Cannabis bei Schmerzpatienten – Wirkungen und Risiken

Cannabis bei Schmerzpatienten – Wirkungen und Risiken

Seit letztem Jahr gilt Cannabis nun auch hierzulande als anerkanntes Heilmittel, welches über die Apotheke einfach und legal zu beschaffen ist und das über die Krankenkassen abgerechnet werden darf. Trotzdem gehen die Meinungen zur Droge gegen Schmerzen weit auseinander. Manche Ärzte, vor allem aber die rigorosen Drogengegner in der Gesellschaft, weisen auf die Gefahren der enthaltenen Substanzen hin und warnen vor Abhängigkeit und Legalisierung einer bekannten Einstiegsdroge. Ganz Unrecht mögen sie nicht haben, doch die Wirksamkeit bei chronischen Schmerzpatienten ist unbestreitbar.

Cannabis ist seit Jahrtausenden in medizinischer Anwendung

Die Anwendung von Cannabis als Heilmittel ist gewiss nicht neu. Archäologische Funde belegen die Nutzung der Pflanzensamen bereits vor vielen tausend Jahren. Historisch dokumentiert ist Cannabis durch chinesische, griechische und römische und später auch arabische Schriften, wonach die Wirkstoffe gegen vielfältige Übel helfen sollten. Noch im 19. Jahrhundert war Cannabis in den USA ein wichtiger Inhaltsstoff in einem populären Schlafmittel und wurde erst im 20. Jahrhundert durch moderne Arzneien abgelöst. Gleichzeitig erkannte man die psychotrope Wirkung der Pflanze und so wurde Cannabis in den meisten Teilen der Welt verboten. Eine Wiederentdeckung als Heilmittel erfolgte erst vor wenigen Jahrzehnten und kulminierte in der Legalisierung unter strengen Auflagen in diversen Ländern wie Deutschland, den USA und zuletzt Kanada.

THC und CBD als schmerzlindernde Substanzen

Als wichtigster und bekanntester Bestandteil von Cannabis galt lange Zeit THC – Tetrahydrocannabinol. Dieser Stoff wirkt stark psychoaktiv und ist hauptverantwortlich für den Rauschzustand, den viele illegale Konsumenten von Marijuana oder Haschisch anstreben. Obwohl THC durchaus auch schmerzlindernd wirken kann, ist es dennoch eine Reihe von anderen Substanzen, die Cannabis für die Schmerzforschung interessant machte. Allen voran sei CBD (Cannabidiol) genannt. CBD wurde in vielfältigen Studien eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkungnachgewiesen. Ferner ist es wirksam gegen das Wachstum von Tumorzellen, bei Arteriosklerose sowie bei Muskelkrämpfen und Schuppenflechte. Weitere medizinisch interessante Inhaltsstoffe sind Cannabigerol, Cannabinol und Cannabichromen sowie einige weitere mehr.

Gefahren von THC – Abhängigkeit und akute Rauschwirkung

Die medizinisch vielversprechende Wirksamkeit von Cannabis dürfte kaum dazu führen, die negativen Aspekte der Droge zu vernachlässigen. Zu eindeutig ist belegt, dass der regelmäßige Konsum von Cannabis psychisch abhängig macht. Zudem können akute Psychosen und Angstzustände ausgelöst werden. Diese können vor allem fatale indirekte Folgen haben – etwa wenn jemand im Rausch ein Fahrzeug führt oder sich selbst und andere durch unkontrolliertes Handeln in Gefahr bringt. Der Einwand, dies gelte auch für Alkohol, ist jedoch nicht unberechtigt. Medizinische Produkte mit Cannabis-Wirkstoffen enthalten daher viel weniger THC und sind genauer dosierbar, was einen Missbrauch dieser Arzneien unwahrscheinlicher macht. Zudem stellt sich natürlich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Der Rausch des Cannabis als Medikament ist kaum mehr als eine Nebenwirkung, die von einem chronischen Schmerzpatienten oder gar einem Krebsleidenden wahrscheinlich eher dankbar in Kauf genommen wird.

Das Gesetz von 2017, seine Folgen und Möglichkeiten

Mit dem Gesetz, Cannabis als Medizin anzuerkennen, ist ein wichtiger Schritt in der Palliativmedizin getan worden, wie auch das Bundesgesundheitsministerium betont. Einerseits kann schwerkranken Menschen effektiv geholfen werden, die sonst kaum Hoffnung auf Linderung ihrer Schmerzen hatten. Zum anderen kann sich auch die Forschung besser einem Thema widmen, wenn diesem kein kriminelles Stigma anhaftet. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die neue Gesetzschreibung einen erkennbaren Effekt auf den bisherigen illegalen Drogenkonsum hat, denn im Großen und Ganzen bleibt Cannabis nach wie vor eine illegale Droge. Es ist aber auch anzumerken, dass Cannabis kein Allheilmittel für die Schmerzbekämpfung ist, sondern bestenfalls eine Ergänzung und Alternative. Die Wirkeffekte sind nach wie vor beinahe unerforscht und natürlich fehlen momentan auch noch aussagekräftige Langzeitstudien. Trotzdem ist mit der medizinischen Legalisierung von Cannabis ein wichtiger Schritt getan, um das Potential dieser Jahrtausende lang verwendeten Pflanze auch im 21. Jahrhundert nutzen zu können.

D.L.