„Seit wenigen Tagen ist in Deutschland ein vielversprechender Wirkstoff zugelassen: Vemurafenib hält das äußerst bösartige maligne Melanom in Schach und verlängert das Leben der Patienten, die an schwarzem Hautkrebs leiden.“ Mit dieser Meldung hat das Nachrichtenmagazin Focus vor etwas über einem Jahr bei vielen Patienten, die an Hautkrebs erkrankt waren, Hoffnungen geweckt. Der Artikel stand unter der Überschrift „Therapie-Durchbruch gegen schwarzen Hautkrebs.“

Allerdings war das nur die halbe Wahrheit: „Leider kommt es unter dieser zielgerichteten Therapie bei nahezu allen behandelten Patienten zu einer Resistenzentwicklung der Tumorzellen gegen das Medikament und im Folgenden zum Fortschreiten der Erkrankung“, berichtet der Dermatologe Dr. Sebastian Haferkamp von der Universitäts-Hautklinik Würzburg.

Ein Mittel mit begrenzter Wirksamkeit

In einem neuen Forschungsprojekt will er nun gemeinsam mit Privatdozentin Dr. Svenja Meierjohann von der Physiologischen Chemie des Biozentrums die Abläufe untersuchen, die zur dieser Resistenz führen. Beide Forscher untersuchen schon seit Längerem die grundlegenden Mechanismen des Melanoms. Die Hiege-Stiftung unterstützt das gemeinsame Projekt mit 40.000 Euro.

Vemurafenib kommt bei Menschen zum Einsatz, die ein verändertes Protein im Tumorgewebe tragen, das auf eine Mutation im sogenannten BRAF-Gen zurückgeht. Das mutierte Protein kann zu einem unkontrollierten Wachstum des Tumors führen. Vemurafenib hemmt das Protein und damit auch das Tumorwachstum – zumindest für einen gewissen Zeitraum.

Der Tumor kommuniziert mit seiner Umgebung

Warum verliert das Mittel seine Wirksamkeit? „Es ist bekannt, dass Tumorzellen und ‚normale‘ Zellen der Tumorumgebung, wie zum Beispiel Fibroblasten, Keratinozyten oder Endothelzellen, miteinander durch Botenstoffe kommunizieren und sich gegenseitig beeinflussen“, erklärt Svenja Meierjohann. Unter Therapie mit Vemurafenib setzen nun Melanomzellen ganz spezielle Botenstoffe vermehrt frei, die die Zellen der Tumorumgebung dazu veranlassen, aktiv eine Resistenzentwicklung zu unterstützen. Der Tumor kann in der Folge ungebremst weiterwachsen. Wie es die Melanomzellen schaffen, die Nachbarzellen für ihre Zwecke zu missbrauchen, ist bisher allerdings nur unzureichend verstanden.

Im Rahmen des geförderten Projekts wollen Meierjohann und Haferkamp in einem ersten Schritt die Botenstoffe charakterisieren, die von Melanomzellen unter der Vemurafenib-Behandlung freigesetzt werden. Anschließend werden sie untersuchen, welchen Effekt diese Botenstoffe auf die Zellen der Tumorumgebung haben. Mit dem Wissen über die Kommunikation von Melanomzelle und Tumorumgebung wollen sie herausfinden, ob und auf welche Weise eine Vemurafenib-Behandlung das Tumormilieu stimulieren und damit zu einer Resistenzentstehung beitragen kann.

Das maligne Melanom

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 24.000 Menschen neu an einem malignen Melanom – dem schwarzen Hautkrebs. Wird ein Melanom entdeckt, wird es in der Regel operativ entfernt. Allerdings ist der Tumor hoch aggressiv und bildet bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung Metastasen, die sich schnell im ganzen Körper ausbreiten. In diesem Falle sprechen Mediziner von einem fortgeschrittenen malignen Melanom. Die klassische Behandlung mit Chemo- und Strahlentherapie bringt nur in wenigen Fällen einen Heilungserfolg.

Die Hiege-Stiftung

Die Hiege-Stiftung wurde im Jahre 2006 von Astrid und Dr. Wolfgang Hiege ins Leben gerufen, nachdem ihre Tochter Fleur im Jahr zuvor im Alter von nur 32 Jahren am Melanom verstarb. Mehr:

Kontakt

PD Dr. Svenja Meierjohann, T: (0931) 31-81348,
svenja.meierjohann@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Dr. Sebastian Haferkamp, Haferkamp_S@ukw.de