Das Ulmer Netzwerk Traumaforschung konnte durch seine Arbeit bereits ganz konkrete Verbesserungen für die große Zahl von Traumapatienten erreichen, von der Wiederherstellung gestörter Knochenheilung bis hin zu verbesserten Traumatherapien für Kinder. Diese und weitere Forschungsergebnisse waren auch möglich, weil die Ulmer Universitätsmedizin die Einwerbung von Drittmitteln in den vergangenen Jahren massiv steigern konnte.

„Wir forschen, um Erkrankungen und Heilungsprozesse besser zu verstehen und so langfristig bessere Therapien zu entwickeln. Das ist die Aufgabe der Universitätsmedizin. Dem Einsatz unserer Wissenschaftler ist es zu verdanken, dass wir dafür 2013 rund 52 Mio. Euro an Drittmitteln einsetzen konnten – doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren“, freut sich Prof. Dr. Thomas Wirth, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm und Direktor des Instituts für Physiologische Chemie. „Das Netzwerk Traumaforschung ist ein ideales Beispiel dafür, wie aus einem engen Austausch zwischen den behandelnden Ärzten am Krankenbett und den Wissenschaftlern medizinische Forschung für den Patienten entsteht. Dabei arbeiten Chirurgen, psychotherapeutisch tätige Ärzte, Psychologen und Materialforscher gemeinsam daran, einem Volksleiden zu begegnen“, betont Prof. Dr. Klaus- Michael Debatin, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm und Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Traumaforschung: Ein Volksleiden im Mittelpunkt
Wenn jemand bei einem Unfall schwer verletzt wird, sind nicht nur Knochen gebrochen, auch Gewebe oder Organe sind in Mitleidenschaft gezogen, das Immunsystem und der Kreislauf reagieren, die Psyche ebenfalls. Diese komplexen Wechselwirkungen erforscht das Netzwerk Traumaforschung.

„Wir wollten z.B. herausfinden, warum Knochenbrüche oft nicht richtig heilen, wenn weitere schwere Verletzungen hinzu kommen“, erläutert Prof. Dr. Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie. Dieser Frage ging er zusammen mit seinen Kollegen vom Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik nach, und die Wissenschaftler fanden eine mögliche Ursache: Die schweren Verletzungen führen zu einer Überaktivierung des Immunsystems. Institutsdirektorin Prof. Dr. Anita Ignatius: „Wir konnten zeigen, dass die Knochen besser regenerieren, wenn das Immunsystem nach einer schweren Verletzung beeinflusst, moduliert wird. Das kann z.B. durch bestimmte Medikamente erreicht werden.“ Die Ulmer Traumaforschung hat auch in vielen weiteren Bereichen zu verbesserten Therapien geführt, etwa bei der Entwicklung von abbaubaren Knochenstiften oder bei verträglichen Implantaten zur Stabilisierung von Knochenbrüchen, z.B. bei Osteoporose.

Etwa zehn Prozent der Unfallopfer erleiden auch ein psychisches Trauma. Posttraumatische Belastungsstörungen durch verschiedenste traumatische Erfahrungen sind eine der häufigsten seelischen Erkrankungen in Deutschland. „Im Netzwerk Traumaforschung untersuchen wir beispielsweise, welche körperlichen Auswirkungen seelische Traumen haben können. Gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie wollen wir zudem herausfinden, wie traumatische Erfahrungen über Generationen hinweg weitergegeben werden können – und wie man die Aufarbeitung fördern kann“, sagt Prof. Dr. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Psychische Traumen bei Kindern werden oft gar nicht oder zu spät diagnostiziert und therapiert. „Wir haben die Wirksamkeit von Traumatherapien bei Kindern untersucht und dann in einer spezifischen Traumatherapieambulanz die wirksamen Therapien eingesetzt. Gleichzeitig versuchen wir in einem Forschungsnetzwerk dafür zu sorgen, dass traumatisierte Kinder z.B. in Kinderheimen und anderen Einrichtungen frühzeitig Hilfe bekommen“, berichtet Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie. In einem weiteren Projekt erarbeiteten die Wissenschaftler webbasierte Therapien für Menschen, die als Kinder eine Krebserkrankung überlebt haben, und an dieser lebensbedrohlichen traumatischen Erfahrung bis heute leiden. Die neuen Medien und der Einsatz des Internets in Therapie und Wissensweitergabe sind eine Spezialität des Ulmer Traumanetzwerks. „So haben wir E-Learning-Programme entwickelt, die Ärzte, Studierende oder Betreuungspersonal z.B. über die Vorbeugung von Traumatisierung aufklären, besonders im Bereich des Missbrauchs oder der Vernachlässigung“, so Fegert.

Das Wissen im Bereich der Traumaforschung und -therapie findet über Vorlesungen, Seminare, die Vergabe von Doktorarbeiten und Mitarbeit in Forschungsprojekten zudem Eingang in die Ausbildung der Ärzte von morgen.

Weitere Leuchttürme: Onkologie/Hämatologie und Neurodegenerative Erkrankungen
Neben der Traumaforschung sieht die Ulmer Universitätsmedizin einen weiteren wichtigen Schwerpunkt in der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen. Dazu tragen u.a. der Sonderforschungsbereich zur Leukämie (SFB 1074) und das Integrierte Tumorzentrum CCCU (Comprehensive Cancer Center Ulm) bei. Eine international wichtige Position nimmt die Ulmer Universitätsmedizin auch im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen ein: Für Patienten mit der seltenen Huntington-Erkrankung beispielsweise ist Ulm europaweit der Anlaufpunkt, das Europäische Huntington Netzwerk wurde seit 2003 mit mehr als 39 Mio. Euro gefördert.

Ziel der Ulmer Universitätsmedizin ist, die Profilbildung weiter zu stärken, um darüber zum einen die Ansiedlung einer außeruniversitären Forschungseinrichtung zu befördern und zum anderen die innovative spezialisierte Versorgung von schwerkranken Patienten weiter auszubauen.

Gerne vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner. Bitte nehmen Sie Kontakt zu Jörg Portius, Presse-und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 auf.