Dr. Eugen Drewermann (70) hat sich in zahlreichen Werken mit dem Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften beschäftigt und Märchen wie auch Bibelstellen und literarische Texte tiefenpsychologisch gedeutet. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen dabei die urmenschlichen Erfahrungen von Angst und Vertrauen. In seinem Vortrag am Klinikum wird der bekannte Rhetoriker die beiden Grimmschen Märchen „Gevatter Tod“ und „Fundevogel“ interpretieren. In „Gevatter Tod“ erhält ein Kind die Gabe von seinem Paten, dem Tod, als Arzt Menschen zu heilen. Er wird erfolgreich und berühmt, bis er versucht den Tod auszutricksen und dafür mit seinem Leben bezahlt. Auf Grundlage des Märchens geht Drewermann auf die Rolle und das Selbstverständnis des Arztes in der heutigen Gesellschaft ein. In „Fundevogel“ thematisiert er die Angst vor dem Tod, die der Mensch nur durch stete Wandlung überwinden kann.

Drewermann wurde 1966 zum Priester geweiht. Wegen seiner kirchenkritischen Äußerungen in moraltheologischen Fragen und biblischen Interpretationen wurde er 1992 vom Priesteramt suspendiert und trat 2005 aus der katholischen Kirche aus. Inhaltlich beschäftigt sich Drewermann mit Themen wie Abtreibung, Wiederverheiratung Geschiedener, Sexualität, Friedenspolitik und Zölibat. Aufgrund seiner thematischen Schwerpunkte und seiner rhetorischen Fähigkeiten ist er ein gefragter Redner und Kommentator.

Die Ringvorlesung „Humanität in der Medizin“ wird bereits im zweiten Jahr von der Fakultät für Medizin der TU München und dem Roman-Herzog-Krebszentrum am Klinikum rechts der Isar veranstaltet. Sie beschäftigt sich mit dem Problem, dass die Medizin von fortschreitender Technisierung und Ökonomisierung bestimmt wird, während die menschliche Seite vernachlässigt wird. Der Mensch wird zum Objekt. Dies jedoch wird den Patienten nicht gerecht. Daher ist es wichtig, dass sich alle Mediziner immer wieder mit den Grundfragen menschlicher Existenz auseinandersetzen.