Schülerlabor als Erfolgsmodell

Schülerlabor als Erfolgsmodell

Als das Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin (RVZ) im Juli 2008 zum ersten Mal knapp 30 Zehntklässler in seinen Laboren begrüßte, konnte niemand ahnen, dass dies das erste Kapitel einer beachtlichen Erfolgsstory sein würde. Seitdem haben 5.592 Schülerinnen und Schüler von 33 Schulen das Angebot wahrgenommen, in aktuelle Forschungsthemen aus Biologie, Biochemie und Biomedizin hineinzuschnuppern.
Im Fokus des Schülerlabors steht seit jeher die Praxis: Nach einer halbstündigen Einführung in die Thematik und einer kurzen Sicherheitsbelehrung legen die Schüler direkt los und führen bis zum Nachmittag Laborversuche durch. Zum Abschluss stellen sie ihre Ergebnisse vor und diskutieren diese in der Gruppe.

Mit dem Programm „Virchowlab“ haben die Veranstalter augenscheinlich einen Nerv getroffen: „Uns erreichen immer mehr Anfragen aus der Region. Manche Schulklassen, zum Beispiel aus Nürnberg oder Aschaffenburg, nehmen Anfahrten von einer Stunde und mehr in Kauf, um das Angebot wahrzunehmen. Oft sind wir mindestens ein Jahr im Voraus ausgebucht“, sagt die Leiterin des Public Science Center am RVZ, Dr. Daniela Diefenbacher. „In unseren Labors können sie Geräte und Techniken ausprobieren, die in der Schule in der Regel nicht zur Verfügung stehen.“

Crime Time an der Uni

Die Leiterin des Schülerlabors, Katja Weichbrodt, bemüht sich stets um aktuelle Fragestellungen. So können die Teilnehmer etwa genetische Fingerabdrücke ermitteln, um einem fiktiven Verbrecher auf die Spur zu kommen (Modul CSI Würzburg). Sie isolieren das grün fluoreszierende Protein aus Bakterien (Modul Grünes Licht für Bakterien) – eine Methode, die einen detaillierten Einblick in die Biochemie von Zellen erlaubt und die heute zum Standardrepertoire der Molekularbiologen zählt. Oder sie testen mit einem weiteren Standardverfahren, dem ELISA-Test, wie sich Krankheiten ausbreiten und welche Hygienemaßnahmen dagegen helfen (Modul Infektionskrankheiten).

Initiiert wurde das Konzept vom Public Science Center des Rudolf-Virchow-Zentrums. Das Center will der Öffentlichkeit die Forschungsschwerpunkte des Zentrums näher bringen. Um bereits Kinder und Jugendliche für die Wissenschaft zu begeistern, bietet das Public Science Center unter anderem das Schülerlabor an – von der Grundschule bis hin zur gymnasialen Oberstufe. Zu Beginn wurde das Virchowlab von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Nach Beendigung der Förderung beschloss das Public Science Center, das Format beizubehalten, auch aufgrund der steigenden Nachfrage.

Die Veranstalter verstehen ihr Engagement auch als Investition in die Zukunft: „Die Biowissenschaften entwickeln sich rasant weiter“, erklärt Diefenbacher. Ein Beispiel sei etwa die CRISPR/Cas-Methode, mit der sich Organismen sehr gezielt genetisch verändern lassen. Wer mitreden sowie Chancen und Risiken derartiger Trends richtig einschätzen wolle, brauche dazu aktuelles und umfassendes Hintergrundwissen. „Das Virchowlab vermittelt einen realistischen Einblick in solche wichtigen Zukunftsthemen“, betont Diefenbacher. „Das ist gerade auch in Zeiten von Fake-News ein bedeutendes Anliegen.“

Virchowlab

Das Virchowlab will Schulen in der naturwissenschaftlichen Ausbildung unterstützen und durch lehrplanvertiefendes Experimentieren das Interesse an Naturwissenschaften fördern. Neben dem Experimentieren werden auch Diskussionen oder interdisziplinäre Fähigkeiten gefördert, so wird zum Beispiel über die ethische Vertretbarkeit von gentechnischen Versuchen diskutiert. Geeignet ist das Virchowlab für die 9. bis 11. Schulklasse (Mittelstufe und Oberstufe). Seit zehn Jahren leitet Katja Weichbrodt die Programme des Schülerlabors.

Public Science Center

Das Public Science Center ist ein eigener Bereich für Öffentlichkeitsarbeit am Rudolf-Virchow-Zentrum, der sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft einsetzt.

Im Schülerlabor werden regelmäßig verschiedene Projekte angeboten, bei denen Schüler und Schülerinnen Wissenschaft aus erster Hand kennen lernen können. Erwachsene können sich bei Diskussionsveranstaltungen, Vorträgen oder Ausstellungen ein Bild von der aktuellen Forschung des Rudolf-Virchow-Zentrums machen. Das Center ist auch eine Schnittstelle zwischen Wissenschaftlern und Journalisten.

Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin

Das Rudolf-Virchow-Zentrum gehört als zentrale Einrichtung zur Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die Forschungsgruppen arbeiten auf dem Gebiet der Schlüsselproteine, die für die Funktion von Zellen und damit für Gesundheit und Krankheit besonders wichtig sind.

Webpage: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/public-science-center/schuelerlabor/virchowlab/

Kontakt

Dr. Daniela Diefenbacher (Leiterin Public Science Center, Rudolf-Virchow-Zentrum), T.: 0931 3188631, daniela.diefenbacher@uni-wuerzburg.de

idw 2018/08