In den meisten Fällen treten Beschädigungen an den Herzklappen als Verschleißerscheinung bei älteren Menschen auf. Bei jungen Leuten sind sie eher selten. „Grundsätzlich ist ein Klappenfehler ein mechanisches Problem, bei dem Medikamente nicht weiterhelfen“, erläutert Oberarzt Dr. André Renner, Herz- und Thoraxchirurg der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Gummert. Bei Daniele führte die Undichtigkeit ihrer Mitralklappe dazu, dass ein Teil des Blutes in die falsche Richtung floss, nämlich aus der linken Herzkammer zurück in den linken Vorhof des Herzens. Die Folge: Atemnot und Herzrasen, die plötzlich auftreten und starke Beschwerden verursachen können. Vermutlich ist die Undichtigkeit in Folge einer Entzündung aufgetreten.

Die 2-Millionen-Stadt Fortaleza ist ein beliebtes Kreuzfahrtziel im Norden Brasiliens. Sie ist die Heimatstadt von Daniele Fernandes dos Santos. Die 27-jährige Brasilianerin hat vor kurzem ihr Studium der Sozialwissenschaften abgeschlossen und absolviert gerade ein freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland (Bielefeld). Eher unfreiwillig erfolgte dagegen ihre Aufnahme im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen: Ihre Herzklappe war defekt.

Reparatur oder Ersatz?

Einem erfahrenen Chirurgen stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um eine schwer beschädigte Herzklappe wieder in Form und Funktion zu bringen. Bei schwierigen Defekten ist eine Reparatur der Klappe die anspruchsvollste Lösung. „Für mich war es aber auch die beste“, betont Daniele. Ihre große Angst vor einer hässlichen Narbe konnte Dr. Renner ihr nehmen: „Bei minimalinvasiven Eingriffen wird nur ein kleiner Schnitt an der Seite vorgenommen, davon ist später so gut wie gar nichts zu sehen.“

Für junge Frauen hat eine Herzklappenrekonstruktion aber auch den großen Vorteil, dass einer späteren Schwangerschaft nichts im Wege steht. Auch wenn die Studentin zur Zeit mehr an die Karriere als an Familienplanung denkt, ist sie froh, dass ihr nach dem erfolgreichen Eingriff die Zukunft alle Wünsche offen hält. Was wäre die Alternative gewesen?

„Ist eine Reparatur der Herzklappe nicht möglich, dann muss die defekte Klappe ersetzt werden“, erläutert Renner. In Frage kommen mechanische oder biologische Herzklappen. Die Nachteile: Biologische Herzklappen können sich bei jüngeren Patienten bis zum Funktionsverlust verändern und eine zweite Herzklappenoperation wird nötig. Allerdings stellt der biologische Ersatz die beste Alternative für junge Frauen mit Schwangerschaftswunsch dar. Mit einem mechanischen Herzklappenersatz müssen lebenslang gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden. Sie verhindern, dass sich an der künstlichen Klappe Blutgerinnsel bilden. Unter dieser Therapie ist das Risiko für schwere Komplikationen und Sterblichkeit während der Schwangerschaft und bei der Geburt für Mutter und Baby deutlich erhöht.

Mehr als 230 Mitralklappenrekonstruktionen wurden im vergangenen Jahr im HDZ NRW durchgeführt, die Qualitätsrate in Prof. Gummerts Klinik liegt dabei weit über dem Bundesdurchschnitt. Das hat Daniele zwar erst nach ihrer Operation erfahren, aber sie ist froh, noch dazu in einer Einrichtung behandelt worden zu sein, die auf minimalinvasive Herzchirurgie spezialisiert ist. Vorerst will sie in Ostwestfalen bleiben: Nach Abschluss ihres Freiwilligenjahres ist ein Masterstudium in Bielefeld geplant.

Hintergrundinformation:

Herzklappenrekonstruktion
In unserer Klinik erfolgt die Mitralklappenrekonstruktion fast ausschließlich als minimalinvasiver Eingriff. Dabei ist der Hautschnitt kleiner (4 – 7 Zentimeter) und die Öffnung des Brustkorbs erfolgt unterhalb der Brust auf der rechten Seite, sodass das die Stabilität des Brustkorbs erhalten bleibt. Die Patienten erholen sich nach der Operation meist schneller.

Herzklappenersatz
Mechanische Herzklappen: Die heute verfügbaren mechanischen Herzklappen werden aus speziellen Kunststoffen hergestellt und sind sehr gut haltbar. Die am häufigsten eingesetzten Modelle sind Kippscheibenprothesen und Doppelflügelklappen. Jeder Patient mit einer künstlichen Herzklappe muss lebenslang gerinnungshemmende Medikamente zur Verhinderung von Blutgerinnselbildung einnehmen.

Biologische Herzklappen: Als Alternative zu den mechanischen Herzklappen werden häufig biologische Klappen eingesetzt. Sie haben den Vorteil, dass eine Gerinnungshemmung auf Dauer nicht notwendig ist (vorausgesetzt, dass kein Vorhofflimmern besteht), und dass sie geräuschlos sind. Biologische Klappen werden überwiegend aus tierischem Gewebe, d.h. aus (mit Glutaraldehyd behandelten) Schweineklappen oder Rinderherzbeuteln hergestellt.


Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon 15.000 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier Universitätskliniken und Institute seit 30 Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik und zugleich Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum.

In der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jan Gummert werden jährlich an die 4.000 Patienten am offenen Herzen und den herznahen Gefäßen operiert. Die Klinik ist deutschlandweit führend in den Bereichen Herzklappenoperationen, Herztransplantationen, Kunstherzimplantationen sowie Herzschrittmacher-/ ICD-Eingriffe. Seit 1989 wurden hier mehr als 3.000 Herzunterstützungssysteme implantiert. Mit 85 Herztransplantationen in 2014 (gesamt: über 2.100) ist die Klinik das bundesweit größte Herztransplantationszentrum. Zu den weiteren Schwerpunkten der Klinik zählen die minimalinvasive Klappenchirurgie und die Bypasschirurgie am schlagenden Herzen.

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