„Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat eine besondere Kompetenz in der Entzündungsforschung und in den Neurowissenschaften. Das wird durch den Dr. Martini-Preis eindrucksvoll unterstrichen: Die Preisträgerinnen und der Preisträger forschen am Hamburg Center for Inflammation, Infection and Immunity beziehungsweise am Hamburg Center of Neuroscience. Beide Forschungsschwerpunkte hat der Wissenschaftsrat als besonders zukunftsrelevant eingestuft. Ich gratuliere den Geehrten sehr herzlich!“, sagt Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg.

„Die wissenschaftliche Exzellenz der drei Preisarbeiten hat uns im besonderen Maße überzeugt. Sie zeigen in vorbildlicher Weise, wie Forschung zu verbesserter Behandlung oder neuartigen Therapieansätzen führen kann“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung. „Überdies möchten wir der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve unseren Dank aussprechen. Durch ihre großzügige Unterstützung wird die Würde dieses hochangesehenen Preises auch finanziell wieder sichtbar.“

Autoimmune Hepatitis: Verbesserte Behandlung durch klinische Forschung

Die autoimmune Hepatitis stellt eine relativ seltene, aber äußerst aggressive Lebererkrankung dar, die unbehandelt rasch zu einer Leberzirrhose und zum Tod führen kann. Rechtzeitig entdeckt, lässt sich die Krankheit sehr gut mit immunsuppressiven Medikamenten behandeln, die die Entzündung in der Leber unterdrücken. Die Arbeit von Dr. Johannes Hartl von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE liefert nun erstmals eine Entscheidungsgrundlage bei der bislang schwierig zu beantwortenden Frage, welcher Patient eine Dauertherapie benötigt oder bei wem die immunsuppressive Therapie erfolgreich beendet werden kann: Er entwickelte und validierte eine Methode, die Routine-Laborwerte neu bewertet und die verbliebene Krankheitsaktivitität genauer einschätzt. Dies hilft behandelnden Ärzten, das Rückfallrisiko von Patienten, und damit ihre Erfolgschancen auf ein Leben ohne Immunsuppressiva, sicherer zu bestimmen.

Gehirnentwicklung beim Embryo: Wie Neuronen wandern und ihren Platz finden

Die Großhirnrinde, oder Kortex, ist der Teil des Gehirns, mit dem Sinneseindrücke verarbeitet, Informationen gespeichert und Pläne entwickelt werden. Beim Menschen enthält der Kortex schätzungsweise 15 Milliarden Nervenzellen, so genannte Neurone, die sich während der embryonalen Gehirnentwicklung korrekt positionieren müssen. Dr. Xuejun Chai vom Institut für Strukturelle Neurobiologie des UKE ist den Mechanismen der neuronalen Wanderung nun einen wichtigen Schritt nähergekommen. Mittels innovativer Techniken, mit denen lebende Neuronen beim Wandern beobachtet werden können, gewann sie wichtige Erkenntnisse, wie das Eiweiß Reelin die Migration der Nervenzellen von ihrem Geburtsort zu ihrem endgültigen Bestimmungsort im Kortex steuert. Eine gestörte neuronale Wanderung wird im Zusammenhang mit Schizophrenie, Autismus oder auch Epilepsie diskutiert. Ihre Forschungsarbeit könnte neuartige Therapieansätze bei Krankheiten des Zentralnervensystems möglich machen, so die Hoffnung der Wissenschaftlerin.

Nierenerkrankungen: Erkenntnisse zum Ersatz filtrierender Podozyten

Im Glomerulus der Niere findet die Blutfiltration statt, der Primärharn entsteht. Eine Schlüsselrolle haben dabei so genannte Podozyten; Zellen, die mit ihren vielen Fortsätzen wie ein Sieb arbeiten und den Übertritt wichtiger Blutbestandteile in den Primärharn verhindern. Ein Verlust von über 20 Prozent der Podozyten im Rahmen glomerulärer Erkrankungen führt langfristig zu einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz. Priv.-Doz. Dr. Catherine Meyer-Schwesinger von der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE konnte in ihrer Arbeit erstmals einen molekularen Schalter demonstrieren, der ermöglicht, dass sich Parietalzellen, ein weiterer Zelltyp im Glomerulus, zu Podozyten umwandeln können. Mit ihren Erkenntnissen ist die Wissenschaftlerin neuen therapeutischen Konzepten, die die Regeneration von Podozyten unterstützen und den Verlust dieser Zellen bei glomerulären Erkrankungen der Niere unterbinden könnten, einen wichtigen Schritt näher gerückt.

Über die Dr. Martini-Stiftung

Die Dr. Martini-Stiftung wurde 1880 von Freunden und Kollegen des im gleichen Jahr verstorbenen Chirurgen Dr. Erich Martini ins Leben gerufen. Der Dr. Martini-Preis – Deutschlands ältester Medizinpreis – wird jedes Jahr am 12. Februar, dem Todestag des Mediziners, verliehen. In diesem Jahr wird der Preis erstmalig von der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve dotiert. Die Dotierung von insgesamt 10.000 Euro verteilt sich auf den ersten (5000 Euro) und den geteilten zweiten Platz (jeweils 2.500 Euro).

Kontakt:

Prof Dr. Ansgar W. Lohse
I. Medizinische Klinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-53910
E-Mail: a.lohse@uke.de

Dr. Johannes Hartl
I. Medizinische Klinik des UKE
Telefon: (040) 7410-56558
E-Mail: j.hartl@uke.de

Dr. Xuejun Chai
Institut für Strukturelle Neurobiologie des UKE
Telefon: (040) 7410-54283
E-Mail: xuejun.chai@zmnh.uni-hamburg.de

Priv.-Doz. Dr. Catherine Meyer-Schwesinger
III. Medizinische Klinik des UKE
Telefon: (040) 7410-51558
E-Mail: c.meyer-schwesinger@uke.de