Darüber, welche Anwendungen mit Nanopartikeln aus Sicht der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde als besonders vielversprechend gelten und welche Methoden Patienten bereits heute zugute kommen, berichten Experten auf einer Pressekonferenz am 7. Mai 2013 in Nürnberg anlässlich der 84. Jahresversammlung der Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO KHC).

Der Einsatz von Nanopartikeln in der Therapie steht noch am Anfang. Bereits etabliert sind entzündungshemmende Beschichtungen von Implantaten, wie etwa künstlichen Hüftgelenken. „Wir gehen davon aus, dass derartige Beschichtungen auch bald dazu beitragen, Innenohr-Implantate, sogenannte Cochlea-Implantate, besser verträglich zu machen“, erläutert Professor Dr. med. Christoph Alexiou, Oberarzt an der HNO-Klinik Erlangen und Leiter der dortigen Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON). „Ein Überzug aus nanokristallinem Diamant könnte sie zudem haltbarer machen.“ Besonders vielversprechend ist der Einsatz von Nanopartikeln in der Therapie von Krebspatienten: Hierbei können Ärzte gezielt Wirkstoffe zum Tumorherd transportieren, Drug-Delivery-System genannt.

Dieser Therapieansatz profitiert von Nanopartikeln, die bis zu einem Millionstel Millimeter klein sind. Dadurch haben sie die physikalische Eigenschaft, besonders reaktionsfreudig zu sein und die Zellmembran zu passieren. Bindet man einen Wirkstoff – beispielsweise ein Chemotherapeutikum – an den Nanopartikel, kann er in die Zelle eindringen und dort wirken. „Zum einen setzen wir nun Wirkstoffe ein, die aufgrund ihrer Eigenschaften bislang nicht entsprechend genutzt werden konnten. Zum anderen können wir diese gezielter verwenden, indem wir sie an den Ort bringen, an welchem sie ihre Wirkung entfalten sollen“, erklärt Alexiou.

Superparamagnetische Eisenoxidnanopartikel (SPION) gelten in der Onkologie als besondere Hoffnungsträger: Mit einem chemotherapeutischen Wirkstoff beladen sollen die magnetischen Winzlinge gezielt in Krebsherde dirigiert werden. In Tierversuchen konnte Alexiou nachweisen, dass sich ein Chemotherapeutikum mithilfe der Magnetsteuerung im Tumorgewebe 114 Mal stärker anreichern lässt als mit einer herkömmlichen, konventionellen Chemotherapie. So verschwanden zahlreiche Krebsherde sogar vollständig. „Mit der entsprechenden finanziellen Förderung sind wir zuversichtlich, eine effiziente und nebenwirkungsarme Tumortherapie entwickeln zu können“, sagt Alexiou. Das sei gerade auch in der HNO-Heilkunde wichtig – denn hier liegen Tumoren häufig an Orten, die schwer zugänglich sind und damit keine oder keine vollständige operative Entfernung erlauben.

„Vor einer breiten Anwendung von Nanopartikeln in der Medizin sind aber noch weitere, umfassende Tests zur Sicherheit der verwendeten Substanzen erforderlich“, betont Alexiou. Denn ebenso wie die positiven Eigenschaften der Nanopartikel kann auch ihre Toxizität je nach Beschaffenheit und Konzentration deutlich unterschiedlich ausfallen. Über Vor- und Nachteile sowie weitere Anwendungsbereiche berichtet Alexiou auf der Pressekonferenz am 7. Mai 2013 anlässlich der 84. Jahresversammlung der DGHNO KHC. Weitere Informationen zur 84. Jahresversammlung finden Interessierte unter .

Terminhinweise:

84. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC)
Termin: 8. bis 12. Mai 2013
Ort: Nürnberg Convention Center (NCC Ost)

Kongress-Pressekonferenz
Termin: Dienstag, 7. Mai 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Maritim Hotel Nürnberg, Raum Martin Behaim
Anschrift: Frauentorgraben 11, 90443 Nürnberg
Thema u. a.:
Nanotechnik und roboterassistierte Operationen: Von welchen Innovationen profitieren HNO-Patienten schon heute? (Live-Demo-OP auf dem Kongress)
Dr. med. Balazs Lörincz/Professor Dr. med. Christoph Alexiou

Vortragsreihe:
Nanomedizin – Innovationen in Diagnostik und Therapie
Termin: Freitag, 10. Mai 2013, 17.30 bis 19.00 Uhr
Ort: Saal Kopenhagen, NCC Ost

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle der 84. Jahresversammlung der DGHNO KHC:
Christina Seddig
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-442
Telefax: 0711-8931-167
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