Fragen, mit denen sich jetzt (24.9.) ein Symposium beschäftigte, das vom Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) und der Hochschule für Gesundheit (hsg) auf dem neuen Gesundheitscampus in Bochum ausgerichtet wurde. Die Tagung stand ganz im Zeichen des interdisziplinären Austauschs und der Kooperation, wie IAT-Direktor Prof. Dr. Josef Hilbert und Prof. Dr. Katrin Janhsen, hsg-Department of Community Health, bei der Begrüßung der rund 130 Teilnehmenden aus Wissenschaft und Praxis hervorhoben.

Von den ca. 39 Millionen Wohnungen in Deutschland sind bisher 530 000 altengerecht umgebaut, 1,5 bis 2,5 Millionen würden aber benötigt, so der Architekt Eckhard Feddersen. Er plädierte für ein pragmatisches Herangehen an den Rückstau und Öffnungsklauseln in den Baugesetzen, „Kann“- statt „Muss-Bestimmungen“. Mit den Baubehörden müsse innerhalb einer Bandbreite verhandelt werden können, „denn sonst rennen wir mit den Umbauten in Kosten, die wir uns nie leisten können!“

Dr. Wolfgang Deiters vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST, Dortmund, zeigte auf, dass technische Assistenzsysteme nicht nur „Technikspielzeug“ seien, sondern vielmehr einen sinnvollen Beitrag für das Wohnen im Alter leisten könnten. Viele Ältere hätten keine Probleme mit Technik, Computern und Tablets. Die Entwicklung müsse aber weg von der Technikzentrierung hin zum Aufbau von Sozialstrukturen führen, in denen Technik als Hilfsmittel eingesetzt werden kann.

Wie Kommunen mit altersgerechter Gestaltung des Wohnumfelds eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung voranbringen können, beschrieb Dr. Heike Köckler von der Fakultät für Raumplanung, TU Dortmund. Etwa mit dem „Fachplan Gesundheit“ können gesundheits- und altersbezogene Inhalte räumlich aufbereitet werden. Wichtig sei dabei, die Teilhabe Älterer an der Stadtentwicklung zu fördern, z.B. bei Stadtspaziergängen mit den Betroffenen die Bedarfe im Wohnumfeld festzustellen. Der Architekt Norbert Post kritisierte, dass der Wohnungsmarkt in Deutschland weitgehend auf Lebensphasen ausgelegt sei, etwa Einfamilienhäuser für die Familienzeit, die im Alter dann zu groß sind. Am Beispiel von Wohnprojekten aus Dortmund zeigte er auf, wie gemeinschaftliches Planen und Bauen mit und für mehrere Generationen möglich ist, die „Begegnung von Alt und Junge wieder erlebbar“ wird.

Torsten Bölting, InWIS Forschung & Beratung, verwies auf die Probleme, eine altengerechte Quartiersentwicklung voranzubringen. Alle müssten eingebunden werden, neben Architekten und Wohnungswirtschaft auch Wohlfahrtsverbände, Pflegedienste und Krankenkassen. „Alleine klappt es nicht!“ Die Kommunen könnten in diesem Prozess die Moderation übernehmen.

Mit Blick auf die Wohnungswirtschaft hob hwg-Vorstand Dr. David Wilde hervor, dass Genossenschaften auf Grund geringerer Renditeerwartungen bei der Schaffung von barrierearmen Wohnung vorbildhaft den Bestand sanieren. Aber „das Verhältnis von Rendite und Sozialem muss stimmen, auch eine Genossenschaft muss betriebswirtschaftlich überleben“. Niedrige Einkommen – und damit auch niedrige Renten – sind insbesondere in Ruhrgebietsstädten das Problem. „Die technischen Anforderungen steigen immer weiter, der Verbraucher muss das bezahlen können, wir brauchen Kompromisse“, so der Gelsenkirchener Architekt Dr. Christian Schramm. Thomas Risse vom Beratungsunternehmen Konkret Consult Ruhr, Gelsenkirchen, verwies darauf, dass die unterschiedlichen Gesetze, Vorschriften und Zuständigkeiten von Prüfbehörden bis zu Kostenträgern „die Dinge so kompliziert machen, dass sie keiner alleine stemmen kann“.

Neben der Bezahlbarkeit und der Vernetzung unterschiedlicher Institutionen ist das Planen von Gebäuden und Quartieren unter Einbeziehung der Bewohner/innen ein wichtiges Thema, da auf diese Weise eine hohe Zufriedenheit, geringe Fluktuation und somit langfristige und zuverlässige Unterstützungsnetzwerke in der Nachbarschaft geschaffen werden, wie der IAT-Forscher und Tagungsorganisator Tim Stegmann zusammenfassend feststellte.

Lichtblick im Revier: Es gibt zwar viele Probleme beim Umbau im Bestand und beim altengerechten Neubau, es gibt aber auch Wohnprojekte, die dank gemeinsamer Anstrengungen beispielhaft ins Quartier eingebunden sind, und „es gibt hier noch sehr viel zu tun!“

Ihre Ansprechpartner:
Tim Stegmann, Tel.: 0209/1707-116, stegmann@iat.eu; Prof. Dr. Josef Hilbert, Tel.: 0209/1707-120, hilbert@iat.eu