Für seine grundlegenden Arbeiten zu den molekularen Mechanismen von Lernen und Gedächtnis ist am 7. Januar 2010 Dr. Gerhard Schratt, Wissenschaftler am Institut für Anatomie der Universität Heidelberg, mit dem Siebeneicher-Forschungspreis ausgezeichnet worden, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Die Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Therapieansätze bei Hirnerkrankungen wie Autismus und Demenzerkrankungen beitragen.

Die Joachim Siebeneicher Stiftung, Hirschhorn, wurde 1974 von Dr. Joachim Siebeneicher und seiner Ehefrau Charlotte gegründet. Die Stiftung fördert unter anderem Projekte in der biomedizinischen Forschung, im öffentlichen Gesundheitswesen sowie in der Jugend- und Altenhilfe und vergibt den Forschungspreis alle zwei Jahre an exzellente Nachwuchs-Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Die Stiftung werde auch künftig ihr Engagement in Heidelberg, insbesondere im Bereich der Stammzellforschung fortsetzen, sagte der Vorsitzende Norbert Mahlke bei der Feierstunde im Rahmen der Preisverleihung in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Wissenschaftliche Ausbildung in Tübingen und an der Harvard Medical School

Dr. Gerhard Schratt leitet seit 2006 eine Juniorgruppe am Sonderforschungsbereich "Molekulare und zelluläre Grundlagen neuraler Entwicklungsprozesse" innerhalb des Interdisziplinären Zentrums für Neurowissenschaften (IZN). Sein Biochemiestudium und seine Promotion hat er mit Auszeichnung in Tübingen absolviert, bevor in das renommierte neurobiologische Labor von Professor Michael E. Greenberg an der Harvard Medical School wechselte – eine Schmiede für Nobelpreisträger, wie Professor Dr. Joachim Kirsch, Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Heidelberg, in seiner Laudatio anmerkte.

Das wichtigste Forschungsgebiet von Dr. Schratt sind winzige Moleküle, sogenannte Mikro-RNAs, die die Lern- und Gedächtnisprozesse im Gehirn beeinflussen: Sie steuern das Wachstum der Dornfortsätze, mit denen die Nervenzellen miteinander in Kontakt treten – und bestimmen so, wie intensiv die Nervenzellen untereinander "verschaltet" werden. mikroRNAs sind aber auch in anderen Zellen aktiv, und Störungen ihrer Funktion sind vermutlich die Ursache zahlreicher Krankheiten, von neurologischen Erkrankungen bis zu Krebs.

Mehr als hundert Milliarden Nervenzellen sind im Gehirn eines Erwachsenen auf engstem Raum zusammengedrängt. Die korrekte Verschaltung dieser Nervenzellen ist maßgebend für kognitive Leistungen wie Lernen und Gedächtnis. Defekte in ihrer Verschaltung können zu einer Reihe neurologischer Krankheitsbilder führen, darunter Autismus, Epilepsie und Demenzerkrankungen.

"Unsere Forschung beschäftigt sich mit den molekularen Mechanismen, die für die Veränderung von Nervenkontaktstellen, der so genannten synaptischen Plastizität, verantwortlich sind und damit Lern- und Gedächtnisvorgänge beeinflussen", erklärt Gerhard Schratt. Seine Arbeiten haben bereits einen wichtigen Beitrag geleistet, um diese grundlegenden Vorgänge zu verstehen.

Weitere Informationen über das Institut für Anatomie der Universität Heidelberg:
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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

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(idw, 01/2010)