Bei dieser innovativen, erstmals in der Region angebotenen Therapie lernen die Kinder und Jugendlichen, ihre Gedanken gezielt einzusetzen, um sich besser zu konzentrieren und zu entspannen. Hierfür steht der Klinik ab sofort ein spezielles Gerät zur Verfügung, mit dem die Patienten ihre Hirnströme zum Steuern eines Computerspiels nutzen können.

Kinder mit ADHS zeigen wenig Ausdauer, sind leicht ablenkbar und emotional instabil. Spätestens in der Schule werden diese Symptome zu einem massiven Problem. Die Betroffenen können sich nicht in die Klasse integrieren, haben Probleme, sich auf den Unterricht zu konzentrieren und können sich deshalb auch die Inhalte der Schulstunden nicht merken. Grund dafür ist, dass die Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Abschnitten des Gehirns gestört ist. Dadurch arbeiten die für Motivation, Emotion und Bewegungsverhalten verantwortlichen Hirnregionen nicht zusammen. Die Palette der möglichen Behandlungen der ADH-Störung reicht von Medikamenten bis zu ergotherapeutischen, physiotherapeutischen und verhaltenstherapeutischen Behandlungsformen. Mit dem Neurofeedback erweitert sich das Spektrum um eine weitere Option. Dazu werden über ein Elektroencephalogramm (EEG) aufgefangene Hirnströme genutzt, um damit Computerspiele zu steuern. „Das funktioniert aber nur dann, wenn die Nervenzellen des Gehirns in einem bestimmten Rhythmus arbeiten. Im Zuge des Trainings lernen die Patienten deshalb, ihre Hirnströme so zu beeinflussen, dass sie auf einem Bildschirm zum Beispiel ein Flugzeug aufsteigen oder sinken lassen“, sagt Prof. Christian Beste. Diese antrainierte Fähigkeit hilft ihnen, ihre Aufmerksamkeit bewusst zu erhöhen. Indem sie an bestimmte Situationen oder Dinge denken, können sie sich besser konzentrieren oder auch entspannen. Dadurch kommen viele Patienten besser mit den Anforderungen des schulischen Alltags besser zurecht.

Ab März wird das „Neurofeedback“ als neue Therapieoption bei ADHS am Dresdner Uniklinikum angeboten und ist damit Vorreiter in der Region. Um die in ersten Studien bereits belegte Wirksamkeit der Trainingsmethode weiter wissenschaftlich zu erforschen, wird das Neurofeedback als klinisches Angebot der Forschungsabteilung „Kognitive Neurophysiologie“ der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Dresdner Uniklinikums etabliert. Denn bisher wird die Therapie von den Krankenkassen nicht übernommen. Im Rahmen der wissenschaftlichen Studien wird das Neurofeedback für die ADHS-Patienten kostenlos angeboten.

Verantwortlich für diese und weitere Forschungsprojekte ist Prof. Christian Beste, der im Oktober 2013 nach Dresden berufen wurde. Sein Fachgebiet sind die kognitiven Neurowissenschaften. Im Mittelpunkt dieses Forschungsbereichs stehen die Veränderungen von Aufmerksamkeits- und Handlungsprozessen, die bei psychiatrischen und neurologischen Störungen auftreten. Ziel der Forschungen von Prof. Beste ist, die neurobiologischen Mechanismen zu verstehen, die den Veränderungen in Aufmerksamkeits- und Handlungsprozessen zugrunde liegen. Einzelne seiner Projekte werden durch Drittmittel, wie dem prestigereichen Emmy-Noether Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), finanziert. Prof. Beste kombiniert dabei unterschiedliche neurowissenschaftliche Methoden wie das EEG und die strukturelle und die auf der Magnetresonanztomographie beruhenden funktionellen Bildgebung. Im Rahmen dieser Forschungen wurden bereits intensive Kooperationen innerhalb des Dresdner Uniklinikums aufgebaut. Partner sind unter anderem die Kliniken für Neurologie und Psychiatrie sowie die Abteilung Neuropädiatrie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Weiterhin bestehen intensive Forschungskooperationen mit dem Institut für Psychologie an der TU Dresden. „Ziel der Forschungen der Abteilung ‚Kognitive Neurophysiologie‘ ist es, Erkenntnisse der Grundlagenforschung langfristig in die klinische Anwendbarkeit zu überführen, wie es nun beim Neurofeedback bereits geschieht“, sagt Prof. Beste.

Veranstaltungshinweis

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung sowie weitere Schul- und Lernprobleme sind auch Thema eines Informationsabends der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie für interessierte Eltern am 11.03.2014 von 18.00 bis 19.30 Uhr im Hörsaal des Instituts für Pathologie (Haus 43) am Universitätsklinikum, Schubertstraße 15, 01307 Dresden.
Anmeldungen für diese Veranstaltung werden erbeten unter:
Telefon 0351 458 7168 oder per E-Mail an KJPForschung@uniklinikum-dresden.de.

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Direktor: Prof. Veit Rößner
Tel. 0351/ 4 58 22 44
E-Mail: kjpchefsekretariat@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/kjp
www.kjp-dresden.de

Spitzenmedizin für Dresden: Uniklinikum erobert Top-Position in deutschen Krankenhaus-Rankings
Deutschlands größter, im Mai 2013 erschienener Krankenhausvergleich des Nachrichtenmagazins „Focus“ bescheinigt dem Universitätsklinikum Carl Gustav Dresden (UKD) eine hervorragende Behandlungsqualität. Die Dresdner Hochschulmedizin erreichte Platz vier im deutschlandweiten Ranking. Dies ist ein weiterer Beleg für die überdurchschnittliche Qualität der 21 Kliniken des UKD. Gesundheitsexperten sowie insgesamt 22.000 Ärzte hatten Kliniken aus ganz Deutschland beurteilt. Sie honorierten dabei die großen Anstrengungen des Dresdner Uniklinikums in den Bereichen Behandlungsqualität und Patientensicherheit. Beim Focus-Vergleich erreichte das Dresdner Uniklinikum vor allem Top-Noten für die Therapie von Parkinson und Prostatakrebs. Damit belegen die Kliniken für Neurologie beziehungsweise Urologie jeweils Platz zwei. Unter den Top zehn ist nochmals die Neurologie mit der Behandlung von Multipler Sklerose vertreten. Top-Plätze im Ranking erreichten zudem die Klinik für Viszeral- Thorax- und Gefäßchirurgie mit der Versorgung von Darmkrebspatienten sowie die Klinik für Psychiatrie mit der Therapie von Depressionen und Alzheimer. Weitere Kliniken des Dresdner Universitätsklinikums, die als „Top-Fachkliniken“ ausgezeichnet wurden sind: Klinik für Orthopädie (Bewegungsapparat); Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik (Angst- und Zwangserkrankungen), Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Brustkrebs und Risikogeburten) sowie die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie.