Wie Naturstoffe die Wirkstoffforschung inspirieren

Wie Naturstoffe die Wirkstoffforschung inspirieren

Die Natur liefert die besten Vorbilder: Das Blatt der Lotuspflanze inspiriert selbstreinigende Oberflächen, Ratten können fast senkrecht die Wände hinauflaufen und sind dadurch beste Vorbilder für Kletterroboter und fast niemand heilt Krankheiten so gut wie der Garten von Mutter Natur. Wie aufwändig es jedoch ist, aus Naturstoffen heilsame Wirkstoffe, gar Medikamente herzustellen, darüber wird Prof. Dr. Dr. h. c. Herbert Waldmann am Mittwoch (20.06.) im Zeiss-Planetarium (Am Planetarium 5) in Jena sprechen. Waldmanns öffentlicher Vortrag „Wie Naturstoffe die Wirkstoffforschung inspirieren“ findet im Rahmen des Ernst-Abbe-Kolloquiums statt, das von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Ernst-Abbe-Stiftung ausgerichtet wird. Das Kolloquium beginnt um 17.00 Uhr, der Eintritt ist frei.

Um neue Medikamente nach dem Vorbild der Natur entwickeln zu können, müssen nicht nur die passenden Naturstoffe entdeckt, sondern auch deren einzelne Substanzen und ihr Zusammenspiel analysiert werden. Und nicht zuletzt müssen die Naturstoffe in ausreichender Menge produziert werden können. „Aufgrund ihrer oft komplexen Struktur sind sie aber meist aufwändig und schwer herzustellen, und Naturstoffe sind in vielen Fällen nur in geringen Mengen verfügbar. Daher sind Naturstoffe heute aus dem Fokus der Wirkstoffentwicklung gerückt“, erläutert Waldmann, der Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und zugleich Professor für Biochemie an der TU Dortmund ist. Daraus ergibt sich die fundamentale Frage, ob die Strukturelemente von Naturstoffen in strukturell einfachere und damit chemisch besser herzustellende und immer noch biologisch aktive Substanzklassen übersetzt werden können.

In seinem Jenaer Vortrag wird der vielfach ausgezeichnete Dortmunder Chemiker die „Biologie-orientierte Synthese“ und deren Evolution zum Prinzip der „Pseudo-Naturstoffe“ als grundlegende Ansätze zur Vereinfachung der Naturstoffstruktur beschreiben. Waldmann ist davon überzeugt, dass „nach diesen Prinzipien hergestellte naturstoffinspirierte Substanzkollektionen und die Identifizierung der biologischen Angriffspunkte der aktiven Substanzen die innovative Kraft dieser fundamentalen Prinzipien für die chemische Biologie und die Wirkstoffforschung belegen“.

Darüber und über sich daraus ergebende Fragen wird Prof. Waldmann im Anschluss an den Vortrag auch in der bewährten Art des Abbe-Kolloquiums mit dem Publikum diskutieren.

idw 2018/06