Auch viele Jahre nach einer Brustkrebsdiagnose und dem Entfernen des Primärtumors können sich noch Fernmetastasen im Körper ansiedeln. Vor allem Knochenmetastasen sind dann keine Seltenheit.

Für die Forschung auf diesem Gebiet erhielt jetzt der Leiterin des wissenschaftlichen Labors der Frauenklinik, Privatdozentin Dr. Sabine Kasimir-Bauer, von der Universität Duisburg Essen eine außerplanmäßige Professur. Der Schwerpunkt ihrer Forschungen liegt in der Suche nach sogenannten Tumorstammzellen, das heißt Tumorzellen, die die Fähigkeit zur Selbsterneuerung besitzen. Nur zwischen ein und fünf Prozent der Zellen im Tumor haben diesen Charakter und sind vermutlich für die Metastasenbildung verantwortlich. "Zentrales Anliegen ist es daher, diese Zellen im Blut beziehungsweise im Knochenmark zu identifizieren", erklärt Prof. Dr. Sabine Kasimir-Bauer und der Direktor der Uni-Frauenklinik ergänzt: "Um so spezifische Therapien genau gegen diese Zellen einsetzen zu können und dadurch eine Streuung des Tumors zu verhindern."

Schlafende Zellen überleben Chemotherapie

Erste Hinweise, dass solche Zellen im Blut von Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs vorhanden und mit einer ungünstigen Prognose verbunden sind, konnte jetzt Dr. Bahriye Aktas, Oberärztin der Frauenklinik in Zusammenarbeit mit der Inneren Klinik, zeigen. Die Daten wurden jetzt in einer renomierten internationalen Brustkrebszeitschrift veröffentlicht und beim Deutschen Brustkrebskongress als einer der besten Beiträge ausgezeichnet.

Das Forscherteam der Frauenklinik beschäftigt sich bereits seit Jahren mit einzelnen Tumorzellen, die bei Brustkrebs den Tumor frühzeitig verlassen, in das Knochenmark einwandern und dort als ‚dormant cells‘, so genannte ‚schlafende Zellen‘ lange Zeit verbleiben können. Besonders tückisch ist dabei, dass sie bei 15 Prozent der Patienten sogar eine Chemotherapie überleben, auch eine antihormonelle Therapie bleibt gegen diese Zellen oft erfolglos.

Erste gute Erfahrungen hat die Forschungsgruppe der Frauenklinik mit so genannten Bisphosphonaten gemacht, die normalerweise bei Osteoporose eingesetzt werden, weil sie dem Knochenabbau entgegenwirken. Die Studien der Frauenklinik haben gezeigt, dass die Bisphosphonate vermutlich bei einigen Patientinnen die ‚dormant cells‘ bei Brustkrebs "verhungern" lassen können."

Weitere Auszeichnungen der neuen Professorin
Prof. Dr. Kasimir-Bauer erhielt zusammen mit ihrer Kooperationspartnerin aus Tübingen, Frau Prof. Dr. Fehm, den sogenannten "Busenfreund Award 2009" – einen Preis von Patientinnen der größten Selbsthilfegruppe Brustkrebs in Deutschland für engagierte Brustkrebsforschung.

Von der amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung wurde Sie jetzt zum Vortrag nach Washington eingeladen, um die Forschungsarbeiten der Arbeitsgruppe zu präsentieren.

Nähere Information:

Prof. Rainer Kimmig, Leiter der Uni-Frauklinik, Tel.: 0201/723-2440, rainer.kimmig@uk-essen.de

Prof. Dr. Sabine Kasimir-Bauer, Tel.: 0201/723-2443, sabine.kasimir-bauer@uk-essen.de
(idw, 03/2010)