Die Zahl der Sterbefälle durch Herzerkrankungen insgesamt hat leicht zugenommen. Wie in den Vorjahren sterben bei Betrachtung der Herzkrankheiten in der Summe mehr Frauen als Männer, wie der neue Deutsche Herzbericht 2015 () dokumentiert.
Auch dank des medizinischen Fortschritts in Diagnostik und Therapie hat sich in Deutschland zwar die Zahl der Sterbefälle durch Herzerkrankungen zwischen 1990 und 2013 deutlich um 17,2% verringert. So starben 1990 noch 85.625 Menschen am Herzinfarkt, im Jahr 2013 52.044. „Trotzdem haben wir es weiterhin jährlich mit über 338.000 Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun. Viele Sterbefälle durch Herzinfarkt, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen oder durch andere Herzkrankheiten könnten durch verbessertes Wissen über richtiges Notfallverhalten bei den Betroffenen, durch eine konsequentere Behandlung, durch Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige Blutdruckmessung sowie einen gesunden Lebensstil vermieden werden. Deswegen sind Anstrengungen in der Aufklärung über diese Themen unverzichtbar“, betont Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, bei der Vorstellung des neuen Herzberichts in Berlin. Der Bericht wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie (DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) alljährlich herausgegeben. Mit Hilfe dieses Herz-Reports, der wichtigsten und umfangreichsten Analyse der kardiologischen und herzchirurgischen Versorgung in Deutschland, lassen sich kritische Verläufe in der Häufigkeit und Sterblichkeit bestimmter Herzkrankheiten sowie Defizite in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung frühzeitig erkennen und korrigieren.

Frauen mit Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Klappenkrankheiten: ungünstigere Prognose als Männer

Anstiege in der Sterblichkeit zeigen sich besonders deutlich bei den Herzklappenkrankheiten, den Herzrhythmusstörungen und der koronaren Herzkrankheit, der Vorläuferkrankheit des Herzinfarkts. Zwischen 2011 und 2013 haben die Sterbefälle wegen Klappenkrankheiten um 15,3 % von 13.964 (2011) auf 15.889 (2013) zugenommen, bei den Herzrhythmusstörungen um 12,2 % von 23.677 (2011) auf 26.208 (2013) und bei der koronaren Herzkrankheit um 2,7 % von 127.101 (2011) auf 128.808 (2013) Sterbefälle.
Nach wie vor auffallend ist die deutlich höhere Sterblichkeit bei Frauen mit Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Klappenkrankheiten. So lag 2013 die Sterbeziffer (Gestorbene pro 100.000 Einwohner) bei Herzschwäche für Frauen 81,6 % über dem Wert der Männer (Frauen: 72,7; Männer: 40,0), 29.973 Frauen starben gegenüber 15.842 Männern. Bei den Herzrhythmusstörungen lag die Sterbeziffer der Frauen um 47 % höher. „Die ungünstigere Prognose für Frauen bei diesen Erkrankungen lässt sich nicht ohne weiteres erklären und bedarf genauer Analysen“, betont Prof. Meinertz. In Frage kommen Aspekte wie geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wirkung von Medikamenten aufgrund von Stoffwechselprozessen, unterschiedliche Anatomie, hormonelle Unterschiede oder auch psychosoziale Faktoren wie die gehäufte alleinstehende Existenz bei Frauen im hohen Alter.

Herzinfarktsterblichkeit: Weiterhin starkes regionales Gefälle, aber Rückgänge bei Sachsen-Anhalt und Brandenburg

Auch die zum Teil enormen regionalen Gefälle zwischen östlichen und westlichen Bundesländern in der Sterblichkeit an Herzkrankheiten bestehen fort. Beispiel Herzinfarktsterblichkeit: Sie ist am höchsten in Sachsen-Anhalt mit 99 (2012: 103) Gestorbenen pro 100.000 Einwohner (EW), in Brandenburg mit 98 (2012: 105) und in Sachsen mit 93 (2012: 94), während die niedrigsten Werte Schleswig-Holstein mit 43 (2012: 46), Hamburg mit 48 (2012: 52) und Baden-Württemberg mit 57 (2012: 60) Herzinfarkt-Sterbefällen pro 100.000 EW aufweisen. „Erfreulich sind leichte Rückgänge der Infarktsterblichkeit in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Was nicht sein darf ist, dass die Bundesländer mit der geringsten Kardiologendichte zugleich gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpfen wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern“, gibt Prof. Meinertz zu bedenken. „Besonders in den strukturschwachen Regionen mit einer niedrigen Ärztedichte sind Verbesserungen in der kardiologischen Versorgung etwa durch mehr ambulante Diagnostik oder Therapie ein möglicher Ansatz zur Senkung der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit.“ Zum Vergleich: In Thüringen mit der geringsten Versorgungsdichte entfiel auf 34.786 Einwohner ein Kardiologe, während in Bremen mit der höchsten Kardiologendichte auf 18.386 Einwohner ein Kardiologe kam.
Hinzu kommt die ungleiche Verbreitung der Herznotfallambulanzen (Chest Pain Units, CPU) zuungunsten strukturschwacher Regionen. CPUs sind für die Versorgung von Patienten mit Herzinfarkt und unklarem Brustschmerz wichtig. Thüringen und Sachsen-Anhalt haben mit zwei CPUs die geringste CPU-Dichte. „Speziell in Regionen mit hoher Infarktsterblichkeit müsste die Zahl der CPUs höher sein, um Herznotfallpatienten kürzere Versorgungswege zu bieten“, betont Prof. Meinertz.

Herzschwäche: Verzehnfachung der Krankenhausaufnahmen bei über 65-jährigen Patienten

Eine enorme Herausforderung für die Herzmedizin bleibt die Herzschwäche, die den häufigsten Grund für eine Krankenhausaufnahme in Deutschland mit über 396.000 Patienten pro Jahr darstellt. In der Regel kommt es erst durch eine Verschlimmerung der Krankheit zu einer Klinikeinweisung, häufig ausgelöst durch Fehler bei der Medikamenteneinnahme. „Noch genauer müssen wir auf die therapeutischen Bedürfnisse der über 65-jährigen Patienten mit Herzinsuffizienz schauen, da sich ab diesem Alter die Zahl der stationären Aufnahmen wegen Herzschwäche gegenüber jüngeren Patienten verzehnfacht.“ Hinzu kommt der Umstand, dass insgesamt mehr Frauen als Männer wegen Herzschwäche stationär behandelt werden müssen.

Weitere Informationen zum Deutschen Herzbericht 2015 unter:

Herzinfarkt-Risikotest (Wie gefährdet sind Sie?): Zur Bestimmung des Herzinfarkt-Risikos bietet die Deutsche Herzstiftung den kostenfreien Herzinfarkt-Risikotest online unter www.herzstiftung.de an. Der Risikotest kann auch als Faltblatt kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung angefordert werden unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter info@herzstiftung.de

Hinweis für Redaktionen:
Druckfähiges Bildmaterial zum Herzbericht erhalten Sie zum Download unter:
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(Bildnachweis: Deutsche Herzstiftung (Hg.)/Deutscher Herzbericht 2015)

1/2015

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