Jährlich erkranken in Deutschland rund 500.000 Menschen neu an Krebs, knapp 70.000 von ihnen allein an Darmkrebs. Standardtherapie bei klar umgrenzten Tumoren ist in der Regel die Operation, gefolgt von gegebenenfalls Chemotherapie und Bestrahlung. Dank stetiger Weiterentwicklung der Operationsmethoden und fachübergreifende Therapiekonzepte haben sich die Überlebenschancen bei vielen Krebsarten, darunter auch Darmkrebs, in den letzten 30 Jahren erheblich verbessert. Am Mittwoch, 22. Oktober 2014, stellt Professor Dr. Markus W. Büchler, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Heidelberg, den Besuchern der Vortragsreihe „Medizin am Abend“ die wichtigsten Eingriffe im Bereich des Verdauungstraktes vor und zeigt auf, welche Möglichkeiten die moderne Tumorchirurgie bietet. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Bessere Überlebenschance bei Darmkrebs

Ein wichtiges Thema des Abends ist die Behandlung des Darmkrebs, nach Brust- bzw. Prostatakrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung bei Frauen und Männern. Während noch in der Vergangenheit rund die Hälfte der Patienten die ersten fünf Jahre nach der Behandlung ohne erneutes Krebswachstum überlebte, sind es heute bereits drei von vier Patienten. Zu diesem Erfolg tragen neben neuen Krebsmedikamenten und präziser Bestrahlung auch radikale Operationsmethoden wie die vollständige Entfernung eines von Tumoren befallenen Darmabschnitts, z.B. des Enddarms, bei. „Auf diese Weise sinkt das Risiko für einen erneuten Befall und damit steigt die Überlebenschance“, sagt Professor Büchler. Die meisten Patienten müssen sich trotz fehlendem Enddarm keine Sorgen wegen eines dauerhaft künstlichen Darmausgangs machen: Zwar ist ein künstlicher Ausgang in der Heilungsphase in vielen Fällen vorübergehend unumgänglich, bei 90 Prozent der Patienten kann er heute aber nach drei Monaten wieder zurückverlegt werden.

„Gerade bei Darmkrebs müsste es allerdings häufig erst gar nicht so weit kommen, dass der Tumor benachbartes Gewebe wie z.B. den Schließmuskel angreift. Mit der Darmspiegelung steht eine sehr zuverlässige Vorsorgeuntersuchung zur Verfügung, mit der Vor- und Frühstadien erkannt und zum Teil auch direkt entfernt werden können. Je früher Darmkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen“, betont der renommierte Chirurg. Ab dem 55. Lebensjahr ist eine Darmspiegelung alle zehn Jahre Kassenleistung, Versicherte mit familiärer Vorbelastung können sich auch schon früher untersuchen lassen.

Neue Verfahren bei bislang inoperablen Tumoren

Einen besonderen Stellenwert an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg haben Tumoroperationen an Bauchspeicheldrüse und Leber, auf die sich das Team um Professor Büchler spezialisiert hat. Jährlich führen die Heidelberger Chirurgen rund 700 solcher Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse, 200 an der Leber durch. „Dank der großen Erfahrung des gesamten Teams gelingt es uns, auch schwierige Tumoren zu entfernen, die ursprünglich als inoperabel eingestuft wurden und in weniger spezialisierten Zentren nicht behandelt werden können“ so Büchler. 2012 wurde die Klinik von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) als „Exzellenzzentrum für Chirurgische Erkrankungen des Pankreas“ zertifiziert. Voraussetzung dazu ist neben der Expertise durch eine Mindestzahl an Eingriffen und hoher Behandlungsqualität die interdisziplinäre Vernetzung: Speziell im Bereich der Krebstherapie arbeiten die Chirurgen im Rahmen des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT mit Krebsmedizinern, Strahlentherapeuten, Gastroenterologen, Endokrinologen und Pathologen, sowie Radiologen, Anästhesisten und Intensivmedizinern zusammen.

Im Vortrag stellt Professor Büchler zudem neue Techniken und Operationsverfahren vor, die am Universitätsklinikum bereits Eingang in die klinische Routine gefunden haben. Ein Beispiel ist das sogenannte Leber-Splitting. Ist ein Tumor zu groß, um ihn auf herkömmliche Weise zu entfernen, nutzen die Chirurgen die beachtliche Fähigkeit der Leber zur Regeneration. Sie trennen einen Teil des erkrankten Gewebes von der Blutzufuhr ab. Die Leber reagiert darauf mit einem Gewebezuwachs in den noch gut durchbluteten, gesunden Bereichen. Wenn dann eine Woche später in einem zweiten Eingriff der erkrankte Leberlappen mit Tumor entfernt wird, können die herangewachsenen Leberbereiche den Gewebeverlust kompensieren, die Leber kann ihre lebenswichtige Funktion weiter erfüllen. Auf diese Weise lassen sich auch bisher inoperable Tumoren entfernen.

Weitere Themen sind operative Verfahren bei Krebserkrankungen der Speiseröhre, der Schilddrüse und des Magens, die am Universitätsklinikum ebenfalls routinemäßig durchgeführt werden.

Weitere Informationen:

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca.
2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw.
teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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Bei Rückfragen von Journalisten:

Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
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