Das sogenannte Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) ist die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr jenseits der Neugeborenenphase. Jährlich versterben in Deutschland circa 400 Säuglinge an SID. Die genauen Ursachen sind bislang unbekannt. Professor Dr. med. Karl-Heinz Deeg, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche von der Sozialstiftung des Klinikums Bamberg, vermutet eine verminderte Blutversorgung im Hirnstamm als mögliche Ursache. Der Hirnstamm ist Sitz des Atemzentrums, das für den unwillkürlichen Atemantrieb verantwortlich ist. Die Blutversorgung erfolgt über Äste der Arteria basilaris. Laut Professor Deeg kann es bei einzelnen gefährdeten Kindern in dieser Arterie während Kopfrotation zu Durchblutungsstörungen kommen. Seit 1998 untersuchte er in Bamberg mehr als 18.000 Neugeborene mit einer sogenannten Doppler-Sonografie. Dabei wird mit einer über der Fontanelle des Babys aufgesetzten Ultraschallsonde Richtung und Geschwindigkeit der Blutbewegung in der Arteria basilaris gemessen.

„Durch ein dopplersonografisches Screeningprogramm der Hirnbasisarterien können Risikokinder erkannt und die Inzidenz von SIDS gesenkt werden“, sagt Professor Deeg. Bei den meisten Neugeborenen fließt das Blut in der Arteria basilaris ungehindert – unabhängig von der Lage. Bei 1,5 Prozent der Babys jedoch fließt es – verursacht etwa durch seitliches Drehen des Kopfes in Bauchlage – sehr langsam. Mitunter stockt bei ihnen sogar der Blutstrom oder fließt rückwärts. „Dies würde erklären, warum über 80 Prozent aller verstorbenen Kinder auf dem Bauch liegend gefunden werden“, so Professor Deeg. Die Bauchlage ist eine der wichtigsten Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Professor Deeg stellte bei insgesamt 213 Säuglingen eine Gefährdung fest. „Risikokinder mit krankhaftem Blutfluss überwachen wir mit einem Herzatemmonitor“, erläutert Professor Deeg. Keines dieser 213 gefährdeten Kinder starb am plötzlichen Kindstod. Der einzige Todesfall trat bei einem Kind auf, das laut Ultraschalluntersuchung nicht gefährdet war. In der Gesamtgruppe aller untersuchten Kinder war der plötzliche Kindstod trotz dieses Todesfalls deutlich seltener als in einer Kontrollgruppe von 3519 Kindern, die nicht untersucht wurden. Dort kam es zu vier plötzlichen Todesfällen.

Über neueste Erkenntnisse des medizinischen Ultraschalls in der Pädiatrie informiert Professor Deeg bei der Kongress-Pressekonferenz der DEGUM am Donnerstag, den 21. Oktober 2010, im Congress Centrum Mainz. Umfassende Kongressinformationen sowie Fortbildungsbeiträge und Expertenpodcasts zu den Themen des 34. Dreiländertreffens sind unter www.ultraschall2010.de abrufbar.

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Termin: Donnerstag, 21. Oktober 2010, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Congress Centrum Mainz, Dijonsaal, Rheinstraße 66, 55116 Mainz

Themen und Referenten:

34. Dreiländertreffen von DEGUM, ÖGUM und SGUM – Daten, Fakten und Highlights
Professor Dr. med. Eberhard Merz
Kongresspräsident und Vize-Präsident der DEGUM, Direktor der Frauenklinik Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main

Ultraschall in der Geburtshilfe – Fortschritte der Fehlbildungsdiagnostik im ersten Drittel der Schwangerschaft
Professor Dr. med. Eberhard Merz

Ultraschall in der Neurologie: Time is brain – Schlaganfallursachen schnell diagnostizieren und behandeln
Professor Dr. med. Christian Arning
Chefarzt der Abt. Neurologie, Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek

Der plötzliche Säuglingstod: Kann der Ultraschall Risikokinder identifizieren?
Professor Dr. med. Karl-Heinz Deeg
Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche der Sozialstiftung Klinikum Bamberg, Bamberg

Brustkrebs früh erkennen: Wie helfen neue Ultraschall-Verfahren?
Professor Dr. med. Helmut Madjar
Fachbereichsleiter Gynäkologie und Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Stiftung Deutsche Klinik für Diagnostik GmbH, Wiesbaden

Mit Kontrastmitteln Lebertumore noch sichtbarer machen: Neue Techniken der Kontrastverstärkten Sonografie
Dr. med. Hans-Peter Weskott
Vorstandsmitglied der DEGUM, Leiter Zentrale Sonografie Abteilung, Klinikum Siloah, Klinikum Region Hannover
(idw, 10/2010)