. Verfügbar unter: http://diabetes.niddk.nih.gov/dm/pubs/statistics/. Datum des Abrufs: August 2010
  5. Nathan DM, Buse JB, Davidson MB, et al. Diabetes Care. 2008;31(12):1-11.(6)      Clinical Guideline Task Force, Global Guidelines for Type 2 diabetes, International Diabetes Federation, 2005.
  6. UKPDS = United Kingdom Prospective Diabetes Study, Holman RR et al. 10-Year Follow-Up of Intensive Glucose Control in Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2008; 359: 577-89.
  7. International Diabetes Federation, IDF atlas. Available at: http://www.diabetesatlas.org/content/eur-data. Date accessed January 2011.
  8. International Diabetes Federation, IDF atlas. Available at: http://www.diabetesatlas.com/content/prevalence-estimates-diabetes-mellitus-dm-2010. Date accessed January 2011.
  9. International Diabetes Federation. The Diabetes Atlas. Third Edition. Brussels: International Diabetes Federation; 2006
  10. International Diabetes Federation, IDF atlas. Available at: http://atlas.idf-bxl.org/content/regional-overview.
    Date accessed January 2011.

 

Veranstaltung:
A STAR IS BORN – Inspiration Mensch – Innovation Technik
06.04.2011, Hamburg
Veranstalter: Sanof-Aventis

Vortäge

  • Innovation bei der Bluzuckermessung – Was verbessert sich für Menschen mit Diabetes?
    Evelyn Drobinsk
    Diabetesberaterin und Vorsitzende des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V
    Wensin/Garbeck
  • Mein Diabetes-Management: Wie lebe und messe ich im Zeitalter des 21. Jahrhunderts?
    Daniel Schnelting
    200m-Sprinter, Diabetiker, Verein LAZ Rhede
  • Blutzuckermessung im Rahmen eines modernen Diabetesmanagements
    Prof. Dr. med. Thomas Haak
    Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) 
    Chefarzt im Diabetes Zentrum Bad Mergentheim

idw 2011/04