Seit 1994 macht der Welt-Alzheimertag darauf aufmerksam, dass die Alzheimer-Krankheit zu den folgenschwersten psychischen Störungen im Alter gehört. Die Krankheit verläuft schleichend, häufig kündigt sie sich mit Gedächtniseinbußen an. Die Betroffenen können sich schlechter konzentrieren und haben Mühe, die richtigen Worte zu finden. Im Laufe der Erkrankung kann die zeitliche und räumliche Orientierung nachlassen. Das Denkvermögen verlangsamt sich, die Fähigkeit zur Abstraktion geht verloren und auch die Handhabung von Gegenständen wird schwierig. Mit der Zeit sind viele der Betroffenen nicht mehr in der Lage, ihren Haushalt selbständig zu führen. Später können auch die einfachsten Tätigkeiten wie das Ankleiden nicht mehr allein verrichtet werden. Im Endstadium kommen Schwierigkeiten beim Schlucken, Gehen und Sitzen hinzu. Mit dem Verlust der kognitiven Fähigkeiten verändern sich bei den betroffenen Menschen auch deren Verhaltensweisen. Die Krankheit kann zu Begleitsymptomen wie Depression, Unruhe, Angst, Aggressivität, Sinnestäuschung und Schlafstörungen führen. Demenzkranke verstehen ihre Umgebung nicht mehr und können sich nicht mehr verständlich mitteilen.

Demenzerkrankungen wirken sich nicht nur schwerwiegend auf das Leben der Betroffenen aus, sie stellen auch die Gesundheits- und Sozialsysteme vor große Herausforderungen. „In den nächsten Jahrzehnten werden wir aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des demographischen Wandels mit immer mehr Betroffenen rechnen müssen“ erklärt die Demenzexpertin Professor Steffi Riedel-Heller, die Mitglied im Vorstand der DGPPN ist. Allerdings könnten machen Prognosen, die von einer Erhöhung um den Faktor drei ausgehen, eine Überschätzung sein. Denn neuste Studien weisen darauf hin, dass die altersspezifischen Neuerkrankungsraten zurückgehen; das heißt, dass heute weniger Menschen einer bestimmten Altersklasse an Demenz erkranken als dies vor zehn oder zwanzig Jahren der Fall war. „Weil wir aber immer älter werden und hochaltrige Menschen besonders häufig erkranken, wird die Zahl Demenzkranker trotzdem zunehmen. Unter Umständen müssen unsere Hochrechnungen etwas revidiert werden, aber Demenz wird ein zentrales Problem bleiben. Das Entscheidende ist dabei, dass diese Befunde zeigen, dass modifizierbare Lebensstilfaktoren offensichtlich eine wichtige Rolle spielen“, so Professor Riedel-Heller. Ein enger Zusammenhang besteht zum Beispiel zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz. So werden die bessere Behandlung von Bluthochdruck und ein gesünderer Lebensstil diskutiert. Diese Effekte wirken sich auch positiv auf das Gehirn aus. Aber keine Entwarnung: Aktuell günstige Entwicklungen können sich auch wieder umkehren, wenn zum Beispiel die Zahl der Diabetiker und Übergewichtigen weiter zunimmt. Beides sind Risikokonstellationen für die Entwicklung einer späteren Demenz.

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass bis zur Hälfte aller Demenzerkrankungen auf potenziell modifizierbare Risikofaktoren zurückführen sind. „Auch wenn diese Hochrechnungen unter Umständen zu ambitioniert ausfallen, machen sie deutlich, dass weitere Forschung zu modifizierbaren Risikofaktoren demenzieller Erkrankungen und deren Umsetzung in präventive Aktivitäten dringend notwendig sind. Die heute schon vorliegenden Ergebnisse sprechen dafür, die Chancen der Prävention zu nutzen und ihr den entsprechenden Stellenwert in Forschung und Praxis zuzuweisen. Der angekündigte Nationale Demenzplan muss hier unbedingt ein Zeichen setzen“, fordert DGPPN-Präsident Professor Wolfgang Maier. „Denn gleichzeitig muss die medizinische Versorgung von demenziell erkrankten Menschen optimiert werden. Ihre Versorgung gilt in Deutschland als eine vorwiegend pflegerische Aufgabe. Dabei offenbart die Versorgungsforschung, dass heute nur rund die Hälfte neuer Demenzerkrankungen überhaupt als solche erkannt wird. Kognitive Leistungsdiagnostik und bildgebende Verfahren kommen selten zum Einsatz. Nur ein Bruchteil der Demenzkranken erhält eine leitliniengerechte medikamentöse Behandlung. Dabei könnten demenziell erkrankte Menschen länger im häuslichen Umfeld leben, wenn sie adäquat medizinisch behandelt würden“, so Professor Maier weiter.

Demenzen und Multimorbidität gehören zu den Kernthemen des DGPPN Kongresses, der vom 26. bis 29. November 2014 in Berlin stattfindet. Journalistinnen und Journalisten können sich ab sofort für den Kongress registrieren und Interviews mit Experten vereinbaren. Weiter Informationen sind auf www.dgppn.de zu finden. .